Die Laiendarsteller des Störnsteiner Schlossbergtheaters feiern gelungene Premiere des Stücks ...
Emanzipation und Marmelade mit Schuss

Auch eine Form der Emanzipation. Das schwache Geschlecht verschiebt im Dreiakter "Man gönnt sich ja sonst nix" Möbel.
Kultur
Püchersreuth
19.02.2018
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Der Kampf der Geschlechter steht im Mittelpunkt des Lustspiels "Man gönnt sich ja sonst nix". Das Störnsteiner Schlossbergtheater feierte eine gelungene Premiere, bei der es immer wieder Szenenapplaus für die gezeigten Leistungen gibt.

Was haben der Kampf der Geschlechter, Marmelade mit Schuss und ein heimlich gemachter Führerschein gemeinsam? Ganz einfach: ein Dauerfeuer an Salchsalven.

Wurz. Die Laiendarsteller des Störnsteiner Schlossbergtheaters überzeugen bei der Premiere des Lustspiels "Man gönnt sich ja sonst nichts" von Marianne Fritsch im Gemeindehaus. Immer wieder gibt es Szenenapplaus.

Regisseur Herbert Mittelmeier gesteht, dass er zuvor das eine oder andere graue Haar mehr bekommen hat. "Die Probenzeit war relativ kurz, die Nervosität vor der Premiere stieg, und es stellte sich die Frage, ob das Stück wohl humorvoll genug war." Aber als sich der Premierenvorhang am Freitagabend öffnet, sind die drei Darstellerinnen und vier Darsteller topfit. Die anfängliche Nervosität legt sich schnell, der Text sitzt. Kleine Schwächen werden locker wegimprovisiert.

Luderhafter Alltag

Auf der einen Seite steht das dörfliche Patriarchat mit dem Bauern Alois Meindl (Rudi Förster), dessen Sohn Martin (Johannes Meiler) und dem Freund der Familie Nick (Tom Kraus). Auf der anderen Seite die Front der Emanzipation mit Franzi Meindl (Ulla Kick), deren einfältiger Freundin Vroni (Anita Röhrer) und der taffen Geschäftsfrau Lisa Bauer (Steffi Derdon).

Die Biohof-Bäuerin Franzi kann sich mehr vorstellen, als Haus und Hof zu hüten. Was bleibt in einer langjährigen Ehe, in der sich der Alltag als "verfressenes Luder" darstellt und am Ende nur Kameradschaft übrig ist - sofern man Glück hat. Da sie nicht einmal einen Führerschein besitzt und von ihren beiden Männern stets im Stich gelassen wird, besucht Franzi heimlich die Fahrschule, macht aber ihren Mann eifersüchtig, indem sie als Abwesenheitsgrund Massagen bei "Giovanni" angibt. Daneben erlangen sie und ihre Marmelade Berühmtheit, als die Bäuerin mit dem Wurf eines Marmeladenglases eine Geiselnahme beendet.

Kräftig an der Emanzipationsschraube dreht auch Lisa, die flotte und bestens gespielte Geschäftsfrau. Mit ihrem Auftauchen auf dem Bio-Hof ändert sich alles. Die Männer sehen sich in die Defensive gedrängt. Humorvolle Akzente setzt immer wieder Vroni, die bereits im ersten Akt mit ihrem derben, einfältigen Humor und gegen Ende des Stücks ihren Glanzauftritt mit übermäßig roten Lippen und Sonnenblumen im Haar hat, als Fotografen den Hof belagern und Franzi die Herren der Schöpfung über ihr Verhalten aufklärt. Am Ende überreicht ihr Lisa noch ein Auto als Dankeschön der überfallenen Bank, und alles ist wieder gut.

Herz zu Herz

Vroni bekommt am Ende auch ihren Thomas Filser (Benjamin Nastvogel), einen Fahrradhändler, den sie lieben gelernt hat und der in einem Verwechslungsspiel gar am Kragen gepackt wird, weil er für den verhassten Masseur gehalten wird.

Am Ende bekommen die Darsteller auf der Bühne, Markus Schubert als Souffleur und Techniker sowie Herbert Mittelmeier als Regisseur verdienten Applaus. Die Truppe, in der durch das Pausieren alter Haudegen wie Erich Nickl, Josef Schieder, Elisabeth Nasz oder Andrea Ritter ein gewisser Umbruch stattgefunden hat, erntet den Dank für eine überaus lebendige Vorstellung. Das Stück ist noch elf Mal im Gemeindehaus zu sehen. Alle Vorstellungen sind bereits ausverkauft.
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