Hexen, Met und böse Flüche

Alle Darsteller bei der sagenhaften Raunacht auf der Glasschleif der Gesellschaft Steinwaldia waren mit großem Engagement bei der Sache. Masken- und Kostümbildner hatten perfekt gearbeitet. Bilder: lpp (3)
Vermischtes
Pullenreuth
02.01.2017
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Das Lächeln täuscht. Mit der bösen Drud ist gar nicht gut Kirschenessen.

Sagenhaftes schlummert in alten Erzählungen, die sich rund um die Raunächte zwischen Weihnachten und Dreikönig ranken. Fragt man die ältere Generation, erinnern sich viele an die schreckliche Luzie, die Specht, die den Bauch aufschlitzt, oder den Hoi-Mann, der den nächtlichen Wanderer arg zurichtet.

Die Gesellschaft Steinwaldia hat einige dieser Sagengestalten in der Raunacht auf der Glasschleif zum Leben erweckt. Da war die Drud, diese fürchterliche Figur ist nicht unbedingt eine Frau, sie geht im alltäglichen Leben ihrer Arbeit nach, des nächtens aber geht sie um. Sie kommt in neun Nächten hintereinander und "druckt" den armen Probanden, bis er ganz starr und reglos wird und stirbt. Viktoria Braun und ihr Mitstreiter erzählten von Drudeneiern, Wechselbälgern und Schutzmitteln gegen die Nachtmahre.

Das heilkundige Moosweiblein, ein freundlicher, vogelgesichtiger Waldgeist, ist hilfreich und arbeitsam. Wissende Bauern schätzen die Dienstbarkeit des kleinen Waldgeistes und stellen ihm Schutz- und Rückzugsmöglichkeiten zur Verfügung. Dies ist auch bitter nötig, denn kommt die wilde Jagd, so ist es aus mit dem Moosweiblein, auch "Holzfraala" genannt. Katrin Meyer und Michael Schneider stellten an der oberen Schleif diese Sage dar. Seit Hunderten von Jahren geht er um, der Grenzstaaverrucker, der sich zu Lebzeiten am Hab und Gut seiner Nachbarn bereicherte. Einmal gestorben, findet er keine Ruhe und irrt fragend ("Wou dou'in denn hi?") durch die Fluren, bedrückt von einem schweren Grenzstein. Erst ein Sonntagskindl erlöst ihn mit dem Ratschlag: "Dou woast nan gnuma houst!" Harald Primitz suchte sich die Sonntagskinder aus den Besuchern der Raunacht, um "erlöst" zu werden.

Blick in die Zukunft

Um einen Blick in das kommende Jahr zu werfen, ist es ratsam, während der Christnacht den Tieren im Stall zu lauschen. Für Menschen verständlich, weissagen sie kommendes Unheil und Glück. Die "gehörnten Tiere", also Rinder, wissen vom drohenden Leid ihres Bauern. Paul Schneider und Simon Rickauer verkörperten die weitsichtigen Figuren, betreut von Beatrix Busch, die als Haus- und Hofherr den Tieren das "Gleck", also Kräuter vom Kräuterbuschen und Salz in der Christnacht brachte und mit den Besuchern ganz leise zum Horchen in den Stall kam. Sogar ein lebendes Pony bevölkerte zur Freude der Kinder die Szene. Zwischen den Stationen sorgten Perchten und vogelgesichtige "Druden" für gruselige Stimmung, der Hoi-Mann "huckelte" den Besuchern auf. Für die Kinder gab es Sagenerzählungen aus dem Steinwald und vom Armesberg von Bernadette Lippert im Glasschleifmuseum. Auch viele Erwachsene lauschten den Geschichten, während sie sich aufwärmten.

Am warmen Feuer

Rundherum beleuchteten mehrere Hundert Kerzen und Fackeln sowie einige Christbäume das idyllisch gelegene Areal der Glasschleif am Fuße des Steinwaldes. Der Sagenweg führte, nur vom flackernden Feuerschein beleuchtet, rund um die Glasschleif. Die Besucher erfreuten sich am einmaligen Ambiente der illuminierten Glasschleif. An wärmenden Feueröfen genossen die Besucher und die mit einer Fackelwanderung zur Glasschleif gekommenen Gäste, geführt von Claudia Schneider, die auch den Geist der Schleif heraufbeschwor, Glühwein, Met, Hexentaschen und Gulaschsuppe. Der Helfer vor Ort Fichtelnaabtal unterstützte die Fackelwanderung, die Bergwacht Marktredwitz war vor Ort, um Hilfe zu gewährleisten. Für den geordneten Ablauf beim Parken sorgte die Feuerwehr Pullenreuth.
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