31.01.2008 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Bedeutende Neuerwerbung in Regensburg: Chodowiecki-Sammlung im Kunstforum Ostdeutsche Galerie Der populärste Sittenschilderer der Aufklärung

von Susanne WolkeProfil

Regensburg. "Das Kunstforum Ostdeutsche Galerie steht nun in einer Reihe mit den großen grafischen Sammlungen Europas." Dr. Ulrike Lorenz hat Grund zur Freude. Fast über Nacht gelangte das Regensburger Kunstforum in den Besitz einer einzigartigen Sammlung: Mit mehr als 2500 Blättern befindet sich nun ein Großteil des grafischen Werks von Daniel Chodowiecki in der Ostdeutschen Galerie.

Mit Handbibliothek

Hinzu kommen 14 Originalzeichnungen und eine Handbibliothek Chodowieckis. Der 1726 in Danzig geborene und 1801 in Berlin gestorbene Künstler gilt als der populärste Grafiker und Sittenschilderer der Aufklärung.

Zu verdanken hat das Kunstforum diesen Ankauf dem Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen. Von dort aus wurde die gesamte Kaufsumme von 150 000 Euro zur Verfügung gestellt. "Diese Chance war einmalig", äußerte sich Ministerialdirigent Medardus Huemer bei der Übergabe der Neuerwerbung an das Kunstforum. Die Sammlung stammt aus dem Besitz des Hannoverer Grafikforschers und Chodowiecki-Experten Jens-Heiner Bauer. Zusammengetragen wurde sie aber größtenteils schon zu Lebzeiten des Künstlers von Burggraf Willhelm zu Dohna-Schlobitten.
"Gerade seine druckgrafischen Werke machten Chodowiecki weltberühmt", hob Dr. Roman Zieglgänsberger die Bedeutsamkeit der Sammlung hervor. "Chodowiecki ist ein Grenzgänger", fuhr der Leiter der Grafischen Sammlung des Kunstforums fort. Die meist kleinformatigen Werke des Grafikers stehen zwischen dem Rokoko des 18. und dem Biedermeier des 19. Jahrhunderts. "Die wichtigsten Themen Chodowieckis waren die Bürgerlichkeit und die Familie", so Zieglgänsberger. Der Geist der Aufklärung ist spürbar bei den Landschaften und den Darstellungen vom Berliner Stadtleben.

"Den trockenen Klassizismus überging er aber", sagte Zieglgänsberger über den Künstler. "Bei jedem Blatt kann man schmunzeln." So etwa auch bei dem detailreichen Stich "Verbesserung der Sitten". Ein zweifelhafter Marktschreier klärt dort das staunende Volk über anständiges Benehmen beim Picknick, beim Ball oder bei der Schlittenfahrt auf. Während er auf eine Tafel voller entsprechender Abbildungen deutet, stürzt im Hintergrund ein Flugversuch ab.
Vor allem sein Lebensweg macht den gebürtigen Ostpreußen Chodowiecki interessant für das Kunstforum Ostdeutsche Galerie. "Mit der Erwerbung der kompletten Chodowiecki-Sammlung wurde ein maßgeblicher Beitrag zur Bewahrung und Erforschung ostdeutscher Geisteskultur geleistet", begründete Leitender Ministerialrat Dr. Walter Rösner-Kraus den sensationellen Kauf.

Wissenschaftliche Arbeit

Das grafische Werk Chodowieckis soll in Regensburg wissenschaftlich erforscht werden. Eine Auswahl von Zeichnungen und Radierungen wird an zwei Terminen der Öffentlichkeit präsentiert: Am 14. und am 21. Februar um jeweils 18 Uhr führt Roman Zieglgänsberger durch eine eigens eingerichtete Kabinettausstellung. Eine umfassende Ausstellung der Grafiken Chodowieckis ist zum 40-jährigen Jubiläum des Kunstforums 2010 geplant.

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