02.04.2014 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Regensburg: Kamera vor Waschsalon zeichnete tragisches Ende der Amokfahrt auf Schwer zu ertragendes Video

von Autor AHSProfil

Seit Mitte März steht ein psychisch kranker Straßenkehrer (46) aus Regensburg vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Regensburg. Er muss sich dafür verantworten, dass er im August vergangenen Jahres nach einer einstündigen Irrsinnsfahrt mit seinem Mazda Cabrio quer durch Regensburg ein fünfjähriges Mädchen vor einem Waschsalon tödlich verletzt hat (wir berichteten).

Man hätte eine Stecknadel im Sitzungssaal 104 fallen hören, als am 3. Verhandlungstag die Aufzeichnung einer Videokamera des Waschsalons abgespielt wurde, die nicht nur den Geschäftsraum, sondern auch den Eingangsbereich erfasste. Man sieht die beiden Mädels, wie sie ihrer Mama beim Befüllen der Wäschetrommel helfen. Dann gehen alle drei vor die Tür. Die größere von ihnen verschwindet mit dem Lebensgefährten der Mutter aus der Bildfläche - die beiden gehen zum nahe gelegenen Bäcker, um Brezen zu kaufen. Kurz darauf sitzen alle vier auf den Stufen, die zum Waschsalon führen. Gerade als das ältere Mädchen in seine Breze beißen will, verdunkelt eine riesige Staubwolke das Bild. Man sieht nur noch, wie der Lebensgefährte der Mutter zur Seite geschleudert wird. Die Mutter, die bis dahin an jedem Verhandlungstag dem Todesfahrer als Nebenklägerin gegenüber saß, war beim Abspielen des Videos nicht im Gerichtssaal anwesend.

Psychose vor Amokfahrt

Am 4. Verhandlungstag musste der Oberarzt des Bezirksklinikums, der den Beschuldigten vor und nach diesem verhängnisvollen Ereignis behandelte, in den Zeugenstand. Er schilderte, dass der bis dahin völlig unauffällige Patient etwa ein Vierteljahr vorher nach einem epileptischen Anfall von Passanten in der Innenstadt ohne Bewusstsein aufgefunden wurde. Im Klinikum wurde dann im Laufe der Untersuchungen eine Psychose diagnostiziert, die medikamentös behandelt wurde. Hierzu war er in eine geschlossene Abteilung verlegt worden. Er litt unter einem zwanghaften Putz- und Ordnungswahn, der auch zu Reibereien mit anderen Patienten führte. Einmal habe er ein Radio zertrümmert, als er "Spiel mir das Lied vom Tod" hörte. Im Laufe der Zeit hätten sich jedoch die Symptome gebessert, so dass er auf die offene Station verlegt werden konnte. Zu keiner Zeit hätte es Anhaltspunkte für eine Fremdgefährdung gegeben. Wenige Tage vor der Amokfahrt habe der Beschuldigte die Ärzte darüber informiert, dass er seine Medikamente abgesetzt habe, da er sich nicht krank fühlte und sie ihm nicht gut tun würden. Zwar hatte er Ausgang, aber Autofahren war ihm strikt untersagt worden. Am Vorabend der Wahnsinnsfahrt war er nicht ins Klinikum zurückgekehrt, "weil er sich in seinem Bett ausschlafen wollte". Bei der Visite am Tag nach der Todesfahrt habe der Beschuldigte ihn, den Oberarzt, erkannt. Er habe erklärt, dass man ihn nicht aufhalten könne "weil ich ein glühender Komet bin, der ungebremst durchs All fliegt". Er sei in der Lage, die Welt zu zerstören. Auf den Tod der Fünfjährigen angesprochen, meinte er: "Es tut mir leid, vielleicht bin ich gestern von einem Vampir gebissen worden, vielleicht muss man mich töten".

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