01.08.2014 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Zahnärztin scheitert mit Klage - Dissertation über Leberzellenkrebs von Ehemann kopiert Entzug des Doktor-Titels rechtens

von Autor AHSProfil

Im Kampf um ihren Doktorgrad erlebte die in Göttingen praktizierende Zahnärztin Manal O. am Donnerstag vor dem Verwaltungsgericht Regensburg eine Niederlage: Sie bekommt ihren Titel nicht zurück. Ihre Dissertation "Behandlungsstrategien beim Hepatozellulären Karzinom" war 2006 mit "cum laude" bewertet worden. Zwei Jahre vorher hatte ihr Ehemann ebenfalls über Leberzellenkrebs promoviert. Er geriet dann durch den Organspendeskandal in Regensburg und Göttingen in die Schlagzeilen.

Falsche Selbstanzeige

Gut ein Jahr, nachdem ihr der Doktortitel verliehen worden war, erreichte die Universität Regensburg ein Schreiben mit dem Absender der Klägerin. Darin wollte sie ihren Doktorgrad zurückgeben, um Plagiatsvorwürfen zuvor zu kommen. Zwar entpuppte sich dieses Schreiben als Fälschung, die Uni Regensburg prüfte dennoch die Arbeit.

Obwohl die Zahnärztin bei der Abgabe erklärt hat, dass sie diese selbst verfasst und keine weiteren als die angegebenen Hilfsmittel verwendet hat, konnte die Promotionskommission eine Vielzahl von Übereinstimmungen mit der Dissertation ihres Mannes feststellen, ohne dass sie auf ihn als Quelle hingewiesen hätte. Im Anhörungsverfahren erklärte sie dennoch, dass sie selbst die Daten erhoben und die Arbeit eigenständig verfasst hat. In ihrer "Danksagung" habe sie zudem ihren Ehemann namentlich erwähnt. Im Jahr 2012 wurde ihr schließlich der Titel entzogen.

Vor dem Verwaltungsgericht erschien am Donnerstag die Kläger nicht persönlich, sondern ließ sich durch Rechtsanwältin Eva-Maria Wehebrink (Hannover) vertreten. Mehr als eine Stunde lang zählte der Gerichtsvorsitzende Peter Käser die auffälligen Übereinstimmungen in den beiden Arbeiten auf. Angefangen bei der Einleitung, über die Legenden, bis hin zu Tabellen und Abbildungen gab es einen nahezu wörtlichen Gleichlaut. Selbst bei der Seitenzahl der Arbeiten gab es nur einen Unterschied von einem Blatt. Dementsprechend konzentrierte sich die Anwältin auf die Frage, ob hier tatsächlich eine Täuschung stattgefunden hat. Die Eheleute hatten den gleichen Doktorvater, der noch dazu bekanntermaßen mit der Familie eng verbunden ist. Die beiden eingesetzten Gutachter hatten auch die Arbeit des Ehemannes eineinhalb Jahre vorher überprüft, ohne dass ihnen etwas aufgefallen sei - worauf der Gerichtsvorsitzende konterte: "Auf eine mögliche Kenntnis der Gutachter kommt es nicht an, maßgeblich ist auf die Kommission abzustellen".

Vorgetäuscht

In seiner Begründung, warum er die Klage abwies, erklärte der Vorsitzende deutlich, dass die Ärztin eine eigene wissenschaftliche Arbeit vorgetäuscht habe. Die Universität habe ihren Ermessensspielraum nicht willkürlich oder durch sachfremde Erwägungen verkannt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Klägerin kann noch beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof Antrag auf Zulassung der Berufung stellen.

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