Wurzer Sommerkonzerte mit Goldberg Ensemble
Fantasien eines vergessenen Musikgenies

Das Goldberg Ensemble Berlin, im perfekten Rahmen des Wurzer Marstalls: Im Hintergrund ein Bild von Karsten Mittag (eine Hommage an Schumann), der dieses Jahr seine Bilder im Rahmen der Wurzer Sommerkonzerte dort ausstellt
Kultur
Püchersreuth
16.08.2017
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Deutschland sucht ihn noch, der Barock hatte ihn schon. Georg Friedrich Telemann, verstorben vor 250 Jahren, galt damals als "Superstar". Er war sogar berühmter und beliebter als sein Zeitgenosse Johann Sebastian Bach! Und er war unendlich kreativ und produktiv: Mehr als 3600 Werke krönen sein Lebenswerk, das aber erst wieder entdeckt werden musste.

Wurz. "Heute sind die wahren Fans von Barockmusik und Telemann-Kenner anwesend", begrüßt Festivalleiterin Rita Kielhorn das Publikum in charmanter Umschreibung dessen, dass etliche Plätze frei bleiben. Man kann es auch auf das Wetter schieben, oder darauf, dass sich wenige etwas unter "Cembalo-Fantasien" ohne Cembalo vorstellen können. Doch den Anwesenden wird höchster Kunstgenuss serviert.

Großes Talent

Diesem großen Meister des Barock, der trotz widriger Umstände sein großes Talent durchsetzte, huldigt das Goldberg-Ensemble-Berlin, das bereits 2013 im Historischen Pfarrhof in Wurz zu Gast war. Matthias Höfele (Klarinette), Johannes Mirow (Violoncello) sowie Ulrich Roloff (Querflöte) und dessen Tochter Kim Esther Roloff (Bratsche) haben sich den Cembalo-Fantasien Telemanns gewidmet, von denen es drei Dutzend in französischem und italienischem Stil gibt.

Alle vier spielen als Solisten und Orchestermusiker in Formationen, wie der Deutschen-Oper-Berlin oder in Kammermusikvereinigungen. Nachdem Flötist Roloff sich bereits durch das Arrangement der Bach-Fantasien auf die vier Instrumente Viola-Violoncello-Flöte-Klarinette einen Namen gemacht hatte, war es beinahe logisch, dass nun Telemann an der Reihe war. Ergriffen lauschen die Gäste den unterschiedlichen Fantasien in Dur und Moll. Das Allegro der Fantasia 9 III in H-Moll verzaubert mit Leichtigkeit, die abwechselnden Triller der Klarinette und der Querflöte begeistern. Wie ein Frage- und Antwortspiel der beiden Instrumente wirkt der Vortrag, was sich auch in der Fantasia 9 I in A-Dur wiederholt. Aufgeweckt durch diese leichte Konversation stimmen Viola und Violoncello mit tief schweren Tönen ein. "Allegro, Dolce, Grave oder Vivave" ist bei den Titeln zu lesen, und genauso fröhlich, leicht, sanft, schwer oder lebendig lassen sich die Zuhörer von den Melodien gefangen nehmen.

Sehr gute Akustik

Bemerkenswert ist die sehr gute Akustik im Marstall, in dessen Mitte, direkt unter dem Gewölbe, das Goldberg-Ensemble aufgrund der schlechten Wetterprognosen Platz genommen hatte. Umrahmt von unzähligen Kerzenständern und Kerzen in allen Variationen ist schon das Bühnenbild ein barockes Kunstwerk. Im Hintergrund das farbenprächtige Bild von Karsten Mittag, ein buntes Notenblatt als großdimensionierte Hommage an Schumann, passt perfekt dazu.

Träumerisch holt die "Fantasie 2 III-D-Moll" mit den Vorgaben "Vivace Largo Vivace" die Gedanken des Publikums zurück. Kraftvoll stimmt Ulrich Roloffs Klarinette die "Fantaisie 8 II A-Dur "Gratieusement" an, wie die abwechselnd französischen oder italienischen Hinweise ankündigen. Fast wie in einen italienischen Palazzo versetzt fühlt man sich bei der "Fantasia 5III in G-Moll.

Nach jedem Musikstück wird der Applaus der Anwesenden begeisterter, haben sich die Musikliebhaber in die wunderschönen Arrangements vertieft. Viel zu schnell kommt der Schluss, so dass großer Beifall noch mehrere Zugaben herausfordert. Auch den Musikern hat es große Freude bereitet, was man an Ulrich Roloffs spaßiger Bemerkung erkennt. "Eins geht noch" setzt er nach, als die französischen Fantasien mit überraschend minimaler Schlussrate enden.
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