Constanze Kreuschs Inszenierung von Euripides' "Medea" am Theater Regensburg berührt und fesselt
Antike Tragödie im nassen Element

Jason (Gunnnar Blume), der Chor (Ulrike Requadt) und Medea (Susanne Berckhemer) schaffen in der Inszenierung von Constanze Kreusch eine ausdrucksstarke Atmosphäre. Bild: Jochen Quast
Kultur
Regensburg
27.03.2018
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Das Gesetz der antiken griechischen Tragödie leitete die Autoren an, die Handlung an einem Ort und an einem Tag stattfinden zu lassen. Daran hielt sich auch Euripides bei seinem im Jahre 431 v. Chr. uraufgeführten Drama "Medea".

Wenn man jetzt noch bedenkt, dass die ohnehin karge äußere Handlung der antiken Tragödien bei Euripides durch das Zurücknehmen des Chores noch mehr geschmälert wird, dann muss sich die heutige Regie bei einer Neuinszenierung schon etwas einfallen lassen, um dieses über 2400 Jahre altes Werk ansprechend auf die Bühne zu bringen. Letzteres gelingt Regisseurin Constanze Kreusch bei ihrer jetzigen Inszenierung von Euripides "Medea" am Theater Regensburg durchaus beeindruckend.

So wählt sie eine minimalistisch-archaische Inszenierung, welche den Blick auf das Wesentliche - und das sind hier nun einmal die Charaktere der Figuren - nicht verstellt. Und dennoch kreiert sie mit ein paar einfallsreichen Details in den Bewegungsabläufen im Zusammenwirken mit dem von Monika Frenz geschaffenen Bühnenbild einige interessante Blickfänge.

Einfallsreiche Details

Dazu zählt auch der ein paar Zentimeter hoch unter Wasser gesetzte Bühnenboden. Zugegeben, dieses aufwendige Verfahren ist nicht wirklich neu, aber wie die Figuren das Wasser in die Bewegungsabläufe integrieren, zeugt schon von beeindruckender Kreativität. Selbiges gilt für die Bewegungsabläufe der Bühnenakteure überhaupt. Hier nutzt die Regisseurin geschickt die komplette Tiefe der Bühne aus, schafft mit mobilen Metallabsperrgittern variable Räume und Bewegungsmöglichkeiten der Figuren und stellt dabei den Kontext zwischen innerer und äußerer Handlung ausdrucksstark heraus.

Die Besetzung des Chores durch eine einzelne Person ist in modernen Inszenierungen von antiken Werken schon fast Standard geworden und könnte deshalb auch mal wieder diskutiert werden. Auch sei dahingestellt, ob man beim Prolog der Amme und am Ende des Stücks Musik einspielen muss. Originell ist aber dann wiederum, dass Kreusch auf der anderen Seite den Boten zum fünfköpfigen Chor macht.

Leidenschaft spürbar

Kleine originelle Ausstattungsdetails, wie die Plateauschuhe des Königs Kreon - der damit als einziger nicht im Wasser stehen muss - komplettieren das insgesamt beeindruckende und berührende Erscheinungsbild der Produktion.

Alle Rollen sind treffend besetzt und die Bühnenakteure agieren mit Leidenschaft und Ausdruck und artikulieren bis in die größten emotionalen Ausbrüche hinein sehr verständlich. Das gilt besonders für Susanne Berckhemer als Medea, Gunnar Blume als Jason und Ulrike Requadt als Chor. Der Premierenabend wird vom Publikum zurecht mit intensivem und anhaltendem Applaus aufgenommen.
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