26.08.2014 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Check schon am Flughafen: Bei Verdachtsfällen steht die Schnelleinsatzgruppe der Malteser bereit Ebola: Oberpfalz ist gerüstet

Die Ebola-Epidemie in Afrika weitet sich aus. Was passiert eigentlich, wenn die Infektionskrankheit nach Europa schwappt? Die Schnelleinsatzgruppe Infekt Oberpfalz der Malteser gab am Montag am Caritas-Krankenhaus St. Josef in Regensburg einige Antworten.

Übung für den Ernstfall: Bevor die Einsatzkräfte den Patienten transportieren können, müssen sie in einen Schutzanzug schlüpfen. Bild: gib
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Eines vorweg: Es ist sehr unwahrscheinlich, dass der Ebola-Virus in der Oberpfalz auftritt, wie Dr. Rainer Tichy, Diözesanleiter des Malteser Hilfsdienstes, erklärte. Menschen, die aus betroffenen Ländern zurück nach Deutschland reisen, würden bereits am Flughafen durchgecheckt. Eine 100-prozentige Sicherheit gebe es allerdings nicht. Deshalb ist Tichy wichtig: "Die Bevölkerung soll wissen, dass wir vorbereitet sind."

Die Schnelleinsatzgruppe

Seit 2006 gibt es die Schnelleinsatzgruppe (SEG) Infekt Oberpfalz, die für den Fall einer hochinfektiösen Erkrankung gerüstet ist. Dazu gehören neben Ebola unter anderem Pocken, Pest, Milzbrand oder SARS. Aufgabe der SEG ist es, einen Patienten, bei dem ein Verdacht auf eine hochansteckende Krankheit besteht, sicher in ein Spezialkrankenhaus zu bringen. In Bayern liegen diese Häuser in Würzburg und München, wobei Würzburg derzeit keine Patienten aufnimmt, wie Dr. Werner Kargl, Anästhesist in St. Josef, erläuterte.

Die Kapazitäten seien begrenzt: In München könnten bis zu drei Betroffene aufgenommen werden, in allen deutschen Kompetenzzentren zusammen 50. Der Aufwand für hochinfektiöse Patienten sei enorm: Sie müssen komplett isoliert behandelt werden, auf einen Patienten kommen 24 Pflegekräfte und Ärzte. Die Therapiemöglichkeiten sind bei Ebola noch eingeschränkt, bedauert Kargl. Medikamente seien noch in der Erforschung.

Die Inkubationszeit betrage meist acht bis zehn Tage. Zu den Symptomen gehörten Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen sowie Übelkeit und Durchfall. Zwischen dem fünften und siebten Tag kämen Blutungen etwa in Haut, Schleimhäuten und Lunge hinzu. Die Sterblichkeit liege bei 30 bis 70 Prozent. Übertragen werde der Virus meist über Körperflüssigkeit.

An Raumfahrtanzüge erinnert die Infektionsschutzausrüstung der Malteser. Sebastian Metzner, Beauftragter der SEG Infekt, erklärt die Gerätschaften. Die Schutzanzüge mit dem Namen "Astro Protect" mit 180-Grad-Sichtfenstern, angeschweißten Handschuhen und Füßlingen, Atemschutz und Gebläse sollen die Einsatzkräfte vor Ansteckung bewahren. Transportiert wird der Patient im durchsichtigen Isolator auf einer Trage, "Schneewittchen-Sarg" genannt. Alle Behandlungsgeräte kommen mit in den Isolator, "Ärzte haben durch integrierte Handschuhe Zugriff auf den Patienten."

Übung für den Ernstfall

Neun Mann stark ist das ehrenamtliche SEG-Team, das sich aus erfahrenen Rettungskräften zusammensetzt, bei einem Einsatz: Neben Einsatzleiter, Desinfektor und Notarzt sind je zweiköpfige Zugriffs-, Transport- und Fahrerteams nötig. 16 bis 18 Mal kam das Oberpfälzer SEG-Team seit der Gründung zum Einsatz, schätzt Malteser-Diözesanleiter Tichy. Meist stellte sich im Nachhinein heraus, dass es sich nicht um hochinfektiöse Fälle gehandelt hatte. "Eine wichtige Übung für den Ernstfall."

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