09.04.2014 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

46-Jähriger muss nach tödlicher Raserei in Regensburg in Psychiatrie - "Von Vampir gebissen" Amokfahrer bleibt eine Gefahr

Der Todesfahrer von Regensburg muss in die Psychiatrie. Das Landgericht Regensburg verurteilte den 46-Jährigen am Dienstag wegen fahrlässiger Tötung und dreifacher fahrlässiger Körperverletzung im Zustand der Schuldunfähigkeit.

Der 46-jährige Angeklagte rang sich in Regensburg erst am letzten Verhandlungstag zu einer Entschuldigung durch. Archivbild: dpa
von Autor AHSProfil

Nach sieben Verhandlungstagen und der Anhörung dreier Gutachter, sowie zahlreicher Zeugen verkündete die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Vizepräsident Werner Ebner das Urteil gegen den 46-jährigen Straßenkehrer aus Regensburg.

Er hatte am 1. August letzten Jahres am Ende einer einstündigen Wahnsinnsfahrt durch die Domstadt ein fünfjähriges Mädchen tödlich und deren dreijährige Schwester lebensgefährlich verletzt. Die Schwurkammer ordnete seine Unterbringung in der Psychiatrie an und sprach den Entzug der Fahrerlaubnis für die Dauer von fünf Jahren aus.

Zu Beginn der annähernd zweistündigen Urteilsbegründung hob der Gerichtsvorsitzende hervor, dass es "keinen Schuldigen für diese Horrorkette" gäbe. Auch mögliche Schuldzuweisungen in Richtung der am Einsatz beteiligten Polizeibeamten, sowie der den Beschuldigten bis zu diesem tragischen Schicksalstag behandelnden Ärzte wies er zurück. Die vom Beschuldigten ausgehende Gefahr für die Allgemeinheit sei damals nicht erkennbar gewesen

Wie berichtet war der Beschuldigte am Vorabend nicht wie vorgesehen von einem genehmigten Ausgang ins Bezirksklinikum zurück gekehrt. Anderntags war der 46-Jährige erstmals gegen 13.50 Uhr aufgefallen, als er sein Mazda MX-5 Cabriolet auftankte ohne zu bezahlen. Danach ging es in rasanter Fahrt mit bis zu 130 Stundenkilometern kreuz und quer durch Regensburg. Dabei überfuhr er trotz Rotlicht mehrere Kreuzungen oder wich auf Gehwege aus, um seine Fahrt fortzusetzen. Mit der Polizei lieferte er sich eine filmreife Verfolgungsjagd, welche die Beamten schließlich abbrach um nicht andere Verkehrsteilnehmer zu gefährden.

Fünfjährige erdrückt

In der 30er-Zone der Bischof-Konrad-Straße verlor er schließlich die Kontrolle über sein Fahrzeug. Mit zwischen 65 bis 90 Stundenkilometern fuhr er in einer 90-Grad-Linkskurve geradeaus. Er überfuhr einen Bordstein, streifte einen Streugutkasten und flog regelrecht mit seinem Fahrzeug zunächst über eine Böschung und ein dort abgestelltes Auto. Schließlich prallte das Fahrzeug gegen den Eingangsbereich einer Wäscherei im Hofgartenweg. Auf den Stufen saßen die drei und fünf Jahren alten Geschwister. Der Aufprall war so heftig, dass das fünfjährige Mädchen unter dem Fahrzeug "begraben, erschlagen und erdrückt" wurde. Die zwei Jahre jüngere Schwester erlitt dabei ein Schädelhirntrauma ersten Grades, eine Riss- und Quetschwunde mit einer Perforation der Kieferhöhle sowie eine Vielzahl weiterer Verletzungen.

Der psychologische Sachverständige kam anhand des Tat- und Nachtatverhaltens des Beschuldigten zu dem Ergebnis, dass dieser an einer Schizophrenie leidet, die keinen - wie ursprünglich angenommen - organischen Auslöser hat. So habe der Beschuldigte nach dem verhängnisvollen Ereignis davon berichtet, er "müsse Energie aufnehmen und sich mit Licht, Sonne und lauter Musik aufladen, weil er ein Komet sei". Auch habe er davon berichtet, dass er Befehle aus dem Radio bekommen würde und von einem Geist gestochen und von einem Vampir gebissen worden zu sein.

Erst am Ende entschuldigt

Er attestierte dem Beschuldigten, dass die Steuerungs- und Einsichtsfähigkeit aufgehoben war und stellte die Prognose, dass er auch künftig eine erhebliche Gefahr für die Allgemeinheit darstellen würde. Dem schloss sich die Schwurgerichtskammer an. Die Gesamtwürdigung gebiete seine Unterbringung, denn es müsse davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte weitere erhebliche Straftaten begeht.

Der Todesraser hatte im Prozessverlauf geschwiegen. Erst in seinem letzten Wort am Freitag hatte er sich an die Mutter der getöteten Fünfjährigen gewandt und sein Beileid ausgesprochen. Es tue ihm leid, hatte der Mann gesagt.

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