Geniales Finale in Wurz
Die Kraft der Vision

Eine "Sternstunde" erlebten die Konzertbesucher im Alten Wurzer Pfarrhof mit Miroslav Vilimec (Violine) und Jana Bousková (Harfe)
Kultur
Püchersreuth
04.09.2017
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Eine "Sternstunde" erlebten die Konzertbesucher im Alten Wurzer Pfarrhof mit Miroslav Vilimec (Violine) und Jana Bousková (Harfe). Bild: Glaubitz

"Eine Sternstunde!" Das Publikum war sich einig: So hatten sie Violine und Harfe schon lange nicht gehört. "Das war die Krönung der diesjährigen Wurzer Sommerkonzerte", behauptete ein Zuhörer begeistert.

Wurz. "Der Sommer ist vorbei, die Wurzer Sommerkonzerte ebenfalls." Wehmütig kündigte Rita Kielhorn das letzte der diesjährigen Wurzer Sommerkonzerte an. Nochmals blickte sie zurück auf den Beginn vor 30 Jahren. Auf Ihre Vision, dieses Kleinod mitten in Wurz mit Musik zu beleben und gleichzeitig den "eisernen Vorhang" zwischen Ost und West aufzuweichen. "Musiker von überall her bewerben sich inzwischen bei mir", freute sich die sehr rührige Organisatorin. Sie möchten gern "in diesem kleinen Ort fast in der Mitte Europas spielen".

Herzlich dankte sie dem Publikum für seine treuen Besuche, den Mitgliedern des Freundeskreises, den Freunden und Förderern. Aber auch den Menschen in Wurz, die ihr mit viel Herzlichkeit und Offenheit begegnet waren, als sie damals - als "junge Ärztin im Minirock" - von ihren Plänen erzählte. Humorvoll zitierte sie das Gedicht, das ihr zum 20. Jubiläum Norbert Neugirg geschrieben hatte und das den Hinweis enthielt, dass sie es geschafft hat, "in dem alten Zeug Konzerte abzuhalten und teils unter Freudenqualen 20 Jahre draufzuzahlen".

Musik im Marstall

Freude bereitete an diesem letzten Abend vor allem die hervorragende Musik im Marstall. Den Blick der Zuschauer fing sofort die prachtvolle Konzertharfe von Jana Bousková ein. Bousková, erste Harfenistin der Tschechischen Philharmonie, wurde begleitet von dem Violinisten Miroslav Vilimec, Gründer der Jan-Kubelic-Gesellschaft zur Bewahrung des Erbes berühmter tschechischer Violinisten. Ab 1992 war er 14 Jahre lang Konzertmeister der Tschechischen Philharmonie.

Diese beiden Meister auf ihren Instrumenten schafften es nicht nur einmal an diesem Abend, dass das Publikum den Atem anhielt und erst nach dem Verklingen des letzten leisen Tons begeisterter Applaus aufbrandete. Kraftvolle Griffe auf der prächtigen, goldverzierten Lion Healy-Harfe, flinke Finger, eine energische Violine. Beim "Allegro con Spirito" der Sonate G-Dur, KV 301 von Wolfgang Amadeus Mozart wippten manche bereits mit dem Fuß den Takt mit. Weich und elegisch zauberte das Allegro im Walzertakt ein Lächeln auf die Lippen der Gäste.

Als "Augen- und Ohrenweide" bezeichnete die Organisatorin den Auftritt von Jana Bousková. Im langen rosafarbenen Glitzerkleid verzauberte sie solo mit der "Suite op. 39" von Antonin Dvorak. Dem setzte das Duett mit der "Fantasie für Violine und Harfe, op. 124", einem Meisterwerk von Camille Saint-Saens, die Klangkrone auf. Das verzauberte Publikum lauschte teils mit geschlossenen Augen.

Bach und Paganini

Eine fröhliche, bravouröse Eigenkreation von Violinstücken, kombiniert aus Bach- und Paganini-Kompositionen, ist Miroslav Vilimec mit seiner "Bachaniniana" gelungen. Nach einem weiteren Medley aus Paganini-Stücken, der "Paganiniana für Violine solo" von Nathan Milstein, bei der er wieder sein umwerfend sicheres Talent auf der Geige demonstrierte, übergab er die Bühne an Jana Bousková. Diese spielte nicht die angekündigte Ballade von Henriette Renié, sondern "Die Moldau" von Smetana. Eine sehr gute Entscheidung, wie das Publikum applaudierend bestätigte. Denn gerade dieses Stück ist prädestiniert für die Harfe. Deren besonderer Klang erinnerte an das leichte Fließen, das Kräuseln der Wasseroberfläche. Man glaubt, das Glitzern der Wellen in der Sonne zu sehen, das Plätschern zu hören. "Wir waren bereits 1995 hier", erzählte die Harfenistin dem Publikum. Und im Jahr 2007 beendete ihr Konzert ebenfalls die Sommerkonzerte, damals wie dieses Mal, nachdem ein Temperatursturz den Herbst gebracht hatte.

Seine geniale Akustik bewies der Marstall mit seinen Steinsäulen und dem Gewölbe noch ein weiteres Mal. Die Sonate Es-Dur. op. 113 von Louis Spohr sollte den Abschluss bilden. Im Wechsel zwischen sanft-harmonischem Adagio und einem lebendigen Rondo allegretto, durchsetzt von Geigentrillern, steigerte die Musik das Publikum in höchste Begeisterung. Rhythmischer Beifall und "Bravo"-Rufe forderten eine weitere Zugabe. Die "Meditation" von Jules Massenet verzauberte das Ende dieses besonderen Konzerts.
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