Schola Gregoriana Pragensis bei den Wurzer Sommerkonzerten
Schweres leicht gesungen

Gute Akustik im Garten des Wurzer Pfarrhofs. Die Schola Gregorianik Pragensis entführte in andere Jahrhunderte
Kultur
Püchersreuth
06.08.2017
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Die Schola Gregorianik Pragensis: Prozession zur Freibühne im Wurzer Pfarrhof.

Ein gewagtes Thema für einen warmen Sommernachmittag: Rita Kielhorn hat in Bezug auf das Lutherjahr die "Schola Gregorianik Pragensis" nach Wurz eingeladen. Die sieben Sänger unter Leitung von David Eben gelten als die besten Interpreten des gregorianischen Chorals in Europa.

Wurz. Bei den Sommerkonzerten präsentieren sie am Samstag das Thema "Vater Unser im Himmelreich - Geheiligte Zeit im Lied der Reformation". Schwere Gregorianische Choräle, wo sonst Instrumente Leichtigkeit erzeugten, geht das? Es geht! Erstaunlich viele sind gekommen, um dieser besonderen Musik zu lauschen. Viele Zuhörer geben sich fast wie in Trance, den Klängen der tschechisch, deutsch und lateinisch gesungenen Musik hin.

Aufgebaut ist das Programm auf gregorianische Choräle, welche die hussitische Kirche übernommen hatte, auf geistliche Lieder, deren großes Repertoire wiederum durch die Hussiten weiter gepflegt wurden und auf frei komponierte Choräle aus der Lutherzeit. Als besondere Choreographie nutzen David Eben und seine "Schola Gregoriana Pragensis" die baulichen Gegebenheiten des Wurzer Pfarrhofs: Einmarsch aus dem Haupteingang, langsam auf die Freibühne zuschreitend, mit dem Kantorial der Böhmischen Brüder 1541, "Singet, alle Treuen, gemeinsam", in tschechischer Sprache. Und je nach Stimmenzusammensetzung verlassen einzelne Chormitglieder die Bühne durch die Türen des Marstalls oder der Küche des Pfarrhofs.

Jan Hus vor Martin Luther

"Die Reformation begann bereits 100 Jahre vor Luther", stellt Eben kurz den Inhalt des Abends vor. Damals war Jan Hus der Reformator in Böhmen, weshalb auch hussitische Gesänge in der Landessprache Tschechisch das Programm ergänzen. Man habe Berührungspunkte aufgebaut, klassische gregorianische Choräle mit deutschen Texten gemischt. Oft wird das tschechische Lied anschließend vierstimmig auf Deutsch interpretiert. Aus der Vesper des Festes von Johannes Hus stammen die Wechselgesänge "Jubilans olim honore", Psalm 109 und "Fide firma", Psalm 112. Die klaren, kräftigen Stimmen breiten sich im Pfarrgarten aus, eine feierlich gehobene Stimmung ergreift das Publikum.

Advent und Weihnachten

Dafür sorgt auch die Musikzusammenstellung des ersten Teils des Konzerts in "Adventszeit" und "Weihnachten". Advent als Ankündigungszeit, mit der Einleitung "Rorate celi" (Tauet, Himmel) und einer Sequenz aus Liedern zum Thema Verkündigung und Vorfreude, endet mit einem Stück über die gläubigen Christen von Jan Trajan Turnovský (1550-1606). "Pur natus est" (Ein Kind ist uns geboren) läutet das Thema "Weihnachten" ein. Besonders die hohe Altstimme von Hasan El-Dunia bannt die Aufmerksamkeit. Mit der Motette "Unde gaudent angeli - Deshalb freuen sich die Engel ..." zieht sich der Chor in die Pause zurück.

Zum zweiten Teil des Konzerts bittet Frau Kielhorn die Zuhörer in den Marstall. Der Chor hat darum gebeten, um in der Akustik der Gewölbe die Stimmen noch besser zur Geltung zu bringen. Was als Kunstgriff geplant ist, entpuppt sich als sinnvoller Ortswechsel. Zehn Minuten nach Beginn des zweiten Teils beginnt es plötzlich zu regnen und hört pünktlich zu den Zugaben auf.

Fasten- und Passionszeit sowie Ostern sind Hauptthemen dieses Teils. Lieder von Jan Trajan Turnovsky, das Psalmlied von Martin Luther "Aus tiefer Not schrei ich zu Dir", die Antiphonen "Deus meus eripe", Psalm 30 und "Vespere autem sabbati", letztere auch als Motette vorgetragen, hallen von den Wänden wider. Ergriffen lauscht das Publikum.

"Zum Abschluss des Tages" ist der letzte Abschnitt überschrieben. Besonders der Hymnus "Christe, qui lux es et dies" berührt ganz intensiv. Die klaren Stimmen der Tenöre Tomas Lajtkep und Ondrej Holub, zusammen mit der hohen Altstimme von Hasan El-Dunia, fesseln. Damit wäre das Konzert zu Ende gewesen. Doch begeisterter Beifall holt die Sänger noch zweimal auf die Bühne. Mit "Salve Regina" verlässt die "Schola Gregoriana" den Rahmen der Reformation und begeistert ein weiteres Mal mit dem "Puer natus in Bethlehem".

Bild: Gabriele Glaubitz

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