03.06.2015 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Falschem Arzt droht Haftstrafe

Der 31-Jährige hat nie eine medizinische Ausbildung durchlaufen. Dennoch behandelte er Patientinnen als plastischer Chirurg. Nun drohen dem Mann wegen gefährlicher Körperverletzung in 110 Fällen bis zu fünf Jahre Haft.

von Autor AHSProfil

Die Anklage gegen den geständigen Angeklagten, der einen Deal mit den anderen Prozessbeteiligten aushandelte, lautete auch auf Betrug, Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnungen. Im Prozess sprachen am vierten Verhandlungstag die Sachverständigen.

Unter dem Eindruck der Aussagen der Patientinnen, die der Angeklagte behandelt hat, kam der medizinische Gutachter Professor Dr. Raymund Horch vom Uniklinikum Erlangen zum Ergebnis, dass sich diese einer großen Gefahr ausgesetzt haben. Unvorhersehbare Spätfolgen seien möglich. Die Frauen hatten über schmerzende Verhärtungen im Gesicht, Herzrasen und Ohnmacht berichtet.

Bereits das in das Gesicht gespritzte Anästhetikum könne bei unfachmännischer Anwendung zu schweren Kreislaufproblemen führen, sagte Horch. Auch dürfe das Nervengift Botox nur von erfahrenen Ärzten verabreicht werden, um Schäden bis hin zum Atemstillstand zu vermeiden. Fett-weg-Spritzen und Silikoninjektionen könnten zu Abstoßreaktionen führen - und Partikel "überall hin, sogar in Herz und Lunge" wandern.

Nicht in die Psychiatrie

Laut dem Gutachten des Psychiaters der Forensischen Klinik Mainkofen, Dr. Johann Schwertner, fühlt sich der Angeklagte seit seinem 16. Lebensjahr als hässlich und entstellt. Eine Vielzahl von Eingriffen an sich und mehrere Suizidversuche waren die Folge. Zudem leide er an zwanghaften Waschritualen und depressiven Episoden und Panikattacken. Hinzu komme ein jahrelanger Medikamentenmissbrauch. Dass der Angeklagte sich als Arzt ausgab liege an einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Bei den Straftaten habe er unter Zwang, aber dennoch planvoll gehandelt. Es bestehe kein Anlass, ihn in einer Psychiatrie unterzubringen.

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