15.11.2017 - 16:48 Uhr
RegensburgOberpfalz

Bestsellerautor und Papstberater am Freitag zu Gast an der OTH Regensburg Herr Lütz sucht das Glück

Manfred Lütz und 7,55 Milliarden Wege zum Glück: Der Bonner Psychiater und Bestsellerautor („Wie Sie unvermeidlich glücklich werden“) ist Vatikanberater und Leiter das Alexianer-Krankenhauses in Köln. Und trotzdem findet der 63-Jährige die Zeit, sich kabarettistisch mit der Glückssucht und der Ratgeber-Epidemie auseinanderzusetzen – am Freitag, 19.30 Uhr, im Hörsaal S051 in der Regensburger Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH). Ein Glücksinterview.

Sieht schon ziemlich glücklich aus: der Glücks-Lütz aus Bonn. Bild: exb
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Herr Lütz, wo verbreiten Sie gerade Glück?

Lütz: Ich bin gerade als Mitglied der Päpstlichen Akademie für das Leben mit dem Weltärztebund im Vatikan – es geht auch um das Thema Euthanasie. Belastbares Glück kann auch und gerade im Sterben gefunden werden, gewissermaßen der Tod als Würze des Lebens. Unendliches Leben wäre die Hölle. In einem pompejanischen Bordell finden Sie Darstellungen von Todesszenen, soll heißen: Lebe bewusst und intensiv.

Sie mokieren sich in Ihrem Anti-Ratgeber zum Glück über die Ratgeber-Literatur. Inwieweit unterscheidet sich Ihr ironischer Titel „Wie Sie unvermeidlich glücklich werden“ grundlegend von anderen?

Lütz: Ich warne vor all den Glücksratgebern, weil da irgendein Autor beschreibt, wie er persönlich glücklich wurde und den Leser dann traurig zurücklässt – weil der nun mal leider nicht der Autor ist. Und dann kann er gleich das nächste Glücksbuch kaufen. Diese ganze Glücksindustrie funktioniert ja nur, weil sie nicht funktioniert. Wenn ein Glücksbuch alle Leute definitiv glücklich machen würde, wäre ja nichts mehr zu verdienen, kein Glücksbuch, kein Glücktee, kein Glücksseminar wären dann noch zu verkaufen. In Wahrheit gibt es so viele Wege zum Glück wie es Menschen gibt, Glück ist etwas Höchstpersönliches.

Eine Anleitung kann das dann aber nicht sein?

Lütz: Natürlich nicht. Ich zeige in dem Buch und auch im Vortrag die ganz unterschiedlichen Wege, die die gescheitesten Menschen der Welt, die Philosophen, zum Glück gefunden haben. Jeder kann dann selber aussuchen, was für ihn passt. Sokrates ging einfach auf den Markt, hat mit den Menschen geredet nach dem Motto: „Erkenne dich selbst.“ Darum geht es mir, allerdings auf eine humoristische Art. Ich hoffe, dass die Oberpfälzer Humor haben.

Ein Unglück sei die Sucht, schreiben Sie. Warum, denken Sie, ist der Mensch so anfällig für alle Formen von psychischen und physischen Abhängigkeiten – ist im Umkehrschluss der bedürfnislose Buddha der wirklich glückliche Mensch – das stelle ich mir arg spartanisch vor … Lütz: Da haben Sie recht. Buddha kommt bei mir als Gegenbeispiel vor. Tatsächlich ist jede Sucht eine – krankhafte – Suche nach Glück. Entscheidend ist die Frage: Wie kann man die Sucht beenden, wie kann man seine eigenen Ressourcen wieder in den Blick bekommen, was kann man tun, anstatt zu trinken...Und auch darüber geht der Vortrag.

Glück, meint Goethe, könne man sich erarbeiten – und das traut der eitle Hofrat natürlich am ehesten sich selbst zu. Die Selbstoptimierung von Seele und Körper mittels Yoga – der verletzte Pfau –, Iron Man auf Hawaii oder Himalaya für Manager ist eine Sackgasse?

Lütz: Das Schlimme an der Selbstoptimierung ist ja, dass man sich immer mit anderen Menschen vergleicht, die andere Fähigkeiten haben als man selbst. Diese Casting-Mentalität macht unglücklich, ist aber für diejenigen, die das anbieten, höchst lukrativ. Viel besser ist es, seine eigenen Fähigkeiten zu entdecken und das zu tun, was man gut kann oder was einen schon einmal früher glücklich gemacht hat.
Sie variieren den Glücksbegriff mit verschiedenen Konnotationen der Alltagssprache: Duselbauer, Glückspilz, Glücksritter usw. Klar, Glück ist kein fester Stoff, könnte ja auch nur in einer determinierten Welt halbwegs haltbar sein, bei der nicht aus heiterem Himmel die Krebsdiagnose, das Mobbing, der Betrug, die Niederlage des Lieblingsvereins hereinschneit. Sie zitieren deshalb auch Mutter Teresas Glück des Moments. Kein Zufall, nehme ich an, dass paradoxerweise Glück in Armenvierteln häufiger zu finden ist als in Palästen?

Lütz: Damit sind wir beim Kern des Buches, denn der Titel hat auch einen ernsten Aspekt. Der Philosoph Karl Jaspers hat gesagt, die Grenzsituationen menschlichen Lebens, Leid, Schuld, Kampf und Tod sind unvermeidlich im Leben jedes Menschen. Wenn man also zeigen könnte, wie man in diesen unvermeidlichen Situationen glücklich sein kann, kann man unvermeidlich glücklich werden. Und tatsächlich: Müsste man befürchten, in einer Krisensituation ins Nichts zu fallen, kann man schon heute nicht wirklich glücklich sein. Denn das kann ja jederzeit eintreten – das ist das ernsthafte Ende eines unterhaltsamen Vortrags, den ich auch im bekanntesten Kölner im Kabarett halte.

Herr Lütz, wie glücklich sind Sie und wie glücklich machen Sie Ihre Familie, falls man andere glücklich machen kann?

Lütz: Jemand, der sich dauernd fragt, ob er gerade glücklich ist, ist ganz sicher unglücklich. Und in Momenten höchsten Glücks ist Glück gar kein Thema, das Wort kommt dann im Gehirn gar nicht vor. Unser Dorf im Rheinland ist glücklicher, seit wir Flüchtlinge haben, denn viele Menschen, die nur alleine für sich ihre Rente verzehrten, geben jetzt Deutsch-Kurse, begleiten Flüchtlinge zum Arzt und zu Behörden. Menschen in Not zu helfen, erlebt man als zutiefst sinnvoll. Und wenn man etwas zutiefst Sinnvolles tut, macht das glücklich. Aber während diese Menschen das tun, kommt das Wort bei ihnen gar nicht vor.

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