03.05.2007 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

"Alfred Kubin und der Böhmerwald": Städtische Galerie Regensburg zeigt Grafiken Schaurig, schön und humoristisch

Die Bilder von Alfred Kubin zu betrachten, macht fast so viel Spaß wie Gruselgeschichten zu lesen. Kichernde Hexen fliegen durch die Luft, Vampire tragen einen Sarg über den Kirchhof, dralle Nixen räkeln sich im Mühlteich. Die Darstellungen des großen Zeichners sind schaurig-schön. Der "Leere Beutel" in Regensburg zeigt nun Grafiken Kubins aus den eigenen Beständen.

"Waldgespenst" von Alfred Kubin. Ebenso wie viele andere Werke des Künstlers ist diese aquarellierte Zeichnung stark vom Eindruck des Böhmerwaldes geprägt. Bild: Wolke
von Susanne WolkeProfil

"Alfred Kubin und der Böhmerwald" lautet der Titel der Ausstellung, die etwa 75 Zeichnungen und Mappenwerke des Künstlers präsentiert. Kubin, der 1877 im böhmischen Leitmeritz geboren wurde, hat den Böhmerwald, "diese düstere und menschenarme Landschaft", stets als die eigentliche Heimat seiner Seele bezeichnet.

"Das grafische Schaffen Kubins war stark geprägt von dessen Beziehung zur Natur, vor allem zum Böhmerwald", sagte Dr. Herbert Schneidler bei der Eröffnung der Ausstellung. Der Leiter der Städtischen Galerie verwies damit auf die Mappenwerke "Stilzel, der Kobold des Böhmerwaldes" (1930) oder "Rauhnacht" (1925). Die sind in Regensburg ebenso zu sehen wie "Die sieben Todsünden" und "Nach Damaskus" sowie einzelne Zeichnungen Kubins.

Es sind beunruhigende Szenerien, die der 1959 verstorbene Künstler hier dargestellt hat: "Unglück über Unglück" heißt eine Zeichnung von 1920. Im Vordergrund ziehen zwei Burschen eine aufgedunsene Wasserleiche aus dem Fluss, im Hintergrund wird ein Sarg aus einem Haus getragen. Was sich dagegen hinter den dicken Mauern der "Angstmühle" verbirgt, kann man nur ahnen. Der Wahnsinnige - oder ist es ein Gehängter? , der sich aus einem Fenster lehnt, verheißt jedenfalls nichts Gutes.

Eine ganze Reihe düster-phantastischer Künstler haben Alfred Kubin beeinflusst: Goya, Max Klinger, aber auch der philosophische Skeptizismus Schopenhauers und Nietzsches sowie die deutschen Romantiker, mit denen Kubin die Vorliebe für dramatische Naturschilderungen teilte. Nicht zu vergessen auch die Literaten, deren Werke Kubin illustrierte: Edgar Allan Poe oder Fjodor Dostojewski gliedern sich mit ihren Schilderungen von Unheil und Wahnsinn perfekt in die Reihe ein.

Doch nicht nur das Dämonische herrscht im Werk Alfred Kubins vor. Wenn hässliche Hexen mit Ballfächer und Sonnenschirmchen kokettieren oder auf zierlichem Teegeschirr picknicken, dann kommt die humoristische Seite Kubins zum Vorschein. Nicht umsonst hat der Zeichner auch für den "Simplicissimus" gearbeitet.

Die Ausstellung "Alfred Kubin und der Böhmerwald" ist ein Beitrag zum Regensburger Jahresthema 2007. "Böhmischer Akzent" lautet dieses - auch in Annäherung an die diesjährige Bayerische Landesausstellung, die sich in Zwiesel der bayerisch-böhmischen Nachbarschaft widmet. "Wir wollen durch Malerei, Literatur und Musik Brücken zwischen den Menschen schlagen", so Kulturreferent Klemens Unger. "Die Kubin-Ausstellung ist hier sicherlich ein erster Höhepunkt."

"Alfred Kubin und der Böhmerwald" ist bis zum 24. Juni in der Städtischen Galerie "Leerer Beutel" in Regensburg zu sehen. Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr, ferner am Pfingstmontag. Info- Telefon 0941/507-2440.

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