09.02.2007 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Begehbare Installation des polnischen Künstlers Christian Tomaszewski in der Ostdeutschen ... Düstere Welt voller Nachttischlampen

von Susanne WolkeProfil

Der erste Eindruck ist beklemmend: Wände mit schiefen Winkeln und Zacken scheinen den Raum zu zersplittern. Im schummrigen Zwielicht flackern grelle Farben auf: Leuchtbuchstaben und Nachttischlampen. "Eine Höhle" nennt der polnische Künstler Christian Tomaszewski seine begehbare Installation, die vom 26. Januar bis zum 18. März in der Ostdeutschen Galerie zu sehen ist.

"On Chapels, Caves and Erotic Misery" lautet der genaue Titel - "Über Kapellen, Höhlen und erotisches Elend". Eine beklemmende Wirkung - das ist es wohl auch, was der in New York lebende Künstler erreichen will. Denn beklemmend ist auch der Kultfilm "Blue Velvet" von David Lynch.

Reflektion David Lynch

Und der war es vor allem, der Christian Tomaszewski zu seiner Installation angeregt hat. Es ist das "zutiefst nostalgische und idyllische, aber auch verlogene Amerika, bei dem immer auch Verschiebungen ins Surreale möglich sind", was Tomaszewski an David Lynchs Werk fasziniert. In seiner Arbeit "On Chapels, Caves and Erotic Misery" reflektiert der Künstler den Film des US-Regisseurs.

Doch Tomaszewski präsentiert seine "Bilder" nicht nacheinander, wie dies im Film zwangsläufig der Fall ist. Er erzählt die Handlung auch nicht nach. Tomaszewski zeigt lediglich Fragmente aus "Blue Velvet" - und zwar simultan: Lampen, die er nach dem Vorbild des Films hergestellt hat, ganze Zimmereinrichtungen in Miniaturformat - inklusive Blutfleck auf dem Teppichboden, aber auch wörtliche Zitate in Form von Buchstaben. Alles ist gleichzeitig zu sehen und regelrecht ineinander gestapelt. Der Besucher kann die teils kleinteiligen Elemente beim Herumwandeln innerhalb dieser monumentalen Skulptur schrittweise selbst entdecken. Denn Tomaszewskis Installation muss betreten werden, um sie zu besichtigen. Mit dieser Form der begehbaren Skulptur greift der Pole die Idee des russischen Konzeptkünstlers Ilya Kabakov auf, bei dem er einige Jahre als Assistent gearbeitet hat.

Von Kabakov stammt der Begriff der "totalen Installation", die den Besucher völlig einschließen soll. Eine künstliche Parallelwelt ist es auch, die Tomaszewski mit seiner surreal wirkenden Installation errichten will. Der polnische Künstler spielt damit auf den Dadaisten Kurt Schwitters an. Unter dem Titel "Merzbau" wandelte dieser sein Haus zu einer begehbaren Skulptur um - zu einer Scheinwirklichkeit, die einen völlig autonomen Gegenpol zur Außenwelt darstellte.

Regensburg ist nicht die einzige Station von Tomaszewskis Arbeit. "On Chapels, Caves and Erotic Misery" wurde vergangenes Jahr in den Kunstsammlungen Chemnitz gezeigt und wandert noch heuer nach New York. Dabei verändert sich die größtenteils aus Pappkarton bestehende Rauminstallation von Ort zu Ort. Eine Besonderheit in Regensburg ist ein Film, in dem Tomaszewski Regensburger Schauspieler Sequenzen aus "Blue Velvet" nachspielen ließ.

Jung und international

Die Installation des 1971 im polnischen Gdansk geborenen Tomaszewski bildet den Auftakt eines neuen Ausstellungsformats in der Ostdeutschen Galerie. "LABOR" heißt das Projekt, das ein Forum für junge internationale Kunst bieten soll. Angestrebt sind drei Ausstellungen im Jahr. Die Installation "On Chapels, Caves and Erotic Misery" ist bis 18. März im Kunstforum Ostdeutsche Galerie in Regensburg zu sehen.

Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr. Informationen unter Telefon 0941/29714-0. Am 22. Februar und am 15. März finden um 19 Uhr Kurzführungen statt. Bei der Eröffnung am 25. Januar kann die Installation, zu der fünf Personen Zutritt haben, ab 19 Uhr besichtigt werden.

Weitere Informationen:

www.kunstforum.net

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