Landwirte suchen neue Standbeine
Vom Bauern zum Unternehmer

Tochter Christine und Anna Bockisch mit den Enkel Stefan und Enkelin Sandra mit Hofladen der Familie. Bild: twg
Wirtschaft
Pullenreuth
21.03.2018
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Direktvermarktung soll Bauern beim Überleben helfen. Auch die Trevesener Familie Bockisch setzt auf den Trend. Ein Selbstläufer ist der Verkauf der eigenen Produkte für Landwirte aber nicht.

Trevesen. (wüw/twg) Fleiß alleine reicht nicht mehr: Landwirte müssen sich heute etwas einfallen lassen, zum Beispiel: Direktvermarktung. Auch Familie Bockisch setzt mit ihrem Hof auf diesen Trend. Seit einigen Jahren ist ihr Betrieb in Trevesen bei Pullenreuth ein Erlebnisbauernhof, zudem vertreibt die Familie ihre Produkte auch selbst. Seit vergangenem September läuft dies auf professioneller Ebene: Die Familie nahm Geld in die Hand und baute einen Hofladen.

Damit sind die Bockischs Vorreiter. Laut Petra Prölß gibt es derzeit etwa 70 Direktvermarkter im Landkreis Tirschenreuth. Professionelle Hofläden seien die Ausnahme, sagt die Mitarbeiterin am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Tirschenreuth. "Die Bandbreite ist groß." Bei den meisten laufe der Verkauf nebenbei, andere sind auf den Wochenmärkten in der Region vertreten. "Aber nur für wenige ist der Direktverkauf das Hauptstandbein."

Selbstgemachte Nudeln

So ist es auch in Trevesen. Anna und Michael Bockisch haben den Familienbetrieb 1984 von Annas Eltern übernommen. 2002 stieg Sohn Matthias als Vollzeitlandwirt ein. Damals begann die Familie auch mit der Geflügelwirtschaft. 2007 entstand ein großer Legehennenstall für über 3000 Hennen. Im September 2017 kam der Hofladen hinzu. Zuvor habe die Familie den Verkauf aus Privaträumen geführt, erklärt Tochter Christina Bockisch, die sich mit um den Hofladen kümmert. Auch weil die Auflagen im Lebensmittelhandel strenger werden, habe sich die Familie zur Investition entschieden. Der Laden biete neben dem Verkaufsraum nun eine Küche, in dem die Eier weiterverarbeitet werden können. Dort entstehen nun Bockisch-Nudeln und -Eierlikör. Bisher hat die Familie solche Produkte zugekauft.

Allerdings: Nach wie vor geht der größte Teil der Produktion von täglich rund 2500 Eier in den klassischen Handel. Etwa 70 bis 80 Prozent, schätzt Christina Bockisch, werden über Supermärkte verkauft. Die Direktvermarktung soll den Betrieb unabhängiger machen. Mit den großen Ketten sei das Verhandeln schwierig, sagt Christina Bockisch. "Die machen uns Vorgaben. Wenn wir uns daran nicht halten, sind wir schnell weg vom Fenster."

Dennoch sieht Petra Prölß gerade bei den Supermärkten eine Chance. Dort boome das Geschäft mit regionalen Lebensmitteln. "Die Leute wollen diese Produkte, aber sie wollen eben auch nicht auf die Vorzüge der Märkte verzichten: große Auswahl, Parkplätze vor der Türe." Dagegen tun sich die Direktvermarkter oft schwer, weil sie preislich nicht mit den Märkten konkurrieren können. "Die Produkte sind gefragt, aber mehr bezahlen wollen die Kunden dafür nicht", erklärt Prößl ihre Erfahrung. Hier sei noch Überzeugungsarbeit zu leisten.

Immer mehr Fremde

Familie Bockisch ist mit dem Start des Hofladens aber zufrieden. "Inzwischen kommen immer mehr Leute, die wir nicht persönlich kennen", sagt Christina Bockisch. Die Zusammenarbeit mit anderen Direktvermarktern erweise sich als Vorteil. Bei den Bockisch' gibt es unter anderem Gemüse vom Grillmeierhof aus Konnersreuth oder Mehl von der Eisersdorfer Schustermühle.

In solchen Kooperationen sieht auch Prölß einen Vorteil. Wichtig sei aber, dass Betreiber sich darüber klar werden, dass ein Hofladen kein Selbstläufer ist, zunächst seien Arbeit und Geld nötig. "Es kommt vor, dass Betriebe wieder aufhören." Erst vor kurzen habe Prölß mit einer Bäuerin gesprochen, die vor den hohen Auflagen für den Lebensmittelhandel kapitulieren musste. "Man muss sich bewusst sein, dass man nicht mehr nur Produzent, sondern Unternehmer ist", sagt Prößl. Dazu gehört, dass man mit Menschen zu tun hat. "Der Kontakt zu den Kunden darf keine Belastung sein." Wem das nicht abschreckt, der erhält bei Petra Prölß Beratung, Telefon 096317988131.
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