13.05.2014 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Prozess um Brandserie in Regensburg: Auf die Richter wartet ein schwieriger Weg zur Wahrheit Mutmaßlicher Feuerteufel schweigt

Handelt es sich bei dem angeklagten 47-jährigen ehemaligen Briefträger um den Mann, der Anfang vergangenen Jahres Bürger in Stadt und Kreis Regensburg zahlreiche Brandstiftungen verübt hat? Diese Frage wird die 7. Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Richterin Bettina Mielke an mindestens 14 Verhandlungstage bis in den Juli hinein klären müssen. Der Angeklagte schweigt auf Anraten seines Verteidigers Michael Haizmann.

von Autor AHSProfil

Wie berichtet hatte der Feuerteufel erstmals Mitte Januar vergangenen Jahres zugeschlagen. Dabei brannte in Regensburg ein Mazda aus, zwei Wochen später war es ein Audi A 6. Noch während dieser Löscharbeiten erreichte die Feuerwehr eine weitere Einsatzmeldung, diesmal ging es um einen BMW X 5. Die Serie setzte sich bis April fort. Dabei handelte der mutmaßliche Täter immer nach dem gleichen Strickmuster - und immer freitags. Neben den Fahrzeugen wurden auch Carports beschädigt. In zwei Fällen bestand zudem die Gefahr, dass das Feuer auf Wohngebäude übergreift, weshalb die Anklage auf "schwere Brandstiftung" lautet. Am Ende belief sich der gesamte Sachschaden auf 412 500 Euro. Ein Feuerwehrmann wurde verletzt.

Mehr als 500 Hinweise

Am Montag gab einer der Ermittler aus der Soko "Autobrand" einen Überblick über die Erkenntnisse, die schließlich zum Angeklagten führten. Über 500 Hinweisen mussten die Fahnder nachgehen, bis sich zwei Zeuginnen meldeten, die jeweils in der Nähe des Tatorts einen Mann mit einem Fahrrad beobachtet hatten. Nach dem Brand der Duplexgarage in Neuprüll - allein hier betrug der Schaden rund 143 000 Euro - wurde der Angeklagte mit seinem Fahrrad etwa 900 Meter vom Tatort entfernt von Zivilbeamten angehalten und zur Zeugenvernehmung aufs Revier gebracht. In seiner Kleidung fanden die Beamten zwei Feuerzeuge und ein Zigarettenetui.

Bei der Nachschau in seiner Wohnung fanden sich ebenfalls fünf Feuerzeuge und mehrere Streichholzschachteln. Doch der Angeklagte ist eigenen Angaben nach Gelegenheitsraucher. Dass er nachts mit dem Rad unterwegs war begründete er damit, dass er zur Aufbesserung seiner Haushaltskasse Pfandflaschen sammeln würde.

Cowboy und Indianer

Sieht man von Spekulationen ab, so war die Telefonüberwachung eher unergiebig. Dabei wertete der Zeuge einen Satz des Angeklagten seiner Schwester gegenüber "Wenn's damals richtig nachg'schaut hätten, hätten's vielleicht einen Beweis gefunden" schon als halbes Geständnis. Die Observation des Angeklagten musste eingestellt werden. Ihm waren nachts ein Fußgänger und ein Radfahrer als seine "Schatten" aufgefallen. Er sprach diese an und bezeichnete das Ganze als "Cowboy- und Indianerspiel". Da der Angeklagte bei all seinen Vernehmungen bestritt, am jeweiligen Tatort gewesen zu sein, wurden auch Personenspürhunde eingesetzt. Diese hatten an mehreren Tatorten seine Fährte aufgenommen.

Da der Zeuge vieles nicht aus eigenem Wissen, sondern aus dem Akteninhalt berichtete, müssen auch die Vernehmungsbeamten aussagen. Ebenso werden die Hundeführer gehört, zumal die Verwertung der Einsätze von Maintrailern umstritten ist.

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