Oberpfälzer geraten wegen schlechter Versorgung ins Hintertreffen - Warnung vor Abwanderung
Warten auf die Datenautobahn

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Regensburg
19.08.2014
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Ohne die Möglichkeit, schnell große Datenmengen über das Internet versenden zu können, droht das Handwerk ins Hintertreffen zu geraten, gerade auch in der Oberpfalz. Längst geht es bei den Betrieben nicht mehr nur darum, sich im Internet zu präsentieren. Wie in der Industrie, sind immer mehr Teile des Produktionsprozesses digitalisiert.

Angesichts dieser Entwicklung betont der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, Toni Hinterdobler, "eine bedarfsgerechte Breitbandversorgung ist neben konventioneller Infrastruktur mitunter eine Grundvoraussetzung, dass einzelne Regionen nicht von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen abgehängt werden".

Sorge um die Dörfer

Zugleich warnt Hinterdobler: "Ohne schnelles Internet gibt es keine Zukunft. Kommende Generationen werden aus den Dörfern abwandern." Unterstrichen wird Hinterdoblers Warnung durch die Ergebnisse der bundesweiten Umfrage "Digitalisierung der Wirtschaftsprozesse im Handwerk" des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH).

Wenn jeder fünfte Betrieb befürchtet, dass das zu langsame Internet sein Wachstum bremst, zeigt dies vor welcher Aufholjagd Deutschland, aber auch Ostbayern stehen. Ein Blick in den Breitbandatlas des Bundesverkehrsminister belegt den Nachholbedarf in der Oberpfalz, macht Hinterdobler deutlich.

Das "Internet der Dinge" ist nur ein Schlagwort, das nicht nur für die Industrie an Bedeutung gewinnen wird, sondern auch für das Handwerk. "Der Prozess der zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung wird sich aber auch in der Zukunft weiter beschleunigen", erwartet der ZDH. Die Produkte werden "intelligenter", sie melden sich etwa selbst bei Bedarf beim Kundendienst. Die Fernwartung von Heizunganlagen ist nur eine denkbare Anwendung. Zudem werde im Zuge der Digitalisierung die Produktion immer individueller, eine Chance für das Handwerk.

Bereits heute sind Internet und E-Mail Standard in den Handwerksbetrieben, stellt der ZDH fest. Programme würden für die Buchhaltung, die Kalkulation oder die Steuererklärung verwendet. "Immerhin 20,9 Prozent nutzen Programme zur Steuerung ihrer Maschinen und Anlagen." Das Internet dient der Informationsbeschaffung und zum Einkauf, aber auch der Werbung und Kommunikation mit den Kunden.

Dynamische Ansprüche

Um an "elektronischen Ausschreibungen teilnehmen zu können, mit Auftraggebern zu kommunizieren und mit anderen Beteiligten an Bau- oder Ausbauprojekten Daten austauschen zu können", sind leistungsfähige Netzanschlüsse für Handwerksbetriebe unverzichtbar, sagt Hinterdobler und mahnt: "Die Ansprüche an die Anbindungsqualität wachsen dynamisch."

Digitale Geräte im Handwerk

Die überwältigende Mehrheit der Handwerksbetriebe nutzt digitale Geräte: 93,9 Prozent greifen auf einen stationären PC oder ein Notebook, auf Smartphone, Tablet oder Server zurück oder sie setzen computergesteuerte Maschinen und Anlagen oder 3D-Drucker für die Leistungserstellung und die Produktion ein. Dies ergab die bundesweite Umfrage "Digitalisierung der Wirtschaftsprozesse im Handwerk" des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). An der Umfrage im 1. Quartal beteiligten sich 6230 Betriebe. Je größer ein Handwerksbetrieb, desto weiter ist die Digitalisierung fortgeschritten. Dabei werden die Geräte nicht nur für Kundenwerbung, Verwaltung oder Einkauf verwendet, sondern auch in der Produktion. Es gibt aber nach wie vor Betriebe, die keine digitalen Geräte einsetzen. "Insbesondere die Friseure und Schuhmacher brauchen für ihren Geschäftsbetrieb häufig weder PC noch Tablet oder Server", heißt es in der ZDH-Studie. Gleiches gelte für Kosmetiker, aber auch für zumeist kleinere Fleischereien, Bäckereien und Konditoreien.
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