Zemlinsky-Quartett begeistert bei den Wurzer Sommerkonzertem
Zauberhafte Klänge

Kultur
Püchersreuth
29.08.2017
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Ein Schmetterling tanzt während der gesamten Vorstellung um die Musiker und den Mirabellenbaum neben der Bühne. Erhebt sich hoch in die Luft, wenn die Musik ansteigt. Flattert kreisend um Äste und Zweige, wenn die Violinen trillern. Umrundet den Baumstamm, wenn sich die Melodie absenkt.

Wurz. Als könnte er die Musik fühlen, die von den vier begnadeten Streichern ausgeht. Schon zum dritten Mal begrüßt Initiatorin Rita Kielhorn das Zemlinsky Quartett bei den Wurzer Sommerkonzerten, nachdem es 2010 und 2012 stürmisch gefeiert worden war. Nach Auftritten in Kanada, USA, Südkorea oder zuletzt Londen fanden Frantisek Soucek (Violine), Petr Strizek (Violine), Petr Holman (Viola) und Vladimir Fortin (Violoncello) nun wieder nach Wurz. Das voll besetzte Auditorium unter dem mächtigen Nussbaum genießt die Symbiose aus Naturbühne, Sonnenschein, der Magie des Alten Pfarrhofs und schließlich der Musik.

Ruhe und Temperament

Mit dem "Allegro con Spirito" aus dem Streichquartett Nr. 22 G-Dur von Josef Myslivecek, dem böhmischen Komponisten aus dem 18. Jahrhundert, legt sich ergriffene Ruhe über den Konzertort. Voller Verve und Inspiration verbinden die vier Musiker den Zauber des Musikstückes mit dem zauberhaften Ambiente. Nach dem Presto assai darf endlich applaudiert werden. Das Streichquartett Nr. 1 B-Dur op. 11 von Josef Suk legt noch ein Stück Gefühl nach. Schwelgend-träumerische Sätze lassen die Zuschauer fast den Atem anhalten.

In der Stille sind nur noch die sanften Töne der Viola von Petr Holman und das Trillern der beiden Geigen zu hören. Lediglich ein Vogel versucht, aus dem Mirabellenbaum heraus seinen Einsatz zu finden. Bezaubernd endet das ,Adagio', voller Leichtigkeit und Temperament schließt sich das ,Allegro giocoso' an. Es fällt den Zuhörern sichtlich schwer, sich dem Brauch zu beugen, erst am Ende zu klatschen, so berührend sind die einzelnen Sätze.

Und schließlich ist da noch der musikalische Schmetterling. Wie hingezaubert tanzt er im Takt der Musik, dreht Kreise oder setzt sich auf einen Stein neben der Bühne. Auch nach der Pause ist er wieder da. Und hört sich zusammen mit den menschlichen Musikliebhabern das Streichquartett Nr. 14 von Antonin Dvorak in As-Dur, op. 15, an. "Das wird nicht sehr oft gespielt", erklärt Petr Holman im Vorfeld. Pünktlich zum Wechsel zwischen Adagio und Allegro schlägt die Kirchturmuhr - eines der Umgebungsgeräusche, welche die Wurz-Liebhaber kennen.

Magische Inszenierung

Zum ,Molto vivace' lässt ein leichter Wind die Blätter rauschen, lächelnd registriert durch die Musiker. Die stimmige Inszenierung der Natur setzt sich weiter fort, denn zu den schweren Tönen des ,Lento Molto' halten nicht nur die Zuschauer ergriffen inne.

Bereits zur Pause gibt es frenetischen Applaus und "Bravo"-Rufe, doch zum Schluss will der Beifall gar nicht enden. Die Musiker hängen noch zwei Zugaben an. Zuerst das Amerikanische Streichquartett op. 96 von Dvorak.

Nach Dank und Verabschiedung durch die Organisatorin legt Petr Holman nach und kündigt die "Barcarole in D-moll" von Josef Suk an. Eingeleitet mit sanftem Dreivierteltakt zaubert das Quartett zum Abschied nochmals ein Lächeln auf die Gesichter der Gäste.

TermineInitiatorin Dr. Rita Kielhorn wies auch auf das Abschlusskonzert in der Wurzer Pfarrkirche am Sonntag, 3. September (17 Uhr), hin. Miroslava Casarova (Sopran), Pavel Sochurek (Violine) und Marie Sestáková (Orgel) bringen dort unter anderem Werke von Charles Gounod, Antonio Vivaldi, Guiseppe Verdi zu Gehör. Der Eintritt ist frei. (gag)

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