"Concerto Köln" in Regensburg
Bachs bewegende Dialoge

Kultur
Regensburg
21.12.2016
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Nach zwei symphonischen Konzerten erinnern sich die Odeon-Concerte der "stillen Zeit". Christbäume werden herauf-, Phonstärken heruntergefahren. "Concerto Köln" ist am Montag im Audimax mit Bachs "Brandenburgischen Konzerten" und historischen Instrumenten zu Gast.

"Concerts avec plusieurs instruments" - Konzerte mit mehreren Instrumenten nennt Bach 1721 die Sammlung. Der Titel lässt vorahnen, wie kreativ und unkonventionell er sie angelegt hat, keines gleicht dem anderen. Die famosen Kölner setzen die Konzerte mit Blechbläsern an Anfang und Ende. Bei Nummer 1 konzertieren die bewegliche Violine piccolo, drei leuchtende Oboen, zeichnendes Fagott und zwei Naturhörner. Ihr an Überraschungen reicher Klang ist wahrlich ein Naturereignis, ebenso die intonatorisch delikaten Naturtöne f, fis und a, die Bach verlangt.

Feinnervige Celli

Die hochkultivierten Streicher sind unter sich im leichtfüßig swingenden, glasklar artikulierten und zielstrebig phrasierten Concerto Nummer 3 mit - wie könnte es anders kommen - je drei Violinen, Bratschen und Celli. Bach befreit die tiefen Streicher erstmalig aus ihrer Begleitrolle. Hans-Heinrich Unger hat schon 1941 die dramaturgische Anlage des Kopfsatzes analog zur barocken Rede dargestellt - ein Prinzip, das im Sonatensatz weiter entwickelt wird. Die feinnervigen Celli und der hellwache vitale Kontrabass sind der Fels, auf dem das Ensemble bauen kann. Concerto Nummer 4 präsentiert exklusiv zwei mild gespielte Echo-Doppelflöten mit Forte- und Piano, sie sind nach Zeichnungen rekonstruiert. Wie das ganze Konzert hindurch lässt das sensitive, seelenvolle und energetische Funken sprühende Violinspiel von Konzertmeisterin Mayumi Hirasaki staunen.

Weich und elegant

Nummer 5, das erste "Clavierconcert" der Musikgeschichte, erlöst das Cembalo von seiner Generalbasslast. Die vom umsichtigen Gerald Hambitzer gemessen angegangenen 60 Solo-Kadenztakte lassen uns erfahren, wie Bach wohl improvisiert hat. Der finale Gigue-Satz tanzt weich und elegant-federnd durch den Raum, fern jeder zu sehr hart-pickender Artikulation. Wie in ehrendem Gedenken kommen im Concert Nummer 6 zwei Gamben zum Einsatz, mit den souveränen Violen, Cello und Bass hören wir ein erlesen dunkles Timbre. Höchste Achtung verdient die hochdifferenzierte Bogentechnik, die mit dem öd-strammen "Bach-Strich" der 50er- und 60er-Jahre nichts zu tun hat. Zum glanzvollen Finale Concerto Nummer 2 mit Solovioline, Oboe, Blockflöte und ventilloser Naturtrompete, ein Sensibelchen, das bewundernswert leise geblasen werden kann (Laura Vukobratovic) und selbst mit der Flöte prima harmoniert.

Die beredte innige Eleganz der Kölner trägt durch den Abend, man vermisst weder jagende Motorik á la "Musica Antiqua Köln" noch massig-mulmigen Klang wie vor Harnoncourts Zeiten. Sechs optimistische Dur-Opera, ein rundum beglückendes Erlebnis.
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