30.06.2014 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Strafkammer seziert die Vergangenheit des vermeintlichen Regensburger Feuerteufels Eigenbrötler oder Menschenfeind?

von Autor AHSProfil

Im Prozess gegen den früheren Postboten (47) aus dem westlichen Landkreis Regensburg wegen der Brandstiftungsserie Anfang vergangenen Jahres liegen dem Gericht noch immer keine Beweise vor. Und allem Anschein nach gibt es auch keine handfesten Indizien, vom Einsatz der Mantrailer abgesehen. Doch deren Arbeit ist in den Augen von Verteidiger Michael Haizmann mit vielen Fragezeichen versehen.

Um in den Ermittlungen weiter zu kommen hatten die Fahnder auch einen Psychologen der Polizeieinheit "Operative Fallanalysen" zu den Vernehmungen des Angeklagten hinzugezogen. Diesem erzählte der 47-Jährige bereitwillig von dem zerrütteten Verhältnis zu seiner Mutter. Er sei in einem Internat aufgewachsen und habe über längere Zeit Jura, Theologie und Informatik studiert, allerdings ohne jedweden Abschluss. "Ich wollte damals meiner Mutter nicht die Genugtuung geben, dass aus mir was wird", war sein Kommentar dazu. Kaum war der Psychologe auf die Straftaten zu sprechen gekommen, zeigte sich der Angeklagte wieder verschlossen.

Nach Einschätzung des Münchener Beamten besitzt der Angeklagte ein hohes Gerechtigkeitsbewusstsein. Deshalb habe es auch ab und an Schwierigkeiten am Arbeitsplatz gegeben. Nachdem er diesen verloren hatte und vor dem Arbeitsgericht klagte, habe er das Vertrauen in die Gerechtigkeit verloren. Seine Enttäuschung sei so weit gegangen, dass er sogar mit Suizidgedanken spielte und sich deshalb einen Strick kaufte. Aus Feigheit habe er dann aber davon Abstand genommen. Seinen Verwandten täuschte er in dieser Zeit vor, weiterhin berufstätig zu sein - dabei sammelte er längst Pfandflaschen, um seine Haushaltskasse aufzubessern.

Unbequemer Kollege

Ein früherer Vorgesetzter des Angeklagten berichtete im Zeugenstand, dass dessen Verhalten zu seinen Kollegen meist teilnahmslos - begleitet von Wutausbrüchen - war. Da dadurch auch der Betriebsfrieden gestört gewesen sei, war der 47-Jährige mehrfach in andere Betriebsstellen versetzt worden. Er galt als starrsinnig und auf seiner Meinung beharrend. Andere Kollegen berichteten von Reibereien am Arbeitsplatz. Der Angeklagte sei ein unbequemer Kollege gewesen.

Einer der Zeugen war von der Polizei befragt worden, ob er dem Angeklagten die Brandstiftungen zutrauen würde. Der bejahte dies, konnte aber keine Gründe hierfür nennen. Der Prozess wird morgen fortgesetzt.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp