12.10.2017 - 18:30 Uhr
RegensburgOberpfalz

Daniil Trifonov und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Mariss Jansons ... Schalk und Weisheit

"Also sprach Zarathustra": Mit diesem quasi biblischen Motto ließ Veranstalter Reinhard Söll die neue Saison der Odeon Concerte starten. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Mariss Jansons und der Pianist Daniil Trifonov markierten den superben Anspruch, für den diese Reihe bekannt und geschätzt ist.

Der Dirigent Mariss Jansons. Archivbild: dpa
von Peter K. DonhauserProfil

Richard Strauss pur: Los geht es mit der eingangs genannten Tondichtung op. 30 (frei nach Friedrich Nietzsche) und ihrer legendären Eingangsfanfare, dem "Naturmotiv" C-G-C, das die ersten Intervalle der Naturtonreihe auslotet, die Oktav, konstituiert aus Quint und Quart. Die Harmonik fluktuiert zwischen C-Dur und c-Moll.

Diesem Changieren zwischen Triumph, Freude, Leid und Zweifel spüren Jansons und seine fabelhaften Musiker nach. Das ist keine Glorifizierung des "Übermenschen" (Nietzsche), eher ein Hinterfragen dieser Vision. Das Tanzlied swingt auf dünnem Eis, vorzüglich die Violinsoli von Anton Barakhovsky. Die Fuge ("Von der Wissenschaft") gelingt den Celli und Bässen aus einem Guss, mit eiskelleriger Kühle. Nicht kühl, sondern steril tönt der elektronische Orgel-Ersatz im Audimax.

Nach der Pause die große Regensburg-Premiere des überragenden Daniil Trifonov mit der Burleske d-Moll TrV 145, deren Klavierpart dem seinerzeit führenden Pianisten Bülow zu "widerhaarig" war. Einmalig: Die grandios gespielte Pauke gibt das aus nur vier Tönen gestrickte Motiv (D-A-E-F) vor, es durchzieht das Werk. Es entspinnt sich ein Trialog zwischen Pauke, Klavier und Orchester, die Musiker führen ihn mit hellwacher Aufmerksamkeit, mit Vergnügen am klugen Diskurs.

Sensationell das Klavierspiel von Trifonov: Mühelos und souverän kommuniziert er mit den Orchestermusikern und dem Dirigenten, wechselt zwischen Stimmungen, kommentiert, stimmt zu, widerspricht, witzelt, spöttelt, eröffnet den ungeahnten Blick in fast kosmische Dimensionen. Zwei umjubelte Dreingaben bleiben da nicht aus.

Zum Schluss gibt es "Till Eulenspiegels lustige Streiche" op. 28, bei dem das Orchester nach einem Stolperer zu Bestform aufläuft: Der Klang-Farbraum scheint sich ins Unendliche zu weiten, Jansons und das Orchester werfen sich die Bälle mit Schalk, Spass, Ernst, Ironie und tieferer Bedeutung zu. Ein Extralob verdienen Hornist Carsten Duffin und die Klarinettistin Bettina Faiss.

Schwächeanfall nach Konzert

Der Dirigent Mariss Jansons (74) erlitt am Ende seines Konzerts im Audimax offensichtlich einen Schwächeanfall. Beim Schlussapplaus nach dem zweistündigen Auftritt mit seinen Symphonikern am Mittwoch stolperte er mehrere Male auf der ebenen Bühne leicht und griff sich ans Herz.

Mit bleichem Gesicht verließ er den Saal, gefolgt von seinen Musikern. Nur Minuten später standen am Ausgang ein Notarztfahrzeug und ein Rettungswagen. Wie es dem momentan Maestro geht, ist bisher nicht bekannt.

Am Ende des Konzerts war Jansons die Anstrengung anzusehen. Dass er während des Beifalls die Bühne verlassen musste, machte viele Zuhörer betroffen. Als Jansons 1996 in Oslo "La Bohème" dirigierte, brache er am Pult mit einem Herzinfarkt zusammen. Sein Vater hatte 1984 bei einer Aufführung einen Herzinfarkt erlitten. Er starb. (td)

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