Population steigt immer weiter - Agrarminister Brunner: Situation droht, aus dem Ruder zu laufen
Wildschwein als Problembär

Mehr als 11 000 Wildschweine werden in der Oberpfalz mittlerweile pro Jahr abgeschossen - Tendenz stark steigend. Archivbild: dpa
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Regensburg
12.08.2014
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(we/dpa) Die Wildschwein-Schwemme im Freistaat sorgt für zunehmendes Kopfzerbrechen. Allein in der Oberpfalz ist die Zahl der Abschüsse in den vergangenen 20 Jahren von knapp 570 auf mehr als 11 000 gestiegen. Jäger und Landwirte rufen nach schnellen Maßnahmen.

Agrarminister Helmut Brunner (CSU) warnte am Montag, dass die Situation aus dem Ruder laufen könnte. Die bayerischen Jäger schießen zwar eine Rekordzahl von Sauen - doch vermehren sich die Schweine dennoch wie nie zuvor. "Richtig ist, dass die Jäger in den letzten Jahren durchaus erfolgreich waren. Wenn sie 66 000 Wildschweine in einem Jahr erlegen, dann ist das mehr als je zuvor", sagte Brunner. "Das will ich auch anerkennen."

Doch hat der Jagdeifer die Wildschweinvermehrung nicht gebremst: "Wir stellen aber auch fest, dass mancherorts eine Verdreifachung der Population eintritt, wenn die Bedingungen optimal für die Schweine sind", sagte Brunner. "Es besteht die Gefahr, dass diese Entwicklung aus dem Ruder läuft." Hintergrund: Bis vor wenigen Jahrzehnten gab es in weiten Teilen Bayerns überhaupt keine Wildschweine. Inzwischen haben sich die Sauen jedoch flächendeckend übers Land verbreitet. Sie richten vielerorts Schäden auf Feldern und in Gärten an, so dass es seit Jahren Konflikte zwischen Bauern, Jägern und örtlichen Behörden gibt. Insbesondere der Jagdverband fühlt sich häufig zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Schneisen in die Maisfelder

Hubertus Mühlig ist seit dem Jahr 2000 Vorsitzender des Bezirksjagdverbandes Regensburg, mit 1200 Jägern und 136 000 Hektar Jagdfläche der größte im Freistaat. Er sieht "in der Tat ein schwerwiegendes Problem". Allein in seinem Verband hätten sich die Abschüsse innerhalb von 15 Jahren von 300 auf jetzt 2500 Sauen gesteigert. Der zunehmende Maisanbau und die milde Witterung hätten die Population explodieren lassen.

Der 75-Jährige spricht sich für Nachtsichtgeräte für Jäger aus, die der Gesetzgeber genehmigen müsste. Außerdem müssten die Bauern Schneisen ihn ihre Maisfelder schlagen, damit sich die Wildschweine besser jagen ließen. Das unterstützt auch Franz Kustner, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Bauernverbandes (BBV). Erst vor 14 Tagen sei die Problematik mit Politik, Jägern und BBV im Landkreis Amberg-Sulzbach diskutiert worden. Die Zusammenarbeit sei noch nicht optimal.

Abgesehen von Schäden in der Landwirtschaft droht eine andere Gefahr am Horizont: "In den baltischen Staaten ist die Afrikanische Schweinepest bereits aufgetreten, und Wildschweine sind potenzielle Überträger", sagte Brunner. Brunner appelliert daher an die Kombattanten in Bauern-, Jägerschaft und Behörden, gemeinsam Lösungen zu suchen: "Ich meine, wir können mit den herkömmlichen Methoden der Bejagung dieses Problems nicht mehr Herr werden", sagte der niederbayerische CSU-Politiker. "Wir brauchen ein Zusammenwirken aller Akteure. Auch die Grundstücksbesitzer müssen aktiv mitwirken, wenn wir dieses Problem lösen wollen."

Symposium im Herbst

Eine Idee, die nach Brunners Einschätzung bei der Lösung des Sauenproblems helfen könnte: "Wir versuchen beispielsweise, Waldrandstreifenprogramme anzubieten, damit der Übergang von Wald und Feld nicht mehr so abrupt ist. Das ist gut für die Bienen, und gut für die Jäger, die dann bessere Sicht haben." Gegenseitige Schuldzuweisungen könne man sich beim Thema Wildschwein nicht mehr leisten. "Ich will, dass hier alle Fakten auf den Tisch kommen." Im Herbst will Brunner alle Beteiligten bei einem Symposium an einen Tisch bringen.
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