12.02.2018 - 20:00 Uhr
Regensburg

CD- Besprechung: Eigenwillige Interpretationen von Klassikern der Rockmusik Schattierungen entfalten

Regensburg/München. Endlich: Lorenz Kellhubers erste Soloveröffentlichung ist nach mehreren Trio-Alben, die der in Berlin lebende Oberpfälzer aus Laaber in den zurückliegenden Jahren herausgebracht hat, erhältlich. Live war der Pianist schon mehrfach als Solist in der Region zu hören. Jedes mal war es ein ästhetischer Genuss, ein Eintauchen in eine Welt voller Farben, komplexer musikalischer Ideen und mäandernder Fantasie.

Der Oberpfälzer Lorenz Kellhuber am Piano. Vor Kurzem erschien sein erstes Solo-Album "Live At The Montreux Jazz Festival". Bild: exb
von Autor MSRProfil

Begeistertes Fachpublikum

Am Flügel lässt der junge Musiker seiner Fantasie freien Lauf. Seine Zuhörer nimmt er mal mit auf leicht flirrende, mal anstrengende und fordernde Exkursionen. Selbst wenig konservative Hörer lassen sich von den abwechslungsreichen Improvisationen, großen Spannungsbögen und perlenden Läufen aus seinen Fingern einwickeln, mitreißen und überzeugen.

Mag bei seinen Konzerten in der Region ein bisschen Lokalpatriotismus mitspielen, beim Auftritt auf dem internationalen Jazz Festival im schweizerischen Montreux vor zwei Jahren besitzt dieser Aspekt keine Bedeutung. Hier tritt der Jungstar als Unbekannter vor Fachpublikum auf. Dennoch ist der Beifall begeistert und durchsetzt mit Bravo-Rufen, wie in Kellhubers Heimat.

Mit seinem musikalisch opulenten freien Vortrag gewinnt er 2014 auf Anhieb den Piano Solo Wettbewerb unter Vorsitz des jamaikanischen Weltstars Monty Alexander in Montreux. Live mitgeschnitten wird sein Auftritt ein Jahr später beim 49. Jazzfestival. In diesem spannenden dreiteiligen Set, das er mit dem eher im klassischen Bereich üblichen "Opus" betitelt, entfaltet er alles an Schattierungen und Stimmungen, was sein reiches Spiel ausmacht. Schlüssig angelegt und mit technischer Brillanz glänzend ausgeführt, entwickelt sein empfindsames Spiel eine enorme Sogwirkung.

Davon wird man fast unwiderstehlich in die Musik hineingezogen. In dieser Hinsicht kann man den jungen Pianisten mit dem sehr viel älteren Keith Jarrett vergleichen. Dessen Spiel entfaltet eine ähnliche Wirkung, auch wenn sich die zwei Könner musikalisch in vielem deutlich unterscheiden.

Musik voller Wärme

Sein fabelhaftes Montreux-Konzert hat Kellhuber, inzwischen Leiter des Regensburger Uni Jazzorchesters, mit eigenwilligen Interpretationen von zwei Klassikern der Rockmusik abgeschlossen. Jimi Hendrix' romantisch-schwärmerisches "Little Wing" vom 67er "Axis"-Album ist ein zum Niederknien feiner Tribut an den großen Gitarristen. Und das bluesige "Can't Find My Way Home", das Steve Winwood erstmals mit der Supergroup "Blind Faith" aufgenommen hat, entfaltet in Kellhubers Version eine solche Wärme und sehnsuchtsvolle Wehmut, dass man gar nicht auf den Gedanken kommt, den Text des Songs zu vermissen.

CD: Lorenz Kellhuber, "Live At The Montreux Jazz Festival" (Blackbird Music), 17,99 Euro.

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Weitere Informationen:

www.lorenzkellhuber.com

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