09.08.2014 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Ankläger sieht ihn als Schläger und Reifenstecher - Am Freispruch führt aber kein Weg vorbei Staatsanwaltschaft von der Schuld Gustl Mollaths überzeugt

Als ihn der Oberstaatsanwalt in die Mangel nahm, schloss Gustl Mollath die Augen. Er musste sich anhören, dass er seine Frau im Jahr 2001 schlug, würgte und auch Autoreifen zerstach. Gleichwohl hat der 57-Jährige keine Strafe zu befürchten. Denn nach gültiger Rechtsprechung darf Mollath nicht schlechter gestellt werden, als 2006 bei seinem Prozess in Nürnberg. Damals hatte man ihn wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen. Dass er danach in die Psychiatrie kam, geschah offenbar zu Unrecht.

Gestenreich erklärt Gustl Mollath im Landgericht in Regensburg seine Sicht der Dinge. Bild: dpa
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Seinen Auftritt zu Beginn dieses 15. Prozesstages am Freitag hatte Gustl Mollath sorgfältig vorbereitet. "Ohne Unterstützung meiner Verteidiger", wie er beklagte. Dann setzte der 57-Jährige zu einem einstündigen Vortrag an, stellte erneut etliche Beweisanträge auf weitere Zeugenvernehmungen und äußerte sich erstmals zu den ihm angelasteten Körperverletzungen und Reifenstechereien. "Ich habe diese Taten nicht begangen", unterstrich der Mann im nachtblauen Sakko. Mehr dazu aber mochte er nicht sagen. "Ich bin auch keine Gefahr für die Allgemeinheit", fügte Mollath diesem Satz hinzu.

"Politik nahm Einfluss"

Dann richtete sich Mollaths Augenmerk auf seine Ex-Frau Petra (54). Er zieh sie der Verwicklung in dunkle Geldgeschäfte der Hypo-Vereinsbank und redete davon, dass "sich Gerichte bereitwillig von ihr hinters Licht führen ließen." Mit der Folge: "Ich bin über sieben Jahre lang in die Psychiatrie geschickt worden. Aus dieser Hölle hat mich erst Verteidiger Strate herausgeholt". Er selbst habe üble Finanztransaktionen aufdecken wollen. "Doch Gerichte haben mich daran gehindert." Die bayerische Politik, so Gustl Mollath, habe auf seinen Fall "unglaublichen Einfluss genommen." Letztlich sogar auf Oberstaatsanwalt Wolfhard Meindl. Er habe seinen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens redaktionell ändern müssen. Danach geschah Zweierlei im Sitzungssaal:

Mollath mochte sich trotz mehrmaliger Rückfrage des Anklägers nicht detaillierter zu den ihm gemachten Vorhalten äußern und die Strafkammer lehnte alle von ihm eingebrachten Beweisanträge ab. Sie hätten sich fast ausnahmslos auf die Geldgeschäfte konzentriert.

Der Schlussvortrag von Oberstaatsanwalt Meindl dauerte knapp vier Stunden. Er arbeitete den Fall in allen seinen Facetten auf, er sezierte ihn, wog sorgfältig ab. Draußen glühte die Sommerhitze, drinnen gerieten die Gemüter aller Mollath-Anhänger in Wallung. Denn Meindl kam zu dem Schluss, dass sich Mollaths Ex-Frau im Jahr 2001 ihre erwiesenermaßen existierenden Verletzungen wohl nicht selbst zugefügt habe. Am allerwenigsten Würgemale am Hals und eine Bisswunde. Für ein von ihr angezetteltes Komplott gebe es keine Beweise. Meindl hielt den 57-Jährigen auch der Reifenstechereien für überführt. "Alle Geschädigten stehen in einem Zusammenhang mit ihm, waren in seinen Augen Mitglieder der Verschwörung", unterstrich er. Bei seinem Vorgehen sei Mollath damals schuldfähig gewesen. Womit dieser, doch das blieb unausgesprochen, zu Unrecht in die Psychiatrie kam.

Keine Bestrafung

Das Plädoyer gipfelte in dem Antrag, Mollath schuldig zu sprechen. Doch eine Bestrafung forderte Meindl nicht. Der Grund: Mollath war 2006 in Nürnberg wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen worden. Im jetzigen Wiederaufnahmeverfahren kann er nach geltender Rechtslage nicht schlechter gestellt werden. Von daher, so der Oberstaatsanwalt, habe die Staatskasse alle Kosten zu tragen, sei Mollath auch zu entschädigen.

Im Auftrag von Mollaths Ex-Frau sprach Anwalt Jochen Horn (Nürnberg). Er schloss sich als Nebenklagevertreter dem Oberstaatsanwalt an. "Er hat meine Mandantin geschlagen, gewürgt und diffamiert", sagte er. Nichts anderes stehe im Prozess zur Debatte.

"Grundlos in Psychiatrie"

Sie hatten sich zum Schluss kaum noch Beachtung geschenkt. Und doch warf sich Pflichtverteidiger Gerhard Strate für Mollath vehement in die Bresche. In seinem Plädoyer sagte er: "Es gibt keinen Anhaltspunkt für eine wahnhafte Störung." Gleichwohl habe man seinen Mandanten grundlos in die Psychiatrie gesperrt. Bei Mollath sei wiederholt gegen Recht und Gesetz verstoßen worden. Mollaths Ex-Frau stellte Strate ein schlechtes Zeugnis aus. Schon bei ihrer ersten Aussage gegenüber einem Polizisten habe sie gelogen.

Was sich dann zwischen dem Ehepaar bei angeblichen Körperverletzungen vollzog, sei "ein abstrakter Vorgang". Über ihn wisse man nichts, es gebe keine Zeugen. Nur ein Attest sei später vorhanden gewesen. Von einem Arzt, der seinerzeit noch gar keiner war. Petra M., so Strate, habe die Unterbringung seines Mandanten systematisch vorangetrieben. "Auch von Medizinern, die sich leicht manipulieren ließen." Auf ihre Angaben könne man sich keineswegs stützen, "sie ist eine Lügnerin." Mollath sei deswegen "ohne Wenn und Aber freizusprechen". Denn dieser Fall sei ein Fiasko für die gesamte Psychiatrie gewesen.

Am späten Abend plädierte dann noch Mollaths zweiter Verteidiger Johannes Rauwald. Das Urteil solle am Donnerstag verkündet werden, teilte das Gericht danach mit.

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