15.07.2014 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Mollath-Prozess: Angaben über Tatablauf aus früherer Verhandlung angeblich falsch geschildert Ex-Schöffe kritisiert Urteil

Nach sechs Verhandlungstagen im Wiederaufnahmeverfahren gegen Gustl Mollath steht die 6. Strafkammer des Landgerichts Regensburg immer wieder vor einem Dilemma: Manche Zeugen haben so gut wie keine Erinnerung mehr an das Erlebte. Auch sind Aussagen gegenüber früheren Angaben widersprüchlich.

von Autor AHSProfil

Eine damalige Schöffin des Landgerichts Nürnberg-Fürth - das 2006 die Einweisung Mollaths in die Psychiatrie verfügte - hatte nur "ganz schwache Erinnerungen". Diese beschränkten sich darauf, dass sie noch wusste, dass Mollath immer wieder Schwarzgeld ins Spiel brachte, was der Gerichtsvorsitzende unterband. Auch sei ein Attest verlesen worden. Was darin stand? Keine Erinnerung.

Immerhin gewappnet mit Aufzeichnungen aus dem damaligen Prozess in Nürnberg trat ein weiterer Schöffe und ehemaliger Krankenhaus-Direktor auf. Er hatte Mollath als ruhig und besonnen in Erinnerung. Bei dessen Äußerung "Ich trete jetzt aus dem Rechtsstaat aus" habe er jedoch einen verwirrten Eindruck gemacht. Der Gerichtsvorsitzende habe über Gebühr laut mit ihm gesprochen und das Thema Schwarzgeld unterbunden. Dabei habe er auch gedroht, Mollath aus dem Gerichtssaal zu entfernen. In einer Verhandlungspause soll der Vorsitzende auch "Dem schaut der Wahnsinn aus den Augen" geäußert haben. Ein Gutachter - der sich für befangen erklärt hatte - soll im Richterzimmer erschienen sein und gesagt haben "Mollath hat sie doch nicht alle".

Als ihm durch einen Journalisten Ende 2011 das Urteil zugespielt worden war, habe er es penibel geprüft. Neben unrichtigen Jahreszahlen sei ihm vor allem der Tatablauf "Gewürgt bis zur Bewusstlosigkeit, Tritte und dann aufgewacht" aufgefallen. So sei dies in der Hauptverhandlung nicht geschildert worden. Andernfalls wäre ihm dies in Erinnerung geblieben, da diese Reihenfolge - die sich so in der Anklageschrift befindet - aus medizinischen Gründen gar nicht möglich sei.

Als 2012 darüber berichtet wurde, dass Mollath um seine Entlassung aus der Psychiatrie kämpft, meldete sich eine 57-jährige frühere Freundin der Ex-Ehefrau Mollaths bei der Staatsanwaltschaft. Sie berichtete, dass diese vor 32 Jahren bei ihr Unterschlupf gesucht hatte, weil Mollath sie verprügelt habe. Kurz darauf habe der Angeklagte bei ihr geklingelt, sie am Hals gefasst und zur Seite gedrückt. Dabei soll er gesagt haben: "Ihr müsst jedes Glück zerstören." Danach sei die Frau einvernehmlich mitgegangen. Die Zeugin äußerte den Eindruck, dass sich ihre Freundin über das Auftauchen Mollaths gefreut habe. Den Angriff gegen ihren Hals wollte sie nicht als Würgen, eher als Festhalten werten. Sie habe sich mit einem Kniestoß gewehrt.

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