Diogenes-Quartett zeigt höchstes Können beim Wurzer Klassik-Sommer
Feurig und mit viel Energie durch den Pfarrhof

Großen Applaus erhält das Diogenes-Quartett für sein interessantes Programm bei den Wurzer Sommerkonzerten. Bild: Heinrich
Kultur
Püchersreuth
31.07.2017
44
0

Von Hermann Heinrich

Wurz. Das Diogenes-Quartett - Stefan Kirpal, Gundula Kirpal, Alba Gonzáles i Becerra und Stephen Ristau - ist eine seit vielen Jahren arriviertes und international anerkannte Gruppierung. Am Samstag gastiert es bei den Wurzer Sommerkonzerten im lichtdurchfluteten Innenhof des ehemaligen Pfarrhofes. Auf dem Programm steht zunächst das Streichquartett op. 18 Nr. 6 von Ludwig van Beethoven. Dieses Werk wurde dem Fürsten Franz Joseph Maximilian von Lobkowitz, einem Förderer und Gönner Beethovens, gewidmet.

Präzise artikuliert

Das Ensemble beginnt feurig und mit Verve den ersten Satz und zeigt dabei sofort seine Qualitäten, die im besonderen in der ungebremsten Musizierfreude und der reichen Kommunikation der einzelnen Stimmen liegen. Dabei bilden die Außenstimmen die Klammer mit ihrer bernsteinfarbenen, warmen Klanglichkeit, in die sehr klare Mittelstimmen ihre musikalischen Kommentare mischen. Prägnant und präzise artikuliert sind auch die Folgesätze, wobei besonders die liebevollen Kantilenen der ersten Geige das Publikum zu berühren verstehen. Stilsicher und aufrichtig ohne künstliche Blasiertheiten wird hier erfrischend musiziert. Dies setzt sich im doch recht kantigen Streichquartett Nr. 1 von Leos Janácek auf glückliche Weise fort, wobei die Musiker hier auch extreme dynamisch Grenzen ausloten. Dies ist umso anerkennenswerter als der Innenhof zwar ein idyllisches Ambiente liefert, den Musikern durch die trockene Open-Air-Akustik viel abverlangt. Das Werk, das programmatische Züge erkennen lässt, wird zunächst vom Primarius in einer sachkundigen Einführung dem Publikum nähergebracht. Die großen Gegensätze sowohl im Tempo als auch im Ausdruck werden ohne künstliche Aufgeregtheit mustergültig bewältigt. Hier kann jede Stimme ihr hohes technisches Potenzial ausspielen.

Wunderbar duftig

Sehr homogen und gleichwertig erklingen die Soli, und die Transparenz wird auch im dichtesten Getümmel gegen Ende des letzten Satzes gewahrt. Das ist Quartettkultur auf sehr hohem Niveau und nur durch langjähriges Wachsen in der Gruppe zu erreichen. Wiederum verzaubert die erste Violine mit nobel geführten, weitgespannten spätromantischen Bögen, die höchstes Können verlangen. Nach der Pause erklingt als drittes Werk das Streichquartett op. 44 Nr. 1 von Felix Mendelssohn Bartholdy. Sehr spritzig, aber nicht nervös beginnt der erste Satz, wobei die vielen 16tel Begleitungen wunderbar duftig und nicht vordergründig ein Hervortreten der jeweils führenden Stimme ermöglichen. Hier wird oft gesündigt, was aber das Diogenes-Quartett souverän vermeidet.

Der 2. Satz sehr homogen dargeboten und bis in die hintersten musikalischen Ecken ausgeleuchtet, vergeht wie im Flug. Der 3. Satz innig und sehr klangschön luftig, wird zu einem Highlight des Abends. Hier musiziert das Quartett filigran mit großer Zartheit- bis an die Grenze zur Unhörbarkeit. Wunderbar ausgesungene Melodien ermöglichen es, die Größe der Mendelssohn'schen Musik spürbar werden zu lassen. Der 4. Satz, mit viel Energie und hohem Tempo, liefert den willkommenen Gegensatz zu den Mittelsätzen des Werkes und wird mit kräftigem Applaus belohnt. Als Zugabe lassen die Musiker eine Jugendkomposition von Franz Schubert erklingen, die eigens für das Ensemble eingerichtet worden war.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.