"Bittersüße Zeiten" im Leeren Beutel
Zwischen Lust und Memento Mori

Inhaltlich verwandte Themen des Barock und der Gegenwart hängen in der Ausstellung "Bittersüße Zeiten" nebeneinander. Repro. Wolke
Kultur
Regensburg
13.12.2016
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Menschenbild, Memento Mori, Sex und Liebe oder Vergnügen und Absturz heißen die Themengebiete der Ausstellung "Bittersüße Zeiten" im Leeren Beutel. Werke aus der "SØR Rusche Sammlung" zeigen Unterschiede zwischen Barock und Gegenwart auf.

"Bittersüße Zeiten" - Wer bei dieser Aussage an dunkle Schokolade denkt, der ist schon nahe dran an einer hedonistischen Lebensauffassung, die der Menschheit seit Jahrhunderten innewohnt. Und das mal mehr, mal weniger. Zu Zeiten des Barock wohl eher mehr, wie die opulenten Kulturzeugnisse dieser Zeit vermuten lassen. Und in der Gegenwart? Wenn es nach Thomas Rusche geht, dann haben die beiden Epochen mehr Gemeinsamkeiten als man denken mag.

Zumindest was die bildende Kunst betrifft - und die ist schließlich ein Spiegel der Gesellschaft. Den Beweis hat Rusche bei seinem Besuch in Regensburg im Gepäck. "Barock und Gegenwart", diese beiden Pole stellt er in einer Schau in der Städtischen Galerie im Leeren Beutel gegenüber.

17. bis 21. Jahrhundert

"Bittersüße Zeiten" heißt der Titel der Ausstellung, die sich aus Exponaten der "SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin" zusammensetzt. Die Wurzeln dieser Sammlung reichen bis ins 19. Jahrhundert. Ihr Geschäftsführer, der Textilunternehmer und Wirtschaftsethiker Thomas Rusche verwaltet in Familientradition die Kunstschätze, deren Schwerpunkt auf der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts und der Kunst des 21. Jahrhunderts liegt. Die in Regensburg gezeigte Schau, die ursprünglich für Stade, Apolda und Aschaffenburg entwickelt wurde, schöpft aus dem mehr als 3000 Werke umfassenden Bestand der Sammlung.

"Sex and Crime", so könnte man den Themenkanon auch umschreiben, der die Kunst des 17. Jahrhunderts ebenso beschäftigte wie heute. Denn eigentlich sei gar kein so großer Unterschied zwischen den drallen Weibern, gefährlichen Liebschaften und Trinkgelagen des Barock und etwa einer Sado-Maso-Darstellung der Gegenwart, die gleich alle drei Punkte in einem Werk abhandelt. Das jedenfalls ist die Einstellung im "Leeren Beutel", wo sich Sammler, Kuratoren und Museumsleitung einig sind: "Der Vergleich zwischen Barock und Gegenwart ist ein fruchtbarer Dialog." Denn: "Im Kern behandeln die Künstler identische Szenen."

Werke in Dialogen

In Form eines Dialoges sind die einzelnen Werke der Schau auch gegenübergestellt. In Themengebiete wie Menschenbild, Memento Mori, Sex und Liebe oder Vergnügen und Absturz eingeteilt, sind jeweils ein Werk des Barock und eine Arbeit der Gegenwart gegenübergestellt. Als Paradebeispiel zweier sowohl inhaltlich als auch optisch ähnlicher Darstellungen kann ein Duo von Frauenportraits gelten. Einerseits das "Porträt einer jungen Dame", das der Niederländer Cornelis von der Voort 1620 bis 1624 malte. Andererseits die Fotocollage "The Splendour Of Myself (Mother, Daughter, Partner) der polnischen Künstlerin Zofia Kulik. Einziger Unterschied der zwei Bilder: All das, was die junge Dame züchtig versteckt, wird bei der modernen Frau offen zur Schau getragen.

Der Voyeurismus ist ein verbindendes Element zwischen Barock und Gegenwart, davon ist Thomas Rusche überzeugt. Das gilt für Zwerge und andere menschliche Kuriositäten ebenso wie für das Selbstportrait der von ihrem Ehemann Jörg Immendorff so schmählich behandelten Künstlerin Oda Jaune. Leben, Lust, aber auch ein beständiges Memento Mori im Hintergrund: Die scheinbar naturgetreu ausgeführten Meisterwerke des 17. Jahrhunderts und die experimentierfreudigen Erzeugnisse der Gegenwart haben mehr miteinander zu tun, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Der Grundtenor ist oft der gleiche: Es geht um bittersüße Zeiten.

Bittersüße ZeitenDie Ausstellung "Bittersüße Zeiten. Barock und Gegenwart in der SØR Rusche Sammlung Oelde/Berlin" läuft bis zum 19. Februar in der Städtischen Galerie im Leeren Beutel, Bertoldstraße 9 in Regensburg. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und an Feiertagen von 10 bis 16 Uhr. Geschlossen ist am 24., 25. und 31. Dezember sowie am 1. Januar. Infos unter Telefon 0941 507-2440.

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Weitere Informationen:

www.regensburg.de/Kultur/Museen
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