175 Jahre im Dienst der Kunst: Der Kunst- und Gewerbeverein Regensburg feiert ein großes ...
Kreative Reise durch drei Jahrhunderte

Die aktuelle Vorstandschaft des Kunst- und Gewerbevereins Regensburg (von links): Reiner R. Schmidt, Dr. Georg J. Haber und Klaus Caspers. Bild: Wolke
Kultur
Regensburg
26.04.2013
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"Wenn jemand behaupten darf, die kulturelle Entwicklung in dieser Stadt gefördert zu haben, dann der Kunst- und Gewerbeverein." Große Worte von Oberbürgermeister Hans Schaidinger anlässlich eines großen Ereignisses: Der Kunst- und Gewerbeverein Regensburg feiert Jubiläum.

Seit 1847 ist er präsent in der Kulturszene der Stadt. Begangen wird das Jubiläum in drei Akten: mit einer groß angelegten Schau, einem Konzert am Sonntag sowie einem Festakt am 12. Mai. Das ist der Gründungstag des ehemaligen Kunstvereins, der sich 1925 mit dem Gewerbeverein zusammentat.

Der Kunst- und Gewerbeverein wäre nicht er selbst, wenn er auch bei diesem freudigen Anlass die immer und überall schwelenden Kontroversen außer Acht lassen würde. So wies der Vorsitzende Georg J. Haber am Wochenende zuallererst auf Diskussionen im Vorfeld des Jubiläumsfeier hin: Der Verein fühle sich seiner langer Tradition verbunden, wolle aber keinen "traditionsversessenen" Eindruck erwecken.

Düstere Wahrheiten

Was also tun? Dass sich Haber und seine Mitstreiter letztendlich zu einer Schau voller Schlaglichter aus 175 Jahren durchringen konnten, ist so schlecht nicht. Der visuelle Überblick in den vereinseigenen Räumen in der Ludwigstraße vermittelt am besten sowohl Grundidee als auch Geschichte des Vereins: Von Anfang an wollte man der Kunst aus der Region Heimat und Bühne geben.

Zu sehen sind in der Ausstellung Werke zeitgenössischer regionaler Künstler, aber auch aus der Versenkung geholte Werke früherer Generationen. Dazu gehören Arbeiten von Franz Xaver Fuhr (1898-1973) oder Willi Reindl (1889-1943) ebenso wie Bilder von Heiner Riepl oder Biedermeiermöbel aus der Gründungszeit des Kunst- und Gewerbevereins.

Dass der Weg nicht immer einfach war und es noch immer nicht ist, stellen die Vorsitzenden Haber, Klaus Caspers und Reiner R. Schmidt heraus. Da ist der Hinweis auf Konflikte zwischen Kunst und Gewerbe und natürlich auf das dunkelste Kapitel des Vereins: 1941 wurde er gleichgeschaltet. Dokumentiert ist die Phase der NS-Zeit in der Ausstellung auch durch eine Mappe, die Künstler dem damaligen scheidenden Vorsitzenden und Verleger Gustav Bosse zum Abschied schenkten. Es handelt sich dabei um eine Sammlung konservativer Grafiken, die nichts ahnen lassen von den Strömungen der Klassischen Moderne. Bosse dürfte Gefallen daran gefunden haben: Früh schon holte der ehemalige Vorsitzende des Kunst- und Gewerbevereins eine Wanderausstellung nach Regensburg, die schon vor der großen Münchner Schau "entartete Kunst" vor Augen führte.

"Armer Poet" 1839

Von solch verirrten Standpunkten ist der Verein heute freilich weit entfernt. Allerdings auch von hochkarätigen Werken, wie sie in der Anfangszeit nach Regensburg geholt werden konnten: 1839 gab es dort Spitzwegs "Armen Poeten" zu sehen. Die Grundintention des Vereins aber hat sich im Laufe der 175 Jahre erhalten: "Kenntnis und Liebe zur Kunst verbreiten", lautete die Zielsetzung zu Beginn. Heute lautet das Bestreben folgendermaßen: "Wir wollen unser Hauptaugenmerk auch in Zukunft auf die Förderung der regionalen Künstler richten, aber auch über die Grenzen hinaus blicken."

Die Jubiläumsschau "175 Jahre Kunst- und Gewerbeverein Regensburg e. V." ist bis zum 12. Mai in der Ludwigstraße 6 in Regensburg zu sehen. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr. Am 28. April findet um 18 Uhr ein Konzert mit der Gruppe "Passepartout" statt, die Musik aus der Vormärz-Zeit präsentiert.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.kunst-und-gewerbeverein.de
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