Studie beleuchtet Folgen der Pkw-Maut: IHK rechnet mit bis zu 38 Prozent Umsatzminus im Handel ...
Wenn der kleine Grenzverkehr ausbleibt

Foto aus HUP-Import
Archiv
Regensburg
19.08.2014
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Befragt wurden für die Studie 500 tschechische Haushalte. "Allein aus den westböhmischen Kreisen - Eger, Domažlice, Klatovy, Pilsen Nord, Pilsen Süd und Pilsen Stadt - würden 51,8 Millionen Euro an Einzelhandelsumsatz in Bayern verloren gehen", teilte die IHK in einer Presseerklärung mit. "Die Infrastrukturabgabe hätte negative Folgen für die grenznahe Wirtschaft", befürchtet IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Helmes, mit Blick auch auf andere deutsche Grenzregionen.

Die Grenze zwischen Westböhmen und der Oberpfalz ist etwa 200 Kilometer lang. "Tschechische Kunden spielen bei uns schon eine Rolle", sagt Norbert Turban, Vorsitzender des Weidener Einzelhandelsverbandes. Die Max-Reger-Stadt ist Ziel vieler Bürger aus dem Nachbarland und müsste laut IHK-Studie einen Umsatzrückgang von 5 Millionen Euro hinnehmen - den zweithöchsten hinter dem Landkreis Cham.

Gelassenheit in Weiden

Turban sieht der Einführung der Maut - ohne jedoch die konkreten Zahlen zu kennen - relativ gelassen entgegen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es so gravierend ist." Er geht davon aus, dass tschechische Kunden auch auf der Landstraße nach Weiden fahren. "Sie schätzen den Service und die günstigeren Preise", erzählt Turban und beruft sich dabei auf Gespräche mit Kunden.

Am größten dürften die Einbußen mit 20 Millionen Euro im Kreis Cham werden, sollten sich die Prognosen der Studie bewahrheiten. 20 Millionen - dieser Wert entspricht laut IHK dem Jahresumsatz von etwa vier größeren Supermärkten. Außerdem: "Die Verluste im Tourismus und in der Gastronomie sind hier noch nicht mitgerechnet", fügt Helmes an. Vor dem Hintergrund der Studie äußern auch Politiker Kritik an der Maut. Die SPD-Landtagsabgeordnete Anette Karl aus Altenstadt (Kreis Neustadt/WN) stellt fest: "Die Mautpläne sind Gift für den sich bis jetzt positiv entwickelnden bayerisch-böhmischen Handel. Sie belasten den Einzelhandel, die Gastronomie und die Tourismusbetriebe in unserer Grenzregion und damit die Wirtschaft in einem strukturschwachen Gebiet Bayerns überproportional." Das "Eintrittsgeld" für Deutschland sei zudem das Gegenteil von guter Nachbarschaft. Und der Landtagsabgeordnete Joachim Hanisch (Freie Wähler) aus Bruck meint, Seehofers Maut-Starrsinn schade dem Handel vor allem in den Grenzregionen.

Die IHK glaubt nicht, dass die Maut insgesamt 600 Millionen Euro an Einnahmen bringt. "Verrechnet man das mit dem deutschlandweiten Umsatzeinbruch durch ausbleibenden Grenzverkehr, könnte die Maut zum Draufzahlgeschäft werden", prognostiziert Helmes.
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