04.12.2006 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

"Das Ende vom Anfang": Premiere im Regensburger Theater am Haidplatz Küche als Abenteuerspielplatz für den Mann

von Susanne WolkeProfil

Männer können einfach alles. Lästig ist nur, dass Frauen das nicht begreifen wollen. Auch der alternde Macho Darry hat unter der Uneinsichtigkeit seiner Gattin Lizzie zu leiden. Hausarbeit sei anstrengend, behauptet die. Ha! Soll sie doch einmal die Wiese mähen, schlägt er ihr vor, als der Streit um die Rollenverteilung wieder mal eskaliert. Lappalien wie Kochen, Putzen, Waschen will derweil er übernehmen - und zwar mit links.

Man ahnt es schon: Die Sache geht nicht gut. Für Darry sind die Folgen der unüberlegten Entscheidung äußerst unangenehm - für das Publikum dagegen umso lustiger. Dieses amüsierte sich nämlich köstlich, als am Freitag die Komödie "Das Ende vom Anfang" im Theater am Haidplatz in Regensburg Premiere hatte. Nach heftigem Applaus lachten manche Zuschauer noch auf dem Weg zur Garderobe.

Das Stück ist reine Unterhaltung. Genau das strebte der Autor Sean O'Casey (1880-1964) an. "Lachen ist Wein für die Seele", hat er einmal gesagt. Der irische Schriftsteller sah das Theater ausdrücklich nicht als ein Instrument der Aufklärung. Bei seinen Einaktern, die in der Tradition volkstümlicher Spielformen stehen, darf sich das Publikum der unverhohlenen Schadenfreude hingeben.

Das gilt auch für "Das Ende vom Anfang". Die Handlung ist schnell erzählt: Darry (Michael Heuberger) will sich also dem Haushalt widmen. Zweifelhafte Unterstützung erhält er dabei von seinem kurzsichtigen Kumpel Barry (Oliver Severin). Wie zu erwarten, machen die beiden von nun an einfach alles falsch. Dabei schieben sie sich stets gegenseitig die Schuld in die Schuhe, zanken sich unentwegt und zerfließen fast vor Selbstmitleid.

"Das Ende vom Anfang" gilt als Slapstick-Klassiker. Zu Recht. Nachdem im Laufe des Stücks fast das komplette Geschirr, eine Fensterscheibe sowie ein Serviertisch zu Bruch gegangen sind und sowohl Darry als auch Barry blutige Verletzungen davongetragen haben, sorgt am Ende ein Rind für das fulminante Finale: Um das Tier am Davonlaufen zu hindern, haben die beiden Schlaumeier dessen Halteseil durch den Kamin geführt und an einen Küchenhocker gebunden. Als sich das Rind draußen fortbewegt, verwandelt der durchs Zimmer schnellende Hocker das ohnehin schon stark lädierte Bühnenbild in ein Schlachtfeld.

Die beiden Schauspieler gehen in ihren Rollen völlig auf - und riskieren mitunter Kopf und Kragen. Michael Heuberger, der mit arrogantem Auftreten und überheblichem Gesichtsausdruck perfekt den selbstgefälligen Darry mimt, schwingt in den hitzigsten Situationen an einer Lampe durch die Luft und wird, am Seil des Rindes festgeklammert, durch den Kamin gezogen. Oliver Severin tapst als halbblinder Barry maulwurfartig durch die Küche, rumpelt zielsicher an wirklich jeden Gegenstand und quittiert seine Missgeschicke stets mit höchst betretenem Gesichtsausdruck.

"Das Ende vom Anfang" nimmt als atemlose Komödie männliche Schwächen aufs Korn. Denn mitunter wird Männern ja Besserwissertum und Wehleidigkeit unterstellt, ebenso eine gewisse Ungeschicktheit in haushaltlichen Belangen. Dabei stimmt das gar nicht! Denn wer die wahre Schuldige am ganzen Schlamassel ist, erkennt Darry spätestens als sich herausstellt, dass seine Frau Lizzie (Silvia Rhode) das Rind draußen weggeführt hat: "Mein Gott, Frau! Kannst du nicht ein einziges Mal etwas richtig machen?"

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