05.09.2014 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Ausstellung Peter Dorns öffnet Blick fürs Unscheinbare Wert der Bodenleiste

Zu Beginn der Ausstellung begrüßt Peter Dorn den Besucher mit einer Installation aus Ausstellungsflyern. Bild: Wolke
von Susanne WolkeProfil

Wenn Andy Warhol Pop Art schuf, so setzt Peter Dorn noch eins drauf. Marilyn Monroe erscheint bei dem Regensburger Künstler auch. Und zwar im Sinne der doppelten Populärkultur: Die Schauspielerin lächelt von Plastiktüten herab, eingefügt in einen Leuchtkasten. Er habe sich frei von kunsthistorischen Stilbegriffen entwickelt, schreibt Herbert Schneidler anlässlich einer großen Retrospektive Peter Dorns im Historischen Museum Regenburg über den Künstler. Und es stimmt: Ihn nur auf die Pop Art zu reduzieren, trifft wohl nicht den Kern.

Stücke aus dem Alltag

"Auf der Spur des unscheinbar Alltäglichen" - der Titel der Regensburger Ausstellung kommt der Sache näher. Denn genau das tut Peter Dorn: Er begibt sich auf die Suche nach Fundstücken im Alltag. Ob Plastiktüten, Zeitungsausschnitte, Sockelleisten, Kratzer auf Metallplatten oder schlicht und einfach Linien: Dem wachsamen Blick des Künstlers entgeht nichts, was nicht aus seiner Unscheinbarkeit herausgehoben und zum ästhetischen Gebilde umgeformt werden kann.

Die Hinwendung zum Alltags- und Gebrauchsgegenstand lässt sich mit dem Werdegang des 1938 im tschechischen Aussig geborenen Peter Dorn erklären. 1955 kam Dorn nach Regensburg und absolvierte zunächst eine Ausbildung in einem Werbeatelier. Von 1960 bis 1963 folgte ein Studium der angewandten Grafik an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Dennoch ließen seine Wurzen den Künstler nicht mehr los.

Der Blick auf das Alltägliche kennzeichnet mehr als 50 Jahre Schaffen, die das Historische Museum nun Revue passieren lässt. Die Ausstellung entstand anlässlich der Verleihung des Kulturförderpreises der Stadt an Peter Dorn. Sie zeigt unterschiedliche Stationen eines vielseitigen und niemals stagnierenden Werkes. Angefangen bei frühen Holzschnittfolgen bis hin zum raumfüllenden Objekt "Linea" aus Holzleisten: Die Arbeiten Peter Dorns springen zwischen Grafik und Skulptur, zwischen bildender Kunst und der Verwertung ungewöhnlicher Materialien. Buchstaben aus der "Ostsee Zeitung" fügen sich in seinen Collagen zu grafischen Mustern. Abgerissene Kalenderblätter ergeben elegante Papierreliefs.

Kunst und Leben

Dass der Künstler bei häufigen Paris-Besuchen in den 1960er Jahren in Kontakt kam mit dem "Nouveau Réalisme", verwundert nicht. Die enge Verbindung von Kunst und Leben, die hier durch neue Materialien und Fundgegenstände geschaffen werden sollte, klingt wie das Motto Peter Dorns. "Auf der Spur des unscheinbar Alltäglichen" lautet der Titel der Ausstellung. Unscheinbar sind die Arbeiten Peter Dorns nicht. Aber sie drängen sich auch nicht auf. In edler Zurückhaltung - und übrigens ganz ohne die der Pop Art häufig zu eigene Grelligkeit - führt der Künstler durch seine Sichtweise der Welt. Und öffnet dabei den Blick für das scheinbar Unscheinbare.

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Die Ausstellung ist bis 12. Oktober im Historischen Museum in Regensburg zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 bis 16 Uhr.

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