Ausstellung im Historischen Museum würdigt Georg Britting zu dessen 50. Todestag
Expressionismus in kleiner Welt am Strom

Hermann Leber aus Nürnberg schuf die Portrait-Büste Georg Brittings. Bild: Wolke
Kultur
Regensburg
09.08.2014
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"Mir genügt es, dass ich immer donaunah gewohnt habe", schrieb Georg Britting über seine Zeit in Regensburg. Um gleich darauf mit einem Augenzwinkern hinzuzufügen: "Aber wer kann das in Regensburg nicht von sich sagen?" Das Leben am Fluss prägte Georg Britting. Auch in seiner späteren Zeit in München suchte er sich ein Quartier nahe der Isarauen.

Herausgeber der "Sichel"

"Die kleine Welt am Strom", der Titel seines wohl bekanntesten Werkes, könnte also auch auf das eigene Leben bezogen werden. Regensburg dankt ihm seinen oft in schillerndem Colorit dargebotenen Lokalpatriotismus. Anlässlich des 50. Todestages Brittings am 27. April 1964 würdigt das Historische Museum den Schriftsteller mit einer Sonderausstellung.

Fotos, Manuskripte, Portraits und Dinge aus seinem persönlichen Besitz erinnern hier an den Sohn Regensburgs, der am 17. Februar 1891 in der Altstadt geboren wurde. Einer der beiden Räume soll dauerhaft im Historischen Museum bleiben.

Gemälde und Holzschnitte behandeln auch einen Wegbegleiter Brittings, der mit ihm gemeinsam ein weiteres bleibendes Vermächtnis schuf: Josef Achmann war ein Regensburger Künstler und gemeinsam mit Britting der Herausgeber der Zeitschrift "Die Sichel".

Das Hinzuziehen junger Literaten und Künstler aus ganz Deutschland hob die Zeitschrift aus dem Bereich des Lokalen heraus. Inmitten der "kleinen Welt am Strom", die Britting 1933 nachträglich als ländliche Metropole mit bunt-derbem Treiben charakterisierte, war die Atmosphäre jedoch wohl nicht nur liebenswert sondern auch kleingeistig. Jedenfalls wurde "Die Sichel" 1921 eingestellt. Grund dafür waren wohl schlechte Verkaufszahlen. Achmanns Gemälde "Die Brennsuppenesser" erinnert an diesen Versuch expressionistischen Aufbegehrens in Regensburg.

Einigermaßen verwunderlich angesichts solch avantgardistischer Ambitionen erscheint der Blick auf das sonstige Werk Brittings. Texttafeln in der Regensburger Gedächtnisausstellung geben Einblicke in Leben und Schaffen des Schriftstellers. Im Ersten Weltkrieg schrieb Britting etwa naiv-sentimentale Texte. Zum Bayerischen Ministerpräsidenten erschien er 1961 jedoch mit dem Eisernen Kreuz am Revers. "Schon um manchen Pazifisten zu ärgern."

Liebe zu Regensburg

Auf seine Heimatstadt Regensburg ließ Georg Britting nichts kommen. Haidplatz, Dom und Rathaus erscheinen bei ihm in schillernden Farben und gleißendem Sonnenlicht. Die theatralische Neigung des Schriftstellers, der nicht umsonst auch als Autor von Theaterstücken Erfolge feierte, kommt hier voll zum Zuge. "Mir genügt es, dass ich donaunah gewohnt habe" - die Aussage fasst Leben und Werk Brittings in wenigen Worten zusammen.

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Die Ausstellung über Georg Britting ist zu sehen im Historischen Museum (Dachauplatz 2-4). Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und Feiertag, 10 bis 16 Uhr. Infos unter Telefon 0941/5072448.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.regensburg.de/Kultur/Museen
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