Lehramtsanwärter machen in Regensburg auf die schwierige Einstellungssituation aufmerksam
Schlange stehen für den Job

Die Regensburger Lehramtsstudenten fühlen sich wie in einer Warteschlange. Das zeigten sie bei einem Flashmob am Neupfarrplatz. Bild: Gibbs
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Regensburg
27.01.2014
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Unter den Lehramtsstudenten und Referendaren in Bayern rumort es: Viele fürchten, nach jahrelangem Studium und trotz guter Noten keine Anstellung zu bekommen. Sie werfen dem bayerischen Kultusministerium eine falsche Personalpolitik vor. In Regensburg machten rund 350 Teilnehmer bei einem Flashmob ihrem Ärger Luft.

Um Punkt 15 Uhr am Samstag stellten sich die Lehramtsanwärter am Neupfarrplatz in langen Reihen auf - symbolisch dafür, dass sie für eine freie Stelle Schlange stehen. Nach zehnminütigem Schweigen zerdrückte einer nach dem anderen ein Stückchen Kreide. "Die brauchen wir ja nicht", sollte das bedeuten. Wer sich unter den Teilnehmern umhörte, erfuhr die unterschiedlichsten Geschichten. Eine junge Lehrerin ist bereits seit mehreren Jahren mit ihrer Ausbildung fertig, hangelt sich aber immer noch von einem befristeten Vertrag zum anderen.

Eine andere Frau aus Regensburg gehört zu den 800 Referendaren für Gymnasien bayernweit, die im Februar mit ihrer Ausbildung fertig sind - und darum bangen, in den Staatsdienst übernommen zu werden. Nur 170 von ihnen werden eine Stelle bekommen, wie Max Schmidt, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbands (BPV), jüngst vorrechnete. "Das führt bei den Betroffenen zu Recht zu Ärger, Wut, Verbitterung und Verzweiflung", erklärt er. "Die Unsicherheit ist groß", bestätigte die Regensburgerin. Ihren Namen wollte sie nicht in der Zeitung lesen. Zu groß ist die Sorge, durch öffentliche Kritik die Jobsuche noch zusätzlich zu erschweren.
Eine, die bewusst ihren Namen angibt, ist Patricia Krauß, die den Protest-Flashmob mit organisiert hat. Die 25-Jährige steht noch nicht unmittelbar vor dem Job-Problem. Wegen der durchwachsenen Aussichten für ihre Fächerverbindung Deutsch und Geschichte hat sie noch ein Jahr drangehängt und studiert in Regensburg zusätzlich Sozialkunde und Medienpädagogik - um ihre Chancen auf eine Stelle zu erhöhen.

Dass das Kultusministerium nun auf die Lehrerbedarfsprognose verweist, die junge Leute bereits vor dem Studium zu Rate ziehen könnten, ärgert sie. "Das ist Quatsch", meinte sie. "Als ich 2007 angefangen habe, herrschte Lehrermangel." Auch den Hinweis, dass es für andere Studiengänge ebenso wenig eine Jobgarantie gibt, lässt Krauß nur eingeschränkt gelten: Lehramt studiere man gezielt auf einen Beruf hin, es sei nicht so einfach, in der freien Wirtschaft unterzukommen.

Kritisch sieht die 25-Jährige auch das gewaltige Arbeitspensum der Referendare. Als 2007 der Lehrermangel groß war, sei die Unterrichtstundenzahl der Referendare von 11 auf 17 erhöht worden - dabei sei es bis heute geblieben. "Sie werden als günstige Zeitarbeiter ausgenutzt", klagt Patricias Kommilitone Johannes. Ein Referendar bekomme etwa ein Drittel des üblichen Lehrergehalts. "Die Referendare arbeiten sozusagen selbst ihre Stellen weg."

In andere Bundesländer

Die Leidtragenden der bayerischen Bildungspolitik seien aber nicht nur die Nachwuchslehrer, sondern vor allem auch die Schüler, meinte Johannes. Sie müssten damit leben, dass die Lehrer wenig Zeit haben, häufig wechseln und reihenweise Stunden ausfallen. Die Aussichten in Bayern würden außerdem Anwärter dazu veranlassen, in anderen Bundesländern zu arbeiten. Etliche auf eine Stelle wartende Referendare hätten bereits Post aus Berlin bekommen: Dort werden Lehrer gesucht.