17.03.2017 - 20:00 Uhr
PullenreuthOberpfalz

Tüftler aus Krummennaab lässt die Herzen von Blumenfreunden höher schlagen Den Kopf voller "Orch-Ideen"

Hornbacher hat die bunten Steinchen schon. Auch OBI, Hagebau und Toom stehen auf der Kundenliste. Die Spezialzeitschrift "Orchideen-Zauber" hat dem innovativen Produkt sogar ein Extraheft gewidmet. In einem früheren Autohaus in Lochau bei Pullenreuth verfolgt man die steigende Nachfrage mit großer Freude.

Selbst reinigender Aquarienkies (vorne) und Orchideengranulat gehen von Lochau aus mittlerweile in alle Regionen Deutschlands.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Dort befindet sich nämlich der Sitz des kleinen Unternehmens, das die Herzen vieler Orchideenfreunden höher schlagen lässt. Dort, am Fuße des Steinwalds, wo einst Chrom und Lack auf Hochglanz poliert wurden, wird jetzt Orchideengranulat produziert, eingetütet und verschickt. Das frühere Autohaus Hirschmann ist der Firmensitz von "Colomi".

"Das Wort steht steht für Colored Minerals", erzählt der Unternehmenschef und Erfinder des Spezialgranulats, Heiner Legat. Der 52-jährige Krummennaaber und seine Lebensgefährtin Gabriele Jez haben das frühere Autohaus gekauft und beliefern von Lochau aus den Markt mit ihren Orchideensteinen. Anfangs war das etwas zäh, auch weil sich Legat aus gesundheitlichen Gründen nicht voll um Colomi kümmern konnte. Aber seit das Unternehmen das Produkt auch über einen eigenen Onlineshop vermarktet, brummt der Laden.

Patent angemeldet

Das Granulat geht mittlerweile an Blumenfreunde und den Fachhandel in ganz Deutschland. Auch in Frankreich, Italien, Luxemburg, Russland und anderen europäischen Ländern gibt es Abnehmer. Die Zeichen stehen weiter auf Wachstum. Legat, der je nach Arbeitsanfall bis zu drei weitere Mitarbeiter beschäftigt, hat sich die Erfindung patentieren lassen und ist damit das einzige Unternehmen, das dieses Granulat liefern kann.

Über viele Umwege ist Legat auf die Idee gekommen. "Eigentlich wollte ich Elektriker werden", blickt der Krummennaaber im kleinen Musterzimmer seiner Firma weit auf die Anfänge seines Berufslebens zurück. Also bewarb er sich bei der Porzellanfabrik Seltmann um einen entsprechenden Ausbildungsplatz. Er wurde prompt eingestellt, aber nicht als Elektriker, sondern als Modelleur-Azubi.

"Der Herr Seltmann ließ mich zuerst eine Tasse und dann eine Kanne zeichnen und bot mir dann eine Ausbildung als Modelleur an", erinnert sich Legat an das Vorstellungsgespräch. "Dabei wusste ich anfangs nicht einmal, was ein Modelleur tut." Bereut hat er die Zusage bis heute nicht. "Diese Jahre haben mich geprägt. Ich hatte im Seltmann-Werk in Erbendorf einen tollen Lehrmeister, der für alles eine Lösung fand." Als Modelleur und später als Industriedesigner konnte er seine große Kreativität und seinen Ideenreichtum voll ausleben und hat viele Zusammenhänge erkannt, was ihm nun zunutze kommt. "Ein paar Jahre habe ich auch an den Überraschungseier-Figuren für Ferrero mitgearbeitet. Das war eine ungemein spannende Tätigkeit", erzählt er.

Pflege wird vereinfacht

Über das Thema Deko-Sande kam er schließlich vor einigen Jahren auf den Dreh mit dem Granulat, das nicht nur hübsch aussieht, sondern die Pflege von Orchideen ungemein vereinfacht. Wenn Legat im Musterzimmer vom Ionenaustausch, Düngewirkung und Wasserenthärtung seiner Produkte erzählt, ist er voll in seinem Element.

Das Granulat sieht nicht nur ungemein schick aus - vor allem wenn die Orchideen in transparente Gefäße getopft werden - sondern erleichtert auch die Pflege. "Da das Granulat Wasser speichert und es langsam und dosiert abgibt, muss die Orchidee je nach Zimmertemperatur nur in einem Zyklus von ungefähr 14 bis 21 Tagen bewässert werden", erläutert der Krummennaaber. Das Kultursystem könne die Pflanze jahrelang mit Nährstoffen versorgen.

Trotz der steigenden Nachfrage will sich Legat jedoch nicht ganz auf das Granulat spezialisieren. Dazu hat er in seinem Berufsleben einfach schon zu viel erlebt. Mit einem selbst reinigenden Aquarienkies und Cushy Stones, einem Leichtgewicht, das sich für Gartendekoration und als Pflanzenabdeckung eignet, hat Legat noch zwei weitere patentierte "Eisen" im Feuer. Da es auch den Aquarienkies und die Cushy Stones in vielen verschiedenen Farben gibt, wird es im kleinen Musterzimmer in Lochau langsam eng.

Drei verschiedene Mischungen

Mittlerweile gibt es drei verschiedene Mischungen, deren Inhaltsstoffe speziell auf Frauenschuh-, Vandeen- und alle anderen Zimmerorchideen abgestimmt sind. Die Granulate stehen in zwölf verschiedenen Farben zur Verfügung. "Besonders hübsch sieht es aus, wenn man mit dem Granulat einen Kontrast oder eine Ergänzung zu den Blütenfarben herstellt", erläutert der Krummennaaber.

Eine Sonderausgabe des Hefts Orchideenzauber, die sich speziell mit seinem Granulat beschäftigt, hat das Produkt aus Lochau mittlerweile geadelt. "Die langen Standzeiten aufgrund der katalytischen Wirkung und die Allergiker geeigneten Bestandteile ... machen das Orchideengranulat nahezu unschlagbar", schreibt darin Herausgeber Dr. Jürgen Schmidt, ein anerkannter Orchideenexperte. (wb)

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