16.08.2014 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Gustl Mollath hat seine Frau geschlagen - Aber: zu Unrecht in Psychiatrie Freispruch zweiter Klasse

Gustl Mollath starrte zwei Stunden lang an die Wand und vernahm seinen Freispruch. Nicht alles verlief dabei nach Wunsch für ihn. Er ist, wie das Landgericht Regensburg feststellte, ein Straftäter, weil er seine 2001 seine Ehefrau Petra schlug, trat, würgte und biss.

Gustl Mollath (rechts) kann wieder lachen. Vor dem Landgericht Regensburg wurde er am Donnerstag freigesprochen. Nach der Urteilsverkündung war er vor dem Gerichtsgebäude ein gefragter Interviewpartner. Bild: hou
von Autor HOUProfil

Der heute 57-Jährige wurde allerdings zu Unrecht in die Psychatrie geschickt und musste dort über sieben Jahre lang als ein Mensch mit attestiertem "Geistesschaden" sein Dasein fristen.

Die Mollath-Fans blieben erstaunlich ruhig, als Strafkammervorsitzende Elke Escher, die 16 Prozesstage lang dieses Wiederaufnahmeverfahren souverän führte, das Urteil verlas und es anschließend 120 Minuten lang begründete. Die Meinung des Gerichts ließ sich so zusammenfassen: Mollath hat Körperverletzungen an seiner Ehefrau begangen, ihm konnten aber zahlreiche Reifenstechereien und eine ebenfalls im Zusammenhang mit seiner Ehepartnerin stehende Freiheitsberaubung nicht nachgewiesen werden. Dass er nicht zu bestrafen und freizusprechen war, lag darin begründet, dass man ihn schon 2006 wegen Schuldunfähigkeit ohne Ahndung ließ - und ihn stattdessen dauerhaft in die Psychiatrie schickte.

"Zweifellos Übergriffe"

Litt Mollath unter Wahnvorstellungen, als er über seine Frau gewaltsam herfiel? "Wir wissen das nicht", sagte Richterin Escher. Sie lenkte den Blick auf eine "bei ihm zuhause unerträgliche Situation" und hielt es für möglich, "dass er sich nicht mehr steuern konnte". Gleichwohl aber sei es zweifellos zu Übergriffen gekommen. Dabei stützte sich die Vorsitzende auf Zeugen, denen die erlittenen Verletzungen bei der Frau aufgefallen waren.

Der Nachweis für eine ebenfalls im Zusammenhang mit seiner Frau zur Debatte stehende Freiheitsberaubung sei ebensowenig erbracht wie für diverse Reifenstechereien, hieß es anschließend. "Es handelte sich bei den Geschädigten fast ausnahmslos um Leute, die nach Meinung des Angeklagten an einer Verschwörung gegen ihn beteiligt waren", ließ die Richterin anklingen. "Doch es gab keine Zeugen und alle weiteren Aspekte sind zu dürftig."

Im Jahr 2006 hatte eine Strafkammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth wegen der Körperverletzungen und Reifenstechereien gegen Mollath verhandelt und ihn nach nur vierstündiger Verhandlung unter Zuhilfenahme des Gutachtens eines Bayreuther Sachverständigen in die Forensik geschickt. Ob und wie sehr sich dieser Psychiater und neben ihm noch einige andere Experten irrten, blieb im Urteil ausgespart. "Aus heutiger Sicht", so Richterin Escher, "kann weder Schuldunfähigkeit noch Schuldfähigkeit zum damaligen Zeitpunkt ausgeschlossen werden."

Gleich danach folgte ein Satz, der den Fall Mollath in seiner gesamten Tragweite auf das zurechtrückte, was ein Großteil des Volkes, in dessen Namen ja Urteile gefällt werden, immer vermutet hatte: "Er hat die Unterbringung zu Unrecht erlitten, von ihm geht keine Gefahr aus." Von daher habe die Staatskasse alle bisher angefallenen Kosten zu tragen, sei Gustl Mollath überdies auch zu entschädigen. Er wird vermutlich pro Tag 14 Euro bekommen.

Merkwürdige Freunde

Erst draußen vor dem Gerichtssaal verschafften die zu jedem Verhandlungstag teils von weither angereisten Mollath-Anhänger ihrem Unmut Luft. Nicht nur wegen des "Freispruchs zweiter Klasse." Auch angesichts des Umstands, dass statt des Oberstaatsanwalts Wolfhard Meindl der Staatsanwalt Markus Pfaller die Anklagebehörde beim Urteil vertrat. "Merkwürdig", posaunte einer, der während des Prozesses immer wieder versucht hatte, die Meinung der ansonsten doch so sehr von Mollath als Gesprächspartner gesuchten Journalisten zu beeinflussen.

Merkwürdig? Meindl war krank. Womit auch fest stand: Solche Freunde sollte Gustl Mollath möglichst schnell loswerden auf seinem Weg, wie er sagte, "in ein neues und besseres Leben".

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