Wurzer Sommerkonzerte: "Passo Avanti" begeistern mit einer Mischung aus Klassik und Jazz
Wenn Fotos klingen könnten

Alle singen mit
Kultur
Püchersreuth
21.08.2017
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Wurz. Es waren keine Regenwolken, die am Sonntag über den Wurzer Pfarrhof zogen. Es waren die Wolken, auf denen Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach, Johann Strauss (Sohn), Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Pscheibel und Giuseppe Verdi skeptisch Platz genommen hatten. Die altehrwürdigen Komponisten blickten dem angekündigten Konzert "Finest Blend" mit dem Quartett "Passo Avanti" mit Spannung entgegen. Junge Musiker machten sich auf, die Werke der alten Meister einem großen Publikum als Mischung aus Klassik und Jazz zu Gehör zu bringen.

Dann legen Mario Korunic (Violine), Vlado Grizelj (Gitarre), Eugen Bazijan (Cello) und Alexander von Hagke (Klarinette, Bassklarinette, Flöte, Piccolo) los, fegen den anfangs recht erstaunten Zuhörern "Arrival of the Queen of Sheba" aus Händels Oratorium "König Salomon" um die Ohren. Der zu seiner Zeit avantgardistische Meister Händel weiß vermutlich nicht, ob er sich ärgern oder freuen soll, als er auf seiner Wolke vernimmt, wie mit seinem Werk umgegangen wird. Seine Musik wird mit einem modernen Jazzrhythmus umhüllt. Er hört weiter zu und beschließt, ebenso begeistert zu sein wie das Publikum und verzieht sich mitsamt seinem luftigen Sitzpolster, lässt die Sonne durch. Die sogleich von Johann Sebastian Bach auf einer großen Wolke begleitet wird. Bach lässt noch vor dem Erklingen der ersten Töne seiner Komposition ein zaghaft drohendes Lüftchen auf die Musiker wehen, als ob er davor warnen möchte, sich unziemlich an seiner Orchestersuite Nr. 2 zu vergreifen. "Passo Avanti" ergreifen die Chance und blasen den möglichen Groll des großen Bach hinweg. Alexander von Hagke, der das Konzert galant und fröhlich moderiert, verzichtet an dieser Stelle auf seine Klarinette: "Zu Bachs Zeiten gab es keine Klarinetten, wir wollten ihm nahe kommen, haben deshalb in unserem Instrumenten-Fundus gekramt. Jetzt spiele ich auf einer Flöte." Eine gelungene Mischung aus Respekt vor den musikalischen Schöpfungen, jugendlicher Frechheit und Frische. Gekonnt und geschmeidig knöpfen sich "Passo Avanti" die in ihrer Entstehungszeit revolutionär-jungen Melodien vor und formen sie neu. Auch Bach schwebt mitsamt seiner Wolke davon. Die alten Meister haben Pause.

Alexander von Hagke komponierte, inspiriert von Aufenthalten in Südschweden, das Stück "Summer in Skane". Der warme, tiefe Ton der Bassklarinette lässt den Flug der Vögel in den Süden zum Ausklang des Sommers erahnen. Im zweiten Teil des Nachmittags kann sich von Hagke mit seinem Stück "Vom Suchen und Finden" sicher sein, dass die Komponisten des 18. und 19. Jahrhunderts ihre Nachfolger zwar vielleicht nicht gesucht, aber doch gefunden haben. "Wir improvisieren gerne, spielen nicht die Originalversion eines Stückes, probieren Neues aus. Unsere Stücke klingen bei verschiedenen Auftritten nie gleich."

Die Musiker haben alle eine klassische Musikausbildung sowie eine Ausbildung als Jazzmusiker durchlaufen, sind in mehreren Orchestern tätig. Und bieten "Kammermusik unlimited". Zur Freude des überraschten Publikums, das bei Johann Pscheibels "Kanon in D-Dur" mitsingen kann/darf/soll. Und es begeistert tut. Wenn Fotos klingen könnten!
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