09.02.2018 - 20:00 Uhr
Pullenreuth

Nebel überm Teufelstisch

Fränkisch! Und wie! Das ist das erste, was den Zuhörern schlagartig klar wurde, die zur Lesung von Adrian Roßner und seines Fichtelgebirgskrimis "Waldsteinnebel" zum Kulturbuan auf der Glasschleif gekommen waren. Die Gesellschaft Steinwaldia hatte dazu eingeladen.

"Der Bayer ist der Übergang vom Österreicher zum Menschen." Zitat: Adrian Roßner
von Autor LPPProfil

Aus Zell am Waldstein im Fichtelgebirge kommt der drahtige, erst 26 Jahre junge Mann, quirlig, umtriebig und unendlich begeistert von seiner Heimat. Diese Begeisterung und ein umfassendes Wissen - Roßner hat Anglistik und Geschichte - studiert, zieht sich durch den Roman und den ganzen, überraschend vielseitig gestalteten, Abend. Sein Wunsch gleich zu Beginn - immerhin liest er ja in der Oberpfalz - ist "grenzüberschreitendes Denken".

"Uns alle hier in der Region" - und damit meint Roßner den Frankenwald, das Fichtelgebirge und den Steinwald - "verbindet eine tiefe Geschichte". Doch diese gehe verloren, befürchtet Roßner, und er geht dagegen an. In seinem Buch, in seiner Arbeit als zweiter Vorsitzender des Fichtelgebirgsvereins, als Heimatforscher, als Referent für Heimat- und Brauchtumspflege und als Kreisarchivpfleger des Landkreises Hof.

Mit "Waldsteinnebel" hat Roßner mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Er verlegt den Schauplatz seiner Geschichte ins Fichtelgebirge, ins hohe Fichtelgebirge an den sagenumwobenen Waldstein. Er bringt Passagen in dem dort angesiedelten Dialekt, möchte diesen "verschriftlichen". Zudem informiert Roßner seine Leser, so ganz nebenbei, über die (Welt-)Geschichte der vergangenen knapp 200 Jahre der Gegend.

Heimische Sagen

Ob Hitler in Bayreuth oder der Hermann-Göring-Weg in Zell. Dazu gibt es eine große Portion heimischer Sagen, fränkischer Gepflogenheiten und Erinnerungen an reelle Personen vergangener Zeiten, ob sie sich nun mit Heimatgeschichte befasst haben oder Wurst verkauften. Aber auch Aberglaube beziehungsweise Volksglaube spielen eine große Rolle. Und natürlich findet die unglaublich reizvolle Natur des Fichtelgebirges Eingang in seinen ersten Roman.

Der lag, nach drei fertigen Kapiteln, erst einmal in der Schublade, bevor Roßner sich, in Vorbereitung auf sein Examen und eigentlich bis über beide Ohren in Arbeit vertieft, erneut an das Manuskript macht und es zu Ende bringt. Ein Traum und die Zeilen eines Gedichts bildeten die Basis zum Buch, aber auch sein kritischer Blick, seine Wahrnehmung der Gegend, seiner Heimat.

"Ehre der Ahnen" lautet der Arbeitstitel, und wie vermutlich jeder Jungautor kämpft Roßner mit den Schwierigkeiten der Veröffentlichung und Drucklegung. Doch es gelingt: Ein Verlag, der nur macht, worauf er Lust hat, nimmt sich seiner an. Doch worum geht es? Ein Nebelgespinst, der Titel lässt es bereits ahnen, zieht sich durch die Geschichte, beschwört seltsame Empfindungen herauf und führt auf den Waldstein. Dort oben steht das rote Schloss, eine Ruine - und der Teufelstisch. Hat sich hier ein Unglück ereignet, wird hier ein grausames Geheimnis verschwiegen? Ein junger Lehrer aus Hamburg auf dem Weg zur ersehnten Verbeamtung, lässt sich nach Bayern versetzen und landet in Münchberg. "Der Bayer ist der Übergang vom Österreicher zum Menschen", so die Meinung.

Ein Traum, wie auch in Roßners echtem Leben, verleitet den jungen Gymnasiallehrer, der im Buch den Namen Ralf Benz trägt und "sicher ein Stück Adrian Roßner enthält", zu Nachforschungen, die nicht überall in dem kleinen Örtchen Zell gerne gesehen werden. Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Oder ist es Bestimmung? Viel Aberglaube, ein unheimlicher, aber auch ungemeiner Zusammenhalt in der Landbevölkerung, unerklärliche Phänomene wie das Totenlicht, lassen den jungen Lehrer im Roman schier verzweifeln.

Hauch von Kabarett

Schon fast kabarettistische Züge legt Roßner beim Rollenspiel, der fränkischen Ausdrucksweise, der Darstellung seiner Protagonisten und den dazu passenden Erläuterungen an den Tag. Eine einfache Lesung war das nicht, und zum Abschluss ging Adrian Roßner auf Bitten des Vorsitzenden der Gesellschaft Steinwaldia noch auf die Deutung von Heimatforschung ein. "Wir müssen versuchen, junge Leute für die Heimatgeschichte zu interessieren." Da ist sich Roßner sicher. Die Lokalgeschichte vor Ort sei der Zugang zum großen Ganzen.

Norbert Reger dankte dem Autor mit dem "Sagenschatz aus dem Steinwald", einer Sagensammlung, die die Steinwaldia aufgelegt hat, für den unkonventionellen, belebten und überraschend tiefgründigen Abend. "Waldsteinnebel" ist im Koberger & Kompany Verlag erschienen und kostet 11,90 Euro.

Der Bayer ist der Übergang vom Österreicher zum Menschen.Adrian Roßner
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