"Atmen" am Theater Regensburg
Intellektualität und die biologische Uhr

Robert Herrmanns und Verena Maria Bauer geben ein packend leidenschaftliches jungen Paar. Bild: Christina Iberl
Kultur
Regensburg
06.12.2016
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Soll der Mensch in eine Welt mit selbst verschuldeter Klimaerwärmung und Umweltkatastrophen überhaupt noch Kinder setzen? Für das junge Paar in Duncan Macmillans Zwei-Personen-Stück "Atmen" lautet die Antwort auf diese Frage "Ja".

Der Grund dafür: Die Hormone und die biologische Uhr einer jungen Frau sind einfach stärker als jede intellektuelle Überlegung. Der dreißigjährige Regisseur Jona Manow inszeniert diese Komödie, die 2011 am Washingtoner Studio Theatre uraufgeführt wurde, am Theater Regensburg neu. Herausgekommen ist eine 75-minütige Abendunterhaltung, die einiges Originelles zu bieten hat.

Selfie-Orgien

So arbeitet Manow mit kreativen Abstraktionen und setzt beispielsweise die Sex-Szenen durch Selfie-Orgien oder einen Rundlauf um, bei dem beide Protagonisten ein auf rollen gesetztes Bühnenelement immer schneller drehen. Ein klein wenig Abstraktionsvermögen braucht der Theaterbesucher auch bei Manows meist übergangsloser Umsetzung der im Stück angelegten Zeitsprünge.

Die Schauspieler filmen auf der Bühne und im Off. Für das Publikum wird das Ganze auf einem Monitor übertragen. Die Bewegungsabläufe gestaltet Jonas Manow ideenreich, so dass - trotz der Tatsache, dass hier nur zwei Personen agieren - die Produktion nie Gefahr läuft, das Publikum zu ermüden. Die Kostüme und das unkomplizierte Bühnenbild von Monika Frenz sowie die Videokunst von Christina Iberl komplettieren das Bild auf überzeugende Weise.

Gesangseinlage

Mit viel Leidenschaft setzen Verena Maria Bauer und Robert Herrmanns ihre Figuren um und artikulieren bis in große emotionale Ausbrüche hinein verständlich. Bauer gibt sogar eine Kostprobe ihrer Gesangskunst, die durchaus beeindruckend ist. Die Atmosphäre im kleinen Regensburger Theater am Haidplatz bringt dem Besucher das Bühnengeschehen unmittelbar näher, was der Produktion ebenfalls gut tut.

Insgesamt ist es ein kurzweiliger und unterhaltsamer Abend, der von den Nachwuchskräften des Theaters Regensburg überzeugend gestaltet wird. Deshalb war der anhaltende Applaus am Premierenabend in jeder Hinsicht gerechtfertigt.

Weitere Termine"Atmen" ist an folgenden Tagen, jeweils um 19.30 Uhr im Theater am Haidplatz zu sehen: 7., 9., 10., 12., 14., 15., 17., 19., 21., 22. und 27. Dezember sowie 22., 23., und 24. Januar.
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