01.09.2014 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Erste Werkstätte für Körperbehinderte in Regensburg Endlich eine passende Stelle

Besuch bekam Simon Dickert an seinem Arbeitsplatz in der St.-Johannes-Werkstätte, wo er Einzelteile für die Automobilindustrie zusammensteckt. Von links: Kerstin Laumer und Hans Horn von der Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten, Ministerin Emilia Müller, Werkstätten-Leiterin Eva Haas und KJF-Direktor Michael Eibl. Bild: gib
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Für Simon Dickert ist die St.-Johannes-Werkstätte Regensburg ein Glücksfall. Der 25-Jährige aus Bodenwöhr (Kreis Schwandorf), der auf einen Rollstuhl angewiesen ist, besuchte nach der Schule ein Berufsbildungswerk in München. Nun kann er wieder in seiner alten Heimat arbeiten und leben.

2010 wurde die St.-Johannes-Werkstätte der Katholischen Jugendfürsorge (KJF) als erste Werkstätte für Menschen mit einer Körperbehinderung in Ostbayern in Betrieb genommen - bis dahin hatte es solche Einrichtungen nur für geistig behinderte Menschen gegeben. Zunächst fand die Werkstätte in provisorischen Räumen im ehemaligen Bischöflichen Studienseminar Platz. Zum 1. August hat sie nun ein komplett neu erbautes Gebäude im Regensburger Osten bezogen. Am Montag schaute sich Sozialministerin Emilia Müller in den hellen, barrierefreien Räumen um.

26 Männer und Frauen arbeiten von 8 bis 15 Uhr in den Bereichen Bürodienstleistung, Verpackung und Konfektionierung sowie Hauswirtschaft. Bald sollen alle 30 Plätze besetzt sein. Die Arbeitsinhalte orientieren sich an den individuellen Fähigkeiten. Genügend Raum gibt es für Therapien und Entspannungsübungen. "Für manch einen Mitarbeiter ist es wichtig, einfach mal eine halbe Stunde spazieren zu gehen", erzählte Leiterin Eva Haas.

Für körperbehinderte Menschen klaffte lange eine Lücke in Ostbayern: In Förderstätten waren sie unterfordert, auf dem ersten Arbeitsmarkt waren die Arbeitsplätze häufig nicht ausreichend auf ihre Bedürfnisse angepasst. Stellvertretend steht dafür die Geschichte von Werkstattmitarbeiter Antonio Lotta: Der 36-jährige Regensburger, der eine Bewegungsstörung hat, hatte mehrere befristete "normale" Jobs, kam auf dem ersten Arbeitsmarkt aber immer wieder an seine Grenzen. Es folgten vier Jahre Arbeitslosigkeit, eine "sehr belastende Zeit" für ihn. In St. Johannes fühlt er sich nun gut aufgehoben. 1,3 Millionen Euro kostete der Bau. 850 000 Euro kamen vom Sozialministerium. Müller betonte, dass sie die Inklusion, also die Integration behinderter Menschen in Regel-Kindergärten, -Schulen und -Arbeitsstellen, vorantreiben wolle. Allerdings könne nicht jeder behinderte Mensch auf dem ersten Arbeitsmarkt unterkommen. "Wir werden immer Werkstätten und Förderschulen brauchen."

Hans Horn, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen, betonte, es sei wichtig, den Übergang von Werkstätten in den ersten Arbeitsmarkt zu erleichtern. Derzeit sei allerdings eher ein umgekehrter Trend zu beobachten.

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