Packende Unterhaltung
Streicher im Kostüm

Die historischen Kostüme des Quintetts passen hervorragend in den historischen Wurzer Pfarrhof. Bild: Reinhold Tietz
Kultur
Püchersreuth
27.08.2017
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Wurz. Nicht bei Kerzenschein, wie angedacht, sondern bei warmem Sonnenschein findet im Historischen Pfarrhof in Wurz im Rahmen der "30. Wurzer Sommerkonzerte 2017" vor sehr vielen begeisterten Besuchern das "Serenadenkonzert. Eine kleine Nachtmusik" statt. Im Schatten der vielen Bäume, die den Pfarrgarten begrenzen, sitzen die Zuhörer und lauschen dem Spiel der "Chursächsischen Streichersolisten".

Kunstvoll gefügt

Ein reichhaltiges Programm wird von Peter Kostadinov (Violine 1), Stefan Büchner (Violine 2), Beate Erler (Viola), Georg Stahl (Violoncello) und Bohumil Polivka (Kontrabass) dargeboten. Dabei zeigt sich schnell, dass kunstvolle Fügungen von Klangfarben bei unterschiedlicher Instrumentation nichts von ihrer Wirkung einbüßen.

Die Kostüme und Perücken der Musiker passen außerdem ausnehmend gut zu der speziellen Note des frühen Abends und gestalten wirkungsvoll ein besonderes Ambiente. All das prägt bereits das Vorspiel zu "Die Meistersinger von Nürnberg" von Richard Wagner, das selbst als Kammermusik die Melodien unterschiedlicher Stationen der Handlung glaubhaft darstellt.

Von Luigi Boccherini folgt "Die Wachablösung" aus "La musica notturna di Madrid", ein Stück, das eine witzige Situation während der Nacht in der spanischen Hauptstadt darstellt. Auffällig dabei ist, dass der Cellist am Anfang sein Instrument wie eine Gitarre übers Knie legt und wie dieses Instrument einsetzt. Der Zweite Geiger lässt etliche Male Arpeggien über alle vier Saiten erklingen, denen alle gebannt zuhören. An Überraschungen musikalischer Art fehlt es nicht!

Die "Melodia en la Menor" von Astor Piazzolla folgt. Im Gegensatz zu manchen abrupten Tonkaskaden Boccherinis prägt eine überschwängliche Melodie die Musik in a-moll. Sie ist ruhig vorzutragen und wird genauso interpretiert. Die "Serenata Nr. 1 op 6 "Rimpianto" von Enrico Toselli schließt sich an. Ein "Beweinen" wird in einer elegischen Melodie verdeutlicht.

Es folgt der Höhepunkt des Abends. Darin hat der wortgewandte Moderator des Abends, der Cellist Georg Stahl, recht. Es erklingt die Serenade "Die kleine Nachtmusik" G-Dur KV 525 von Wolfgang Amadeus Mozart. Das "Allegro" drängt vorwärts, die "Romance" schwelgt in Melodie, "Menuetto und Trio" tänzeln dahin, das abschließende quirlige "Rondo" wird flott wiedergegeben. Feine Tongebung dominiert in allen Sätzen. So mitreißend, wie das Werk hier gespielt wird, versteht man, warum es eines der berühmtesten von Mozart ist.

Nach der Pause ertönt die "Don Quichotte"-Suite von Georg Philipp Telemann. Nach der festlichen Ouvertüre widmet sich die Musik "Don Quichottes Erwachen", beginnt also ganz leise, steigert sich dann, bis man glauben kann, dass er jetzt wach ist. Kontrast dazu bildet der "Angriff auf die Windmühlen". Schnell verläuft die Aggression. Wieder ein Kontrast: Prinzessin Dulcinea erzeugt die "Liebesseufzer" von Don Quichotte und so, wie sie vorgetragen werden, müssen sie ihn ganz schön mitnehmen.

Die nächste Extremsituation findet in Don Quichottes Kneipe statt. In der "Taverne" wird Sancho Pansa gequält, der Knappe des Dons. Die Musiker erreichen oft Schmunzeln, manchmal sogar Lachen mit ihrer gekonnt witzigen Darstellung komischer Situationen. Sogar der Galopp der Pferde von Don Quichotte und Sancho Pansa läuft glaubhaft schnell ab, wobei zwischen "Rosinante" und Sancho Pansas kleinem Pferd wirkungsvoll unterschieden wird. Im Finale kommt Don Quichotte allmählich "zur Ruhe", was dadurch erreicht wird, dass die Musiker immer leiser spielen.

Riesiger Applaus

Mit dem "Zigeunerchor" aus "Der Troubadour" von Giuseppe Verdi beenden die Chursächsischen Streichersolisten schwungvoll das Programm. Wie schon bei Wagner erfassen sie die entscheidenden Melodien und deren Charakter. Der riesige Beifall veranlasst zwei Zugaben. Einmal das "Trinklied" aus "La Traviata" von Verdi, dann das "Air" aus der 3.Orchestersuite D-Dur BWV 1068 von Johann Sebastian Bach.
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