23.06.2014 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Ehemaliger Postbote soll 19 Autos abgefackelt haben: Vermeintlicher Feuerteufel von Regensburg ... Keiner der Zeugen sah den Brandstifter

von Autor AHSProfil

Im Prozess gegen den 47-jährigen ehemaligen Postboten aus dem westlichen Landkreis Regensburg - der insgesamt 19 hochpreisige Autos abgefackelt haben soll - ist auch nach sechs Verhandlungstagen kein Ende in Sicht. Ursprünglich hatte die 7. Strafkammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Richterin Bettina Mielke geplant, das Urteil am 2. Juli zu verkünden. Inzwischen wurden weitere Prozesstage bis August veranschlagt, da der Angeklagte weiterhin schweigt.

Wie berichtet, hatte der Feuerteufel erstmals Mitte Januar letzten Jahres zugeschlagen. Dabei brannte in Regensburg ein Mazda aus, zwei Wochen später war es ein Audi A 6. Noch während der Löscharbeiten erreichte die Feuerwehr eine weitere Einsatzmeldung, diesmal ging es um einen BMW X 5. Die Serie setzte sich bis April fort. Dabei handelte der Täter immer nach dem gleichen Strickmuster und führte die Taten stets an einem Freitag aus. Neben den Fahrzeugen wurden auch Carports beschädigt. In zwei Fällen bestand die Gefahr, dass das Feuer auf Wohngebäude übergreift, weshalb die Anklage auf "schwere Brandstiftung" lautet. Insgesamt belief sich der Sachschaden auf 412 500 Euro. Ein Feuerwehrmann wurde beim Einsatz verletzt. Im April hörte der Spuk auf.

Carport in Flammen

Die bisher gehörten Zeugen konnten nur von dem jeweiligen Brand berichten, niemand hatte den Feuerteufel gesehen. So schilderte eine junge Frau aus Barbing, wie sie den Brandanschlag am 27. April erlebte. Durch einen lauten Knall - offensichtlich ausgelöst durch einen geplatzten Reifen - seien sie und ihr Freund wach geworden. Vom Fenster aus sahen sie das Fahrzeug ihres Nachbarn in Flammen stehen. Während ihr Freund ihre eigenen Fahrzeuge in Sicherheit brachte, verständigte sie Feuerwehr und Nachbarn, da sie Angst hatte, das Feuer könne auf die Häuser übergreifen. In Windeseile haben dabei die Flammen den Carport und das Auto zerstört.

Alles, was die Ermittler fanden, war eine schmale Reifenspur im Rasen. Später konnte die Polizei etwa einen Kilometer vom Brandort entfernt einen Radfahrer - den Angeklagten - stellen. Dieser gab an, auf der Suche nach Pfandflaschen zu sein um sein Haushaltsgeld aufzubessern. Bei den späteren Vernehmungen hatte ein Kripobeamter den Eindruck, dass der Angeklagte mit Gott und der Welt gebrochen hat.

Der Verlust seines Arbeitsplatzes und die vor dem Arbeitsgericht erstrittene Abfindung von 16 000 Euro hätten ihn traumatisiert. Dazu hätten auch die Richter, die ihm kaum Gehör schenkten, beigetragen. Um den Tag, an dem er zum Sozialfall wurde, hinauszuschieben habe er sich auf das Sammeln von Flaschen verlegt. Auch die bei einer Durchsuchung vorgefundenen Wohnverhältnisse und die Tatsache, dass er nicht krankenversichert ist, untermauerten diesen Eindruck.

Richtiger auf Anklagebank

Dennoch zeigen sich Staatsanwaltschaft und Ermittler davon überzeugt, dass der Richtige auf der Anklagebank sitzt. Dies leiten sie auch von Mitschnitten aus der Telefonüberwachung ab, deren Protokolle bislang noch nicht verlesen wurden. Nur einmal erwähnte ein Kripobeamter, der Angeklagte habe am Telefon gegenüber seiner Schwester geäußert "Wenn die richtig geschaut hätten, dann hätten sie auch was finden können." Der Prozess wird heute mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt.

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