03.05.2018 - 16:34 Uhr
RegensburgOberpfalz

Bilder homosexueller Künstler im KZ Flossenbürg Kunst, um die Gräuel zu überleben

Von Susanne Wolke

"Solidarität" heißt diese Lithographie von Richard Grune. Sie ist in der Ausstellung "Erinnerung - Bilder homosexueller Künstler im KZ Flossenbürg" im Historischen Museum Regensburg zu sehen. Repro: Wolke
von Susanne WolkeProfil

Regensburg. Lange Zeit wurden sie nicht beachtet: Im Konzentrationslager inhaftierte Künstler, die ihre Berufung nur heimlich und unter Todesgefahr ausüben konnten. Sie liefen Gefahr, in Vergessenheit zu geraten. "Erinnerung" ist daher ein treffender Titel für eine Ausstellung, die derzeit im Historischen Museum Regensburg zu sehen ist.

Die Schau greift einen speziellen Aspekt des Themas Kunst im KZ auf: Mit Richard Grune und Hugo Walleitner werden dort zwei homosexuelle Künstler präsentiert. Rund 20 Druckgrafiken sind in der Ausstellung zu sehen. Sie entstanden direkt nach der Befreiung der Künstler aus dem KZ Flossenbürg. Trotz ihrer Sonderposition stehen die Arbeiten stellvertretend für mehr als 30 Künstlerinnen und Künstler, die im KZ Flossenbürg gefangen waren.

Die Schau im Historischen Museum gliedert sich somit ein in eine Anzahl von Ausstellungen, die seit einiger Zeit durch das Hervorholen wahrhaft dramatischer Arbeiten gegen das Vergessen kämpfen. War in der Regensburger Stadtbücherei etwa im vergangenen Jahr Helga Hosková-Weissová zu sehen, die eine Sonderstellung als Frau einnahm, so geht es hier um eine besonders schikanierte Randgruppe. "Die Homosexuellen standen in der Hierarchie des Lagers ganz unten", heißt es in der Ausstellung im Historischen Museum. "Mit dem 'Rosa Winkel' stigmatisiert, mussten sie oftmals zusätzliche Qualen und besonders perverse Schikanen erleiden."

Ihr eigenes Schicksal binden die beiden in der Ausstellung gezeigten Künstler allerdings ein in das Leiden aller. Richard Grune, dessen Arbeiten einen Großteil der Schau ausmachen, liefert ein Zeugnis von allgegenwärtiger Demütigung, Erniedrigung und Ermordung. Leichenberge, überquellende Krematorien, Gehängte am Galgen: Die schwarz-weißen Lithographien Grunes sind schonungslos. Klar und deutlich zeigen sie, was damals passiert ist. Und wie wichtig es ist, die Erinnerung daran aufrecht zu erhalten.

Auch Zeugnisse der Solidarität sind Thema der Bilder. Manche Darstellungen sind an die christliche Ikonographie angelehnt: Einzelne Bilder erinnern an den gekreuzigten Christus oder an die Kreuzabnahme. Das ist der künstlerische Aspekt der Arbeiten. Richard Grune, der 1903 in Flensburg geboren wurde und 1983 in Kiel starb, hatte am Bauhaus bei Kandinsky, Klee, Schlemmer und Feininger studiert. Durch seine Fähigkeiten brachte er das Erlebte auf gebührend eindringliche Weise aufs Papier. Dass die Bilder nun Beachtung finden, ist längst an der Zeit.

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Die Ausstellung läuft bis Sonntag, 6. Mai, im Historischen Museum, Dachauplatz 2-4 in Regensburg. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr. Infos: Telefon 0941/ 507-2448 oder unter www.regensburg.de/Kultur/Museen.

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