Ausstellung Susu Gorth
Wolkenschloss und Kunst zum Träumen

Das Wolkenschloss ist der Blickfang in der Ausstellung Susu Gorths. Die Arbeiten der Münchener Künstlerin werden im Kunst- und Gewerbeverein Regensburg denen der Zinngießerfamilie Wiedamann gegenübergestellt. Bild: Wolke
Kultur
Regensburg
13.12.2016
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Als der Kunst- und Gewerbeverein unlängst eine etwas bieder klingende Ausstellung über Zinngießerei eröffnete, hatte er noch einen Trumpf in der Hinterhand. Eine Woche später lud man zu einer weiteren Vernissage: Susu Gorth, eine moderne Bildhauerin, die dieser Bezeichnung alle Ehre macht.

Für die Kuratoren des Kunst- und Gewerbevereins ist es eine bewusste Gegenüberstellung. Die beiden Ausstellungen, die in aneinander grenzenden Räumen zu sehen sind, gehören quasi zusammen. Einerseits die, wenn auch der Tradition verpflichteten, so doch mitunter sehr innovativen Produkte der traditionellen Regensburger Zinngießerfamilie Wiedamann. Andererseits die großformatigen Arbeiten von Susu Gorth. Auch der Tradition verpflichtet. Und auch sehr innovativ.

Elemente des Jugendstils

"Es geht uns darum, den Gegensatz zu zeigen", erklärt Klaus Caspers. Der zweite Vorsitzende des Kunst- und Gewerbevereins meint damit zwei künstlerische Positionen mit einem Abstand von gut 100 Jahren: hochwertiges Kunsthandwerk, teils mit Elementen des Jugendstils. Und eine Künstlerin aus dem 21. Jahrhundert. Der Clou an der Sache: Susu Gorth gibt sich in ihren Arbeiten nicht betont modern. Zumindest nicht im Sinne von Stahl, Beton und Formreduzierung, wie es vielleicht zu erwarten gewesen wäre.

Nein, es ist gerade die offensichtliche Anlehnung der Bildhauerin an Stilrichtungen wie Barock oder Jugendstil, die ihr Werk so bemerkenswert machen. Und zwar in Verbindung mit dem von ihr bevorzugten Material: Die in München lebende Künstlerin arbeitet mit Kunststoff. Auf den ersten Blick zu erkennen ist das nicht. Da wirken die vor allem in Weiß und Gold gehaltenen Skulpturen eher wie überdimensionale Goldschmiedearbeiten. Also filigran, bewegt und von schwungvoller Ästhetik. Der Bruch mit der Tradition liegt darin, dass die Schmuckstücke aus Plastik und Bauschaum gefertigt sind. Dass Gorth ursprünglich aus der Holzbildhauerei kommt, verwundert nicht. Aus der Ferne gesehen könnten ihre barock-bewegten Formen auch aus Holz sein.

Gelungener Übergang

Dabei handelt es sich bei den Objekten um Paradebeispiele zeitgenössischer Kunst. Auch was den Verwendungszweck betrifft. Das auf einer opulenten Wolkenformation thronende Luftschloss etwa, das den Mittelpunkt der Regensburger Ausstellung bildet, ist nicht etwa Bestandteil einer heiteren Heiligenwelt im sakralen Raum. Das gute Stück kommt in einen Münchner Kindergarten. Der Übergang zwischen Tradition und Moderne ist also gelungen. Und zwar sowohl im Werk der Susu Gorth als auch in der Doppelausstellung des Kunst- und Gewerbevereins.

ServiceDie Ausstellung mit Arbeiten von Susu Gorth läuft bis zum 6. Januar im Kunst- und Gewerbeverein (Ludwigstraße 6). Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr. Weitere Infos gibt es unter Telefon 0941/58160.

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Weitere Informationen:

www.kunst-und-gewerbeverein.de
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