17.01.2007 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Bernard Ott aus Sulzbach-Rosenberg leitet seit elf Jahren den Malsaal der Regensburger Theater "Abwechslungsreich, aber stressig"

von Susanne WolkeProfil

Im Malsaal der Regensburger Theater herrscht reges Treiben. Arbeiter tragen rot lackierte Stellwände und mannshohe goldene Kelche ins Treppenhaus. Auf dem Boden liegt eine raumfüllende bemalte Leinwand für den Abtransport bereit.

Vor der breiten Fensterfront steht Bernhard Ott zwischen Farbkübeln und wirft einen letzten prüfenden Blick auf die Bühnenausstattung der aktuellen Operetteninszenierung. "Alles, was wir die letzten Wochen gemacht haben, kommt heute auf die Theaterbühne." Ott fährt sich über den mit bunten Farbklecksen übersäten Malerkittel und atmet erst einmal tief durch.

"Wir arbeiten unter einem wahnsinnig großen Zeitdruck", fährt er dann fort. "Zu bestimmten Terminen müssen wir einfach fertig werden, egal, wie." "Wir", das sind Bernhard Ott und sein Team aus drei Malern und einer Malerin.

Falscher Marmor

In einem ehemaligen Betriebsgebäude der REWAG stellen sie die Bühnenbilder für die Theater der Stadt her. Ott arbeitet hier seit 19 Jahren. Nachdem der Sulzbach-Rosenberger in Regensburg Kunsterziehung studiert hatte, war er zunächst für freie Theater tätig und kam dann an die Regensburger Bühnen. Seit elf Jahren ist er Leiter des Malsaals. "Zu den Werkstätten gehören auch eine Schreinerei, eine Schlosserei und eine Tapeziererei", ergänzt Ott.

"Die Kulissen werden erst von der Schreinerei hergestellt und dann von uns behandelt." Der 48-Jährige deutet auf eine Kopie von Michelangelos "David", die an der Wand lehnt. Die marmorn bemalte Sperrholzfigur ist ein Gemeinschaftsprojekt der Schreinerei und des Malsaals. Im Imitieren von Marmor haben Ott und seine Leute mittlerweile Übung. "Für die Oper ,Otello' haben wir zum Beispiel 300 Quadratmeter Marmor bemalt."

Ott grinst und schiebt sich die Schildmütze aus dem Gesicht. "Wir müssen halt alles machen." Generell schätzt Ott an seiner Arbeit aber die Abwechslung. "Es ist nie das Gleiche", sagt er. "Es sind immer neue Anforderungen da, und man muss sich immer neue Lösungen einfallen lassen." Patentrezepte gebe es nämlich nicht. Ott geht in das Büro direkt neben dem Malsaal und nimmt einen Stapel Blätter vom Tisch.

"Unsere Aufgabe ist es, die Skizzen und Baupläne des Bühnenbildners zu verwirklichen", erklärt der Maler, während er die bunten Seiten durchblättert - Entwürfe für die verschiedenen Akte der "Blauen Maske". "Hier ist zum Beispiel das Schloss." Ott hält ein Bild von einem dunklen Gebäude vor leuchtend rotem Hintergrund hoch. Es gleicht exakt dem auf der riesigen Leinwand draußen im Saal. "Wir mussten die Vorlage maßstabsgetreu vergrößern", berichtet der Maler.

Aufwändig und verspielt

Was die Art der Bühnenbilder betrifft, hat Ott keine besonderen Vorlieben. Manches würde er zwar schon anders machen, gibt er zu. Aber grundsätzlich bevorzuge er weder modern noch opulent: "Ich mag beides - beides kann aber auch in die Hose gehen", meint er. Das schönste Bühnenbild war für ihn das der Barockoper "Alcina" vor fünf Jahren: "Das war sehr aufwändig, gleichzeitig aber auch sehr verspielt."

Mittlerweile ist der Raum nebenan fast ausgeräumt. Am Theater können nun bald die Beleuchtungsproben mit der fertigen Kulisse beginnen. Und im Malsaal ist wieder Platz für ein neues Projekt. Der Terminkalender an der Türe erinnert an die nächste Premiere. Etwa drei Wochen Produktionszeit sind in den Theaterwerkstätten für jedes Stück vorgesehen. Im Malsaal wird morgen wieder ein reges Treiben beginnen.

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