25.10.2008 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Comic-Ausstellung im Regensburger Kunstverein GRAZ Nebels Eisenbahnblues

von Susanne WolkeProfil

Ein Kleinbürger mit altmodischem Namen und "mitteleuropäischem Gesicht" macht derzeit Karriere in Tschechien und darüber hinaus: Rund um Alois Nebel sind mittlerweile nicht nur Comics entstanden sondern auch ein Theaterstück, eine Band und bald auch ein Film. Dass es sich bei dem Eisenbahner mit dem Schautzer und der dicken Brille um eine fiktive Figur handelt, kann leicht übersehen werden.

Nächster Halt: New York

So auch bei der Ausstellung im Kunstverein GRAZ. "Alois Nebel - My Life" heißt die Schau, die in Regensburg zu sehen ist, bevor sie nach New York weiterreist. Gleich zu Beginn wird der 1948 im heutigen Jesenik geborene "Halbtscheche und Halbdeutsche" Alois Nebel als Person vorgestellt. Erst der zweite Teil der Ausstellung entlarvt Nebel als das, was er eigentlich ist: eine Comicfigur, festgehalten in dicken schwarzen Filzstiftstrichen. "Ein schwarz-weißer Eisenbahnblues aus dem Sudetenland" lautet der Untertitel der Schau. Der Schriftsteller Jaroslav Rudis und der Rocksänger und Zeichner Jaromir 99, beide aus dem Sudetenland stammend, haben die Figur des Alois Nebel ins Leben gerufen. 2006 erschien eine Comictrilogie mit den Erlebnissen des kleinen Bahnangestellten.
Die sind im Großen und Ganzen zwar wenig spektakulär: Nebel arbeitet als Fahrdienstleiter auf einem kleinen Bahnhof im ehemaligen Sudetenland. Er sammelt Fahrpläne, trinkt Bier und raucht. Doch ab und zu sieht er Dinge im Nebel, die andere Leute nicht sehen: Züge, denen pöbelnde Nazis, marschierende Russen oder protestierende tschechische Jugendliche entsteigen. Züge aus den Jahren um 1945 und 1968. Später wird Alois Nebel selbst abtransportiert. In die Irrenanstalt.

Kraftvolle Grafiken

Reales und Fiktives, Erlebtes und Erinnerung mischen sich in den Comics. "Mit Hilfe von Alois Nebel ist es den Autoren gelungen, die bewegte Geschichte des Sudetenlandes und der Tschechei aufleben zu lassen", sagte Gisela Bender bei ihrer Einführungsrede. Doch die kraftvollen Grafiken um Alois Nebel teilen sich auch ohne Worte mit. Die schwarz-weißen Originalzeichnungen zeigen nicht nur psychisch Kranke, Soldaten und gerissene Geschäftsmänner, sondern auch trostlose Eisenbahnstationen und düstere Wälder voller Wölfe und anderer Gefahren. Mystische Motive, die sich an die literarische Tradition zum Thema Böhmerwald anlehnen.Die Ausstellung "Alois Nebel - My Life" ist bis zum 28. Oktober im Kunstverein GRAZ, Schäffnerstraße 21, in Regensburg zu sehen.

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