28.08.2014 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Über 3600 Stellen sind in der Oberpfalz vor Ausbildungsbeginn noch unbesetzt Großbaustelle Lehrlingsmarkt

Die Zahl ist erschreckend hoch: Im Juli waren der Agentur für Arbeit zufolge noch 3661 Lehrstellen in der Oberpfalz unbesetzt, 25 Prozent mehr als zum gleichen Zeitpunkt 2013. Auch zum klassischen Ausbildungsstart am 1. September werden noch viele Firmen ohne die gewünschte Anzahl an Azubis dastehen.

Fabian Schmidt aus Ensdorf ist bereits am Ende des zweiten Lehrjahrs als Mauerer angekommen. Ihm gefällt der Beruf, den er bei einer Amberger Baufirma lernt. Auf dem Ausbildungsmarkt wird es immer schwieriger, Lehrlinge und Betriebe zusammenzubringen. Archivbild: Hartl
von Hanna Gibbs Kontakt Profil

Die Zeiten, in denen die Schulabgänger als Bittsteller vor den Unternehmen standen, sind vorbei. Im Gegenteil: Betriebe müssen sich zunehmend etwas einfallen lassen, um Nachwuchskräfte zu gewinnen.

Chef zahlt Führerschein

Immer häufiger setzen sie dabei auf Lockmittel, beobachtet Christian Kaiser, Abteilungsleiter in der Berufsberatung der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz. Das können leistungsbezogene Geldprämien sein oder auch die Übernahme der Führerscheinkosten.

"Es wird immer wichtiger, das Produkt Ausbildung zu vermarkten." Auch bemühen sich die Firmen zusehends früher um Azubis, wie Ralf Kohl, Bereichsleiter für Berufsbildung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Regensburg für Oberpfalz/Kelheim, berichtet.

So sind in der IHK-Lehrstellenbörse bereits jetzt 500 Angebote für 2015 eingestellt. Neben der demografischen Entwicklung gehen dem dualen Ausbildungssystem auch durch den Trend zur höheren Schulbildung Bewerber verloren, stellen die Wirtschaftskammern fest. Mit dramatischen Folgen für den Oberpfälzer Arbeitsmarkt: So werden dem IHK-Fachkräftemonitor zufolge 2030 etwa 30 000 beruflich qualifizierte Fachkräfte fehlen. Demgegenüber steht eine Lücke von gerade mal 700 akademisch Qualifizierten.

Wie können die Unternehmen die Jugendlichen für eine betriebliche Ausbildung begeistern? Die Kammern raten dazu, in die Offensive zu gehen: Tage der offenen Tür abhalten, Schnupperpraktika anbieten, Kontakt zu Schulen aufnehmen, Ausbildungsmessen besuchen. Nicht zuletzt könnten Firmen mit einem angenehmen Betriebsklima punkten. Schüler und Eltern müssten außerdem über Karriere- und Weiterbildungsmöglichkeiten aufgeklärt werden.

Grundfertigkeiten fehlen

Auch wenn nur noch die wenigsten Firmen wählerisch sein können: Zufrieden sind sie mit der Qualifizierung der Bewerber längst nicht immer. "Regelmäßig wird von Unternehmen fehlende Ausbildungsreife beklagt. Es fehlen Grundfertigkeiten beim mündlichen und schriftlichen Ausdrucksvermögen und in der Mathematik", sagt Kohl. Auch Beschwerden über fehlende Leistungsbereitschaft und mangelnde Motivation gebe es. 150 bis 200 Lehrstellen würden erfahrungsgemäß gar nicht angetreten, weil sich die Bewerber in letzter Minute für eine andere Firma oder alternative schulische Bildungsgänge entscheiden.

Zusammengerechnet melden IHK und Handwerkskammer 6573 neue Ausbildungsverträge zum 1. September. Das sind 291 weniger als im Vorjahr. Zahlenmäßig die beliebtesten Ausbildungsberufe sind bei den Männern Industriemechaniker, Elektroniker und Kfz-Mechatroniker, bei den Frauen Verkäuferin, Friseurin und der kaufmännische Bereich. HWK-Ausbildungsexperte Kaiser bedauert, dass die Muster bei der Berufswahl häufig noch etwas tradiert seien. "Entscheidend sollten immer die Stärken und Interessen der Bewerber sein."

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