"De Stianghausratschn" in Püchersreuth
Bayerische Eheberatung

"Mia is da Schnobl bairisch gwachsn"
Kultur
Püchersreuth
05.11.2017
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Komisch, dramatisch, lustig. Mit Humor betrachtet ist der Alltag eine Inspiration für Kreativität und Alltagsgeschichten. "De Stianghausratschn" hat davon eine ganze Menge auf Lager.

Das kennt so mancher geplagte Nachbar. Eine Mitbewohnerin, die ständig über andere lästert. Die das Gras wachsen hört. Der es langweilig wird, wenn es nichts zum Ratschen gibt. Darum werden die Ohren gespitzt, vielleicht manches dazuerfunden, damit die Sensation größer wird.

Eine "Stianghausratschn" nennt das Rosi Spielberger, die damit sich selber als Kunstfigur erfunden hat. "Und weil i deshalb so wenige Freindinnen hob, feier' i heit mein Geburtsdoch bei eich", legt sie verschmitzt nach. Das mit dem Geburtstag stimmte allerdings, weshalb sie erst einmal ein Ständchen bekam vom Publikum in der "Hiaslbauerstubn". "I bin a Ratschn" trug sie deshalb auch vor, selbst gedichtet und ironisch.

Der Mann sitzt nebenan

Ideengeber und "Leidtragende" von Spielbergers selbst geschriebenen Spottliedern ist meist ihre eigene Familie: "Zwoa Buam, a Madl, mei Mo, d'Oma und da Hund". Da ist natürlich immer viel los, erzählt Rosi, was sie dann gnadenlos in ein Lied oder Gedicht verwandelt. Das Drama im Baumarkt mit ihrem Mann, der sich mit dem besten Werkzeug ausstattet, um eine Schrankwand mit Schüben zu zimmern. Zu Hause scheitert dann der Traum an den handwerklichen Künsten des Gatten.

Aus der Schrankwand wird ein Regal und eine Fahrt zum Möbelhaus. Die Pointe dabei: Ihr armer, derbleckter Ehemann sitzt neben der Bühne, denn er ist der Veranstaltungstechniker. Aber nach 30 Ehejahren scheint er ein dickes Fell zu haben. Diese lange glückliche Ehe wirft ihnen die Tochter vor, erzählt Rosi: "Des kennts ma doch net odua! Patchwork-Ehen sind heit in. Mei Freind kriagt scho Angst dass i aa so lang bei eam bleibm will." Zu Füßen des leidensfähigen Gattens liegt der Hund, der wohl von jedem und von allen gestreichelt und verwöhnt wird.

Dramatisch komisch ist die jährliche Reise mit der Oma zum Gardasee. Ständig ruft die Oma "biesln" vom Rücksitz, so dass der Weg unendlich wird. Oder: Wer kennt nicht einen "tödlichen Männerschnupfen"? Mit zwei Handpuppen spielt sie den erbärmlich jammernden kranken Herbert, der schon ans Sterben denkt und seiner Frau Fürchterliches erzählt. Der aber plötzlich geheilt zu sein scheint, als sein Spezl anruft, weil ihnen zum Kartenspielen der vierte Mann fehlt.

Zwei andere Handpuppen sind Frau Gscheid und Frau Haferl. Beide lästern über ihren Mitbewohner im Münchner Mietshaus, aber auch gegeneinander. Dem "Schickimicki Bussi, Bussi"-Gehabe der "Hot Wollee" gibt sie sogar ein nachdenkliches Ende. Denn ein oberflächlicher Mensch könne oft sehr einsam sein.

Beliebte Kosenamen

"Mia is da Schnobl bairisch gwachsn" konnte auch das Publikum voller Überzeugung mitsingen. Anlass war die Aufregung über eine Speisekarte in einem tief bayerischen Lokal. Da hieß der Leberkäs nämlich "Fleischkäse", das Knedl "Klöße" und der Zwetschgndatschi "Pflaumenkuchen". Das "Leberkas-Lied" war denn auch eine Kampfansage an die Verhochdeutschung unserer schönen bayerischen Begriffe.

Diese sind auch in Kosenamen für den Ehepartner zu finden, wenn dicke Luft herrscht: "Bierdimpfl, Muhagl, Hoisabschneider, Waschlappm." Diese Anleitung zu gegenseitiger Beschimpfung erhielt ein Paar, das sich zwar nicht freiwillig gemeldet hatte, aber sich bei der Aufzählung der Schimpfwörter vor Lachen bog, ebenso wie der Rest des Publikums. Und natürlich bekam auch der Herr eine Anzahl an Beleidigungen für seine Frau empfohlen: "Giftnudl, Koafreitagsratschn, Heigeign, Bixn." Eheberatung einmal anders herum.

"Schmeiß weg, bevor der Papa kommt" ist ihre Art, mit den Kindern das Haus zu entrümpeln. Und der Nachwuchs hat die Mama vor sieben Jahren ermuntert, die Texte, die sie sonst nur innerhalb der Familie kreierte, auf die Bühne zu bringen. Und dort erlebte sie das nun euphorisch klatschende Publikum in Püchersreuth, das zum Abschluss noch das Lied vom "Muckerl", der Schlafzimmer-Mücke, die schließlich im Weinglas ertrank, serviert bekam.
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