Ensemble "Exprompt" überzeugt bei den Wurzer Sommerkonzerten
Russische Gefühlswelten musikalisch ausgedrückt

Einen oft melancholisch klingenden und zugleich fröhlichen Streifzug durch die Weiten Russlands unternahm in bester Spiellaune das russisch-karelische Quartett "Exprompt" beim Wurzer Sommer. Bild: Dotzauer
Kultur
Püchersreuth
31.07.2017
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Von Robert Dotzauer

Wurz. Wie das Aufstöhnen eines tief Verzweifelten mutet der Beginn der 6. Sinfonie von Pjotr Iljitsch Tschaikowski an. Sein berühmt gewordenes Werk endet so düster, wie es beginnt und verleiht der Musik eine tragische Note. Ein Fingerzeig für die tieftraurige Musik der Russen? Die russische Seele einmal anders, thematisiert am Sonntagnachmittag das Ensemble "Exprompt" bei den 30. Wurzer Sommerkonzerten. Es ist die Fähigkeit des Quartetts, Leid und Trauer, Melancholie, Liebe und Lebensfreude mit einer berauschenden Tonvielfalt zu verbinden und die Zuhörer daran teilhaben zu lassen.

Mit ihren traditionellen russischen Instrumenten Domra, dem Knopf-Akkordeon Bajan, der Balalaika und der "Schwiegermutter", dem Balalaika-Kontrabass, zaubern Olga und Aleksei Kleshchenko, Nikolai Istomin und Evgenii Tarasenko mit unbändiger Spielleidenschaft ein umwerfend feinsinniges und begeisterndes Zusammenspiel voller solistischer Glanzlichter in das weite Rund einer grünen Oase. Die "Glocken und Glöckchen", so der Titel des gelöst heiteren Musiknachmittages verkünden zärtlich und weich die musikalischen Eigenheiten des russischen Volksgesangs. Nur unterbrochen von den weichen Stundenschlägen aus dem Glockenturm der Pfarrkirche räumt "Exprompt" mit einem Phlegma auf.

Sanftmut und Hoffen

Aus der Lust zu Traurigkeit und Leid wird Sanftmut und verträumtes Hoffen. Glücksverheißende Aspekte fließen in die Melodienfolge ein und verwandeln die leisen Glöckchen in mächtiges Zukunftsgeläut. Die Hoffnung als Triebkraft für ein besseres Morgen, um Schmerz und Kummer zu überwinden, bestimmen den Augenblick mit der Botschaft: "Die glückliche Zukunft beginnt ja immer erst morgen".

Doch nicht nur die mitreißende russische Folklore, wie zum Beispiel liebliche Walzertakte, eine kunstvolle Kostprobe auf der Domra, russische und finnische Traditionals oder Zigeunertänze bestimmen den Augenblick. Die Mitglieder des 1995 gegründeten Quartetts, allesamt Absolventen der Filiale des St. Petersburger Konservatoriums in Russisch-Karelien, verstehen sich auf Wimpernschlag. Getragen von zauberhaften ensembleeigenen Bearbeitungen bereichern auch moderne und zeitgenössische Komponisten das Konzert. Besonders nach der Pause brillieren Aleksei Kleshchenko und Co. mit vielen Ohrwürmern. "Mein Hut der hat drei Ecken" als Variation von Niccólo Paganini gehört zu diesen Einfällen. Mit famoser Spielkunst berauscht Nikolai Istomin mit dem "Schwindeligen Akkordeon".

Kreativ und souverän

Auch das weitere Repertoire überrascht. Mit begeisternder Spielfreude interpretieren die Ensemblemitglieder Kompositionen von Dmitri Schostakowitsch, Waleri Gawrilin, Rodion K. Schtschedrin oder Django Reinhardt. Eindrucksvoll stellt "Exprompt" unter Beweis, welche Möglichkeiten ein traditionelles Instrumentarium bieten kann, wenn sich Kreativität, Souveränität, Geschmack und Mut zu neuen musikalischen Ufern vereinen. Die Preise bei internationalen Wettbewerben verwundern deshalb nicht. Das weiß im weiten Rund vor dem Pfarrhof auch das Publikum zu schätzen und feiert das Quartett im Bewusstsein der süßen musikalischen Versprechungen und Hoffnungen auf das Glück von morgen überschwänglich.
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