03.02.2017 - 16:18 Uhr
RegensburgOberpfalz

Ausstellung im Naturkundemuseum Wassergeister und Baumhexen

Oftmals begegnen sie dem Spaziergänger im Wald: Geheimnisvolle Fratzen, die aus den knorrigen Ästen alter Bäume hervorlugen oder märchenhafte Gestalten aus Steinen und Moos. Die Natur bringt vielerlei stille Gestalten hervor. Ursula Roth entdeckt dabei noch viel mehr als der normale Wanderer.

Ein temporäres Kunstwerk ist dieser eisige Elfenschuh, den Ursula Roth im Bild gefangen hat. Repros: Wolke (5)
von Susanne WolkeProfil

Wenn die Naturfotografin sich durch Büsche schlägt oder über den Waldboden robbt, ist sie Auge in Auge mit "Moosweiberln", "Bayerwalddrachen" und "Kieseldackeln". Solche Namen gibt Ursula Roth den stillen Gestalten, die sie regelmäßig aufstöbert. Längst beschränkt sich Regensburger Künstlerin, die sich nicht richtig entscheiden kann, ob sie nun Malerin oder Fotografin ist, nicht mehr auf die Abbildung reiner Tier- und Pflanzenansichten.

Ähnlich geht es Barbara Heilmann und Gottlieb Häckel. "Sieht man zu den Wolken am Himmel, lässt die Fantasie dort Menschen, Tiere und andere Gestalten erkennen", erklärt das ebenfalls fotografierende Paar. "Waldgeister und Steingesichter würde man ebenso finden. Man nimmt sich leider zu selten die Zeit dafür."

Verborgene Wesen

Die aktuelle Ausstellung im Naturkundemuseum Ostbayern in Regensburg macht nun den Blick frei für die verborgenen Wesen des Waldes. "Waldgeister - Wolkenbilder - Steingesichter" lautet der Titel der Schau. Ursula Roth, Barbara Heilmann und Gottlieb Häckel zeigen hier die Ausbeute ihrer ausgedehnten Wanderungen durch Wald und Flur.

Der Titel der Schau sagt es schon: Der Fokus liegt auf einer geheimnisvollen Zwischenwelt. Was der Vorbeigehende vielleicht nicht erkennt, wird hier durch den Blickwinkel der Kamera sichtbar gemacht: Ein "Baumwipfel Seepferd" blickt vom Ast herab, das "Krokodil vom Eselweiher" döst im Wasser, es gibt Indianer, Geister und Raben aus Holz und Stein, einem unehrlichen Baum ist eine Pinocchio-Nase gewachsen.

"Wir sehen die Welt aus ungewöhnlichsten Perspektiven", erklären Barbara Heilmann und Gottlieb Häckel. "Dabei entdecken wir oft genug Waldgeister, Steingesichter und Wurzelgnome, die plötzlich scheinbar aus dem Nichts auftauchen."

Aus einer anderen Welt

Von den beiden Fotografen aufs Bild gebannt, wirken diese Gestalten wie die Vertreter einer anderen Welt. Einer Welt, die irgendwo steht zwischen den gutmütigen Wurzelgesichtern des Kinderbuchautors Fritz Baumgarten und den Verfilmungen von Tolkiens "Herr der Ringe".

"Bei meinen Exkursionen bleibt es nicht aus, dass man auf Gestalten trifft, die das ,normale' Auge nicht wahrnimmt", sagt auch Ursula Roth. Oft sei das aber nur für einen kurzen Augenblick. Diese flüchtigen Schatten einzufangen ist die Leidenschaft der Fotografin, der es vor allem die kleinen, verstecken Dinge der Natur angetan haben.

Den Wald- und Wiesenwesen eine Ausstellung zu widmen ist eine gemeinsame Idee der drei Fotografen. Mit im Boot ist in Regensburg noch Lisa Weichart. Die Regensburger Schriftstellerin hat die Auswahl der Fotografien durch geistreiche Texte ergänzt.

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